Neuer Marvel-Film "ist eine Sauerei": Die Kritik zu Eternals ist überraschend schlecht

26.10.2021 - 18:35 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Eternals - Final Trailer (English) HD
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© Disney
Eternals
Wie gut ist der neue Marvel-Film Eternals? Der wichtigste MCU-Beitrag seit Avengers 4 wurde von der Kritik kontrovers aufgenommen. Es melden sich ungewöhnlich viele negative Stimmen.

Die ersten Reaktionen zu Eternals waren atemberaubend. Einen Marvel-Film wie keinen zuvor versprachen die Tweets der Kritiker:innen. Das enge Social-Format lässt aber wenige Zwischentöne zu. Umso spannender und aussagekräftiger sind nun die ersten langen Kritiken zum neuen MCU-Beitrag. Sie fallen überraschend schlecht aus.

Was die unerwartet schwachen Kritiken für den Marvel-Film Eternals bedeuten

Mit "Überraschend" meine ich zwei Dinge. Tatsächlich kommen die MCU-Filme bei der Kritik in der Regel gut bis überragend an. Das liegt vor allem daran, dass das Franchise einen Stil gefunden hat, von dem es nur noch gezielt abweicht. Das bedeutet kontinuierliche – manche sagen: eintönige – Qualität.

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Dazu kommt der Faktor Chloé Zhao. Die Oscar-Preisträgerin (Nomadland, 2021) inszenierte das Marvel-Epos. Eine der derzeit besten Filmemacherinnen trifft also auf das derzeit größte Kino-Franchise. Zudem verfilmt Zhao eine der komplexeren Marvel-Comic-Vorlagen. Natürlich sind die Erwartungen da höher als bei dem nächsten Ant-Man-Film (nichts gegen Ant-Man).

Das solltet ihr auf jeden Fall im Hinterkopf haben, wenn ihr die hochinteressanten Eindrücke zu Eternals lest, die jetzt folgen. (Zusammenstellung teilweise von Cinema Blend  und Comic Book )

Eternals - Finaler Trailer (Deutsch) HD
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"Eternals ist eine Sauerei": Harte bis enttäuschte Wertungen für MCU-Film

Denn es sieht aus, als wäre diese spannende Kombination gar nicht so gut für das Endprodukt, also den Film selbst. Eternals ist ein voller Film, so der Tenor. Über zweieinhalb Stunden beträgt die Laufzeit. So schreibt USA Today -Kritiker Brian Truitt:

Zhao versteht die größere Aufgabe, da das Epos die Bühne für künftige MCU-Geschichten bereitet. Ihre Aufmerksamkeit für Details und ihr Auge für das Design sind ein Wunder, selbst wenn sich am Ende alles wie eine ewige, lästige Pflicht anfühlt

Dass MCU-Filme mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen müssen, ist bekannt. Auch, dass das der Qualität der Filme schaden kann. Und dass das eine Herausforderung für Filmemacher:innen ist. Je individueller der Regie-Stil, desto schwerer fällt die Vereinigung von MCU und kreativer Eigenständigkeit.

Diese Spannung wird auch in der Kritik von David Rooney vom Hollywood Reporter  deutlich.

Die Aufmerksamkeit für Figuren, Gruppendynamiken und emotionale Textur macht den Film in seinen ruhigen Moment lebendiger als in den recht routinierten CGI-Action-Sequenzen. Aber die Tiefe der Gefühle hilft, das abgehackte Storytelling auszugleichen in dieser neuen Abspaltung des MCU.

Brian Lowry von CNN  schreibt über die Zeit- und Rhythmus-Probleme von Eternals:

Eternals braucht einfach zu lange, um zu den guten Stellen zu kommen, und er ist verkopfter und erwachsene Elemente [Sex?] könnten den Film weniger attraktiv für Kinder machen. [...]

"Eternals 2 ist eine Drohung"

Es gibt viel zu sehen in Eternals, der Kinobesuch wird sich bestimmt lohnen. Doch selbst in euphorischen Kritiken wie der von Eric Eisenberg für  CinemaBlend  klingen härtere Einwände durch:

Der Film hat einen beeindruckenden Maßstab, fesselnde Charaktere und einige faszinierende Gedanken, aber es ist ein Abenteuer, das auch versucht mehr abzubeißen, als es kauen kann.

Justin Chang von der The Los Angeles Times  stürzt das Eternals-Erlebnis in eine wahre Melancholie. Es ist eine der besorgniserregendsten Kritiken zum Film:

Was zunächst frisch und belebend wirkt, entwickelt sich in etwas, das du unzählige Mal zuvor gesehen hast. [...] Wenn die Titelkarte "Die Eternals werden zurückkehren" kommt, wirkt das weniger wie eine Verheißung als eine Drohung. Du gehst raus mit der deprimierenden Einsicht, dass du gerade den interessantesten Film gesehen hast, den Marvel je machen wird, aber hoffentlich den am wenigsten uninteressanten, den Chloé Zhao je machen wird.

Die Heirat zwischen Zhao und Marvel scheint eine verunglückte zu sein. Auch die Kritik der Kolleg:innen von FILMSTARTS  verweist auf tonale Spannungen zwischen dem MCU und der genialen Regisseurin:

Selten hat es sich dermaßen erzwungen und falsch angefühlt, wenn die Helden und Heldinnen auch in ärgster Not oder größter Trauer noch Witze reißen, oder nebenbei schon mit Anspielungen und Easter Eggs der nächste MCU-Film vorbereitet wird.
Ein geradezu vernichtendes Fazit dieser Bewertungen fällt Joshua Rivera von Polygon :
Filme, die mit unterschiedlichen Erfahrungen kämpfen, können häufig schwer zu schauen sein, auch absichtlich. Leider ist Eternals nicht mutig, eher widersprüchlich. Die einfach Erklärung ist wahrer: Eternals ist eine Sauerei.

In der Statistik lässt sich der bedrückte Tenor auch schon ablesen. Beim Bewertungen-Aggregator Rotten Tomatoes hält Eternals bisher eine Zustimmung von 71 Prozent. Zum Vergleich die letzten beiden Marvel-Filme: Black Widow 79 Prozent; Shang-Chi 92 Prozent. Bleibt es so, ordnet sich Eternals im hinteren Drittel des MCU ein, bei Avengers 2: Age of Ultron und Thor 2.

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Fazit: Ist Eternals ein schlechter Marvel-Film?

Tatsächlich klingt es eher so, als wäre Eternals ein extrem ambitionierter, unangenehmer Film, der daran scheitert, die Gesetze des MCU mit einem eigensinnigen kreativen Ansatz zu vereinen. Daran sind schon andere gescheitert, etwa Edgar Wright mit, aha, Ant-Man 1. Soll heißen: Eternals ächzt und quietscht erwartbar unter der Vereinigung des Unvereinbaren. Es fliegen die Funken, der Film hat Kratzer und wahrscheinlich auch ein paar Verstauchungen und Brüche. Klingt eigentlich ganz aufregend und wird es wohl auch.

Für die Zukunft dieses Franchise könnte diese Erfahrung dennoch entscheidend sein. Marvel, Disney und MCU-Chef Kevin Feige sind mit der Verpflichtung von Chloe Zhao ein begrüßenswertes Risiko eingegangen, sie gewährten ihr mehr kreative Freiheiten als anderen Regisseur:innen. Ob sie das nach Eternals wieder tun werden, ist nun leider mehr als fraglich.

Was erwartet ihr von Eternals?

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