Fear The Walking Dead ist zurück: Mit einer vernichtenden Nullnummer

Fear the Walking Dead - Staffel 5, Folge 9: Channel 4
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Fear the Walking Dead - Staffel 5, Folge 9: Channel 4
Moviepilot Team
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Das Midseason-Finale von Fear the Walking Dead ist, natürlich, eine Lüge. Die Idee, dass eine Serie für einige Monate nach einem vorzeitigen Höhepunkt und Abschluss diverser Handlungsstränge verschwindet und danach erholt wie aus einer Kur zurückkehrt, kann natürlich nur in bitterer Enttäuschung enden.

Schließlich wurde hinter den Kulissen ununterbrochen weitergearbeitet und das kreative Team nicht ausgetauscht. Das bedeutet, dass Fear the Walking Dead trotz eines netten formalen Gimmicks bei seiner Rückkehr aus der nur sehr kurzen Sommerpause seine Altlasten mit sich trägt und offensichtlich weiterhin keine Anstalten macht, die eingeschlagene Richtung auch nur bisschen anzupassen.

Die drei wichtigsten Erkenntnisse der neuen Fear the Walking Dead-Folge:

  • Alicia wird zu Morgans Nachfolgerin umgestaltet.
  • Ein The Office-Reboot mit Zombies könnte durchaus für einige Folgen unterhaltsam sein.
  • Altheas Existenz in der Serie ergibt endlich Sinn, bleibt jedoch ein Gimmick.

Das heißt: Morgan und seine Gutmenschen kehren von ihrem Abenteuer aus der magischen Zone zurück. Dabei handelt es sich um ein von Bergen eingeschlossenes Waldgebiet inmitten von Texas, das durch ein Atomkraftwerk bedroht wurde und nur durch ein Flugzeug betreten oder verlassen werden konnte.

Das heißt auch: Morgan bleibt weiterhin die Hauptfigur und treibende Motor einer Serie, der es seit einigen Folgen an Überzeugungskraft fehlt. Zudem schließen sich die ehemaligen Bad Boys Daniel Salazar (Rubén Blades) und Strand (Colman Domingo) der Gruppe und ihrer selbstlosen Philosophie an, so vielen Menschen wie möglich in der Apokalypse zu helfen. Koste es, was es wolle.

Lediglich Alicias (Alycia Debnam-Carey) kurzer Flirt mit dem Tod bringt einige Veränderungen mit sich. Aber keine guten.

Fear The Walking Dead ist keine Zombieserie mehr

Das größte Problem, das Fear in dieser Staffel ganz besonders plagt, sind die fehlenden Elemente einer Zombieserie. Gefährliche Untote sind so gut wie nicht vorhanden. Knappe Ressourcen, Hunger und Verzweiflung werden kaum thematisiert. Außerdem fehlen fiese Gegenspieler sowie moralisch komplexe Handlungsoptionen. In der neu gezeichneten WElt von Fear the Walking Dead existieren längst keine existenziellen Herausforderungen mehr.

Die Figuren kümmern sich nicht mehr um ihr eigenes Überleben, weil dies gar nicht mehr nötig ist. Was gibt es also in einer Serie mit dem Namen Fear The Walking Dead noch zu fürchten?

Während in der Mutterserie Gebiete klar abgesteckt und bis auf den Tod verteidigt werden, existiert in der Weite von Texas nur unsere Gruppe und eine Handvoll anderer Menschen, denen allen geholfen werden muss.

Sicherlich sollen die Spin-offs nicht im Schatten von The Walking Dead und den klassischen Tropen des Genres stehen. Die Geschichten über die lebenden Toten haben in den vergangenen Jahren das Zenit ihrer neu aufgeblühten Popularität überschritten und müssen daher neue Wege gehen. Gerade bei Fear the Walking Dead scheitert die Umsetzung jedoch an der debilen Erzählung und den hauchdünnen Figuren sowie ihren fragwürdigen Motivationen.

Es ist schwierig, genau festzunageln, wo die vielen Problemen der Serie stecken, aber ein Fakt bleibt auch nach neun Episoden in dieser Staffel eine ziemlich gute Konstante: Niemand ist bisher gestorben oder gebissen worden, während gleichzeitig der Cast unaufhaltsam an Morgan-Klonen zunimmt.

