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Die Filmanalyse zu Bennett Millers Foxcatcher

Foxcatcher - Kritik und Analyse

18.01.2015 - 12:10 UhrVor 7 Jahren aktualisiert
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© moviepilot
Foxcatcher - Kritik und Analyse
Für immerhin 5 Oscars ist Bennett Millers Sportlerdrama Foxcatcher nominiert, dabei ist der Film nur auf den ersten Blick oscar-typisch und genau das macht ihn interessant.

Die Oscar-Nominierungen sind auch dieses Jahr nur wenig nachvollziehbar. Wurde im letzten Jahr noch der belanglose esoterische Weltall-Trip Gravity mit Nominierungen überhäuft, so ist Christopher Nolan und sein großartiger Film Interstellar in keiner Hauptkategorie vertreten. Zumindest was die Beschwörung der amerikanischen Werte betrifft, hätte sich Interstellar gut in die Reihe der Nominierten eingefügt. Foxcatcher ist so ein Film, der von einem amerikanischen Helden handelt, vom Sport als politischem Propagandainstrument und der – das liebt man in Hollywood ganz besonders – auf einer wahren Begebenheit beruht.

Auch ist es wiederum äußerst merkwürdig, dass zwar die Regie, das Drehbuch und der Hauptdarsteller Steve Carell auf einen Oscar hoffen dürfen, Foxcatcher aber nicht als bester Film nominiert wurde. Wenn das Drehbuch, die Regie und die schauspielerische Leistung so gut sein sollen, welcher Faktor ist dann noch ausschlaggebend für das Prädikat „bester Film“? Sei's drum! Bennett Miller hat mit Foxcatcher einen sehr ambivalenten Film gedreht, der auf den ersten Blick oscar-typisch anmutet, dann aber genau das Gegenteil von Hurra-Patriotismus, Heldenverehrung und einer Glorifizierung des Sportsgeistes ist. Channing Tatum spielt die Rolle des Ringers Mark Schultz fabelhaft – irgendwo zwischen Siegfried und dem reinen Tor Parsifal und dem typischen american guy. Steve Carell als reicher Mäzen und Trainer gibt der Apathie ein Gesicht, das man so schnell nicht mehr vergessen wird. Der Film erzählt eine Erfolgsgeschichte und entlarvt alle Klischees und dekonstruiert die eigene neoklassizistische Bildsprache.

Foxcatcher zeigt den Westen, wie er am Ende der 1980er Jahre sich in einer schweren Lethargie befindet, wie dies jüngst auch Houellebecq in seinem Roman Unterwerfung unserer Gegenwart diagnostiziert hat. Die letzte Szene des Films, die ich hier nicht verraten, sondern nur deuten möchte, zeigt wie daraus nur noch blanke Brutalität folgen kann. Gefangen in einem Käfig, umtost von aggressiven Sprechchören.

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