Gruseliger Disney-Hund in Ruf der Wildnis: Lasst die Finger von CGI-Tieren

Ruf der Wildnis
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22.02.2020 - 09:00 UhrVor 8 Monaten aktualisiert
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Ob König der Löwen oder Ruf der Wildnis: Hyperrealistisch animierte Tiere entwickeln sich langsam zu einer Art Plage. Ein Hilferuf an Hollywood, damit die Invasion der unheimlichen CGI-Kreaturen endlich aufhört.

Uns steht dieses Jahr eine Neuauflage von Lassie ins Haus, mit einem echten Collie im Gepäck. Währenddessen schlägt sich Harrison Ford seit gestern in der Jack London-Verfilmung Ruf der Wildnis an der Seite eines CGI-Hundes durch den Yukon. Ein CGI-Hund, der schon beim Schauen des Trailers die Uncanny Valley-Alarmglocken schrillen lässt.

Je weiter die Technik für hyperrealistische Effekte fortschreitet, desto mehr werden wir von diesen bizarren Pseudo-Tieren überrannt. Dabei ist das in vielerlei Hinsicht unsinnig und problematisch. Liebes Hollywood: Hör endlich auf, unnötig Tiere zu animieren!

Von König der Löwen bis zum Dschungelbuch: Auch Tiere haben ein Uncanny Valley

Das Uncanny Valley wird normalerweise im Kontext mit Robotern oder Puppen verwendet und bezeichnet den Punkt, an dem etwas so menschlich aussieht, dass wir uns davor gruseln - weil uns irgendetwas sagt, dass wir da trotzdem keinen Menschen vor uns haben.

Der gerade von Disney propagierte Hyperrealismus in der Animation überträgt diesen unbehaglichen Effekt inzwischen auch auf Tiere. Mit einem Sonic, einem Pikachu oder sogar einem vorsintflutlichen Garfield fühlen wir uns wohl. Das Design kommuniziert von vornherein klar, dass hier nichts real ist. Umso eher sind wir bereit, für anderthalb Stunden an die Existenz der gelben Britzelmaus oder des blauen Rennigels zu glauben.

Simba und Pikachu: Gleich niedlich, unterschiedlich glaubwürdig

Ein über-realistisches Tier jedoch verwischt auf unangenehme Weise diese klaren Grenzen. Irgendetwas wird stets die Künstlichkeit des Computerbilds verraten, und mit steigendem Realismus wird dies nur irritierender. Tiere sind für uns Teil der natürlichen Welt, umso mehr verunsichert uns ein künstliches Element an ihnen.

In einem König der Löwen ist das nicht ganz so "wild" (Verzeihung), denn immerhin ist ausnahmslos alles hier unecht. Sobald jedoch ein reales Element hinzu kommt, wie etwa Mogli in The Jungle Book, fallen unrealistische Details im Kontrast umso krasser auf.

CGI-Pferde in Der Hobbit und die Unmöglichkeit der Reit-Animation

Besonders auffällig ist das bei Tieren, von denen selbst moderne Stadtkinder (nicht zuletzt dank jahrzehntelanger Prägung durch Western) wissen, wie sie sich zu bewegen haben: Pferden. Diese sehen als CGI-Element gerade bei Reit-Szenen stets befremdlich aus. Der Rhythmus der Bewegungen ist schwer replizierbar und muss penibelst nachanimiert werden, um nicht zum massiven Störfaktor zu werden.

Für Der Herr der Ringe wurde genau deshalb ein animatronisches Modell eines Pferderumpfes nachgebaut. Mit Computeranimation und Herumgewackel der Darsteller kam einfach kein realistisches Bild zustande. In Der Hobbit: Smaugs Einöde jedoch wurde genau diese Erkenntnis wieder über Bord geworfen und Legolas' Reitsequenzen auf einem grässlichen Computerpferd werden zum Irritationsmoment. (Die letzten 15 Sekunden des Videos)

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Selbst Steven Spielberg steht eisern dazu, nur mit echten Pferden zu drehen (via Digital Spy ). Die wenigen Szenen in Gefährten mit CGI-Tieren empfindet er als unnatürlich und auffällig.

Künstliche Tiere zwingen Schauspielern Fesseln auf

Ein weiteres Problem ist das ewige Dilemma von CGI-Figuren: Wenn Schauspieler mit grünen Attrappen spielen statt mit etwas Echtem, werden die Interaktionen nie ganz authentisch sein. Natürlich kann ein guter Schauspieler dem entgegenwirken. Doch eine wirkliche emotionale Bindung ist nicht simulierbar.

Harrison Ford in Ruf der Wildnis hatte zumindest einen Stuntman als Stellvertreter vor Augen. Doch bei einem Robert Downey Jr. in Die fantastische Reise des Dr. Dolittle fällt das Spielen ins Leere immer wieder auf und lässt den fantastischen Darsteller immer wieder fast teilnahmslos wirken.

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Wenn die Wirkung der Drogen nachlässt und dir klar wird, dass du kein Weltraumschmuggler bist, der mit einem Wookie das Universum bereist.

Ein Computerprodukt kann nie die Persönlichkeit und Seele eines realen Tieres entwickeln. Wer denkt, ein Tier müsse mit menschlicheren Gesichtszügen animiert werden (wie es bei Ruf der Wildnis wohl unter anderem der Fall war), damit es eine Präsenz auf der Leinwand hat, hat offensichtlich noch nie Henry Cavill in The Witcher mit seinem Pferd Plötze interagieren sehen. Und ist auch nicht mit Kommissar Rex aufgewachsen.

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Henry Cavill genießt einen gemütlichen Moment mit Zeus (Plötze)

Hund oder Tiger: Welche Tiere bieten sich für CGI an, welche nicht?

Natürlich gibt es genug Umstände, unter denen die Verwendung eines animierten Tiers durchaus sinnvoller und besser ist als die Alternative. Wenn in King Arthur König Uther sein Pferd ins Nichts springen lässt, käme ein echtes Pferd ums Leben. Sobald etwas zu gefährlich für ein Tier wird, ist CGI absolut gerechtfertigt. Auch in Ruf der Wildnis gibt es Sequenzen, die für einen echten Hund unzumutbar gewesen wären. Aber eben nicht nur.

Ähnlich sieht es mit der Sicherheit der menschlichen Darsteller aus: Gegen die Animation von potentiell gefährlichen Wildtieren wie etwa einem Tiger in Life of Pi ist nichts einzuwenden. Einmal ganz abgesehen davon, dass nicht domestizierte Tiere ohnehin aus Naturschutzgründen bevorzugt gar nicht für Filmzwecke dressiert werden sollten. Hier ist CGI ein Segen.

Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger

Doch wenn es um Haus- und Nutztiere geht, bringt der Einsatz des realen Tiers vielleicht mehr Aufwand mit sich, ist aber unersetzlich. Selbstverständlich muss immer die Bedingung erfüllt sein, dass das Tier unter humanen Bedingungen "mitspielt".

Doch letztendlich kann kein noch so hübscher Haufen Pixel die Realität ersetzen. Und wenn ein Film sich unbedingt um vermenschlichte Tiere drehen muss, bleibt nur eins: Die Stilisierung im Zeichentrick, die Disney früher so gut beherrschte.

Was haltet ihr von dem Trend, reale Tiere durch CGI zu ersetzen?

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