Fear The Walking Dead darf Alicia nicht in einen Morgan-Klon verwandeln

Vor einigen Wochen schrieb ich, dass Fear The Walking Dead einen immensen Fehler begeht, wenn Alicia stirbt. Ihr Todesurteil kam überraschend und fiel eigentlich unmissverständlich aus. Entgegen des Bruchs mit der Logik der Serie markiert ihr Fortbestand einen der wichtigsten Pluspunkte von Fear the Walking Dead.

Doch nun blüht Alicia ein schlimmeres Schicksal.

Die Nahtoderfahrung mit der radioaktiven Verseuchung und eventuellen Spätfolgen trüben ihr Gemüt natürlich. So etwas geht nicht spurlos an einem vorbei. Alicia, die bisher jedoch Morgan (Lennie James) zaghaft in Ansätzen widersprach, fällt nicht in tiefe Depressionen. Sie hat auch keinen verständlichen Wutausbruch oder Reue nach einer ganzen Menge irrationaler Entscheidungen. Nein, Alicia durchlebt Morgans alten Handlungsbogen.

Sie zieht sich zurück und wird jetzt nun so pazifistisch, dass sie nicht einmal mehr Zombies töten will und von Strand gerettet werden muss. (Ihm gab sie übrigens auch ihre höchst unpraktische Kampfwaffe.) Morgan trainiert sie sogar und übt sie in der katastrophal schädlichen Eastman-Philosophie.

Dieser Wandel ist altbacken und unglaubwürdig. Gerade bei Alicia ist er besonders schmerzvoll, immerhin war sie der letzte Hoffnungsschimmer, nachdem selbst Strand und Daniel kastriert wurden.

Alicia bleibt der Serie also erhalten, aber nur als Schatten ihrer selbst. Die einzige Möglichkeit der Rettung scheint inzwischen die verrückte Theorie einer Rückkehr von Madison, um die sich inzwischen viele Fangerüchte streuen.

Diese Rückkehr wäre einerseits interessant, um zu sehen, wie sie ihren Bekannten Vernunft einbläuen würde. Andererseits wäre Kim Dickens' erneutes Auftauchen in Fear the Walking Dead einfach nur abstrus und unter den aktuellen Autoren der Serie auch kaum befriedigend möglich.

Formale Spielchen retten Fear The Walking Dead nicht

Überraschenderweise kann diese Episode jedoch durch ihre formale Umsetzung punkten. Wir sehen nämlich in dieser Woche eine Art The Office mit Zombies. Althea schnitt all ihre Interviews und Aufnahmen zu einem Bewerbungsvideo zusammen, das die Gruppe als Beweis ihre Hilfstaten an den Raststätten Texas hinterlässt.

Durch die Dokumentation von Nebensächlichkeiten gewinnt die Serie eine ungewohnte Leichtigkeit. Farbe, Witz und Herz kehren in die Serie zurück! So richtig will dies aber nicht gelingen, auch wenn die typischen Blicke in die Kameras teilweise lustig sind und echte, menschliche Momente zum ersten Mal zwischen einigen Figuren dargestellt werden.

Nach all dem Gespräch übers Helfen ist es aber höchst ironisch, wie gering das eigentliche Interesse der Autoren daran zu sein scheint, denn die Clips werden auf eine Diashow reduziert.

Das aufrichtige Interesse der Showrunner bleibt nämlich die Darstellung der inneren Zerrissenheit unserer Hauptfiguren. Morgan öffnet sich so zum Beispiel zum ersten Mal und redet länger über den schmerzvollen Tod seiner Familie. Das Ganze wird konterkariert durch die Rettung einer Frau plus Kind.

Was ein großartiger Durchbruch für die Serie sein könnte, wird jedoch durch das formale Gimmick emotional untergraben. Zum ersten Mal gelingt es der Serie, Morgan mehr als nur einen bipolaren Gutmenschen darzustellen.

Doch die Inszenierung raubt der Rettung jegliche Spannung, denn durch die Nacherzählung der Rettung wissen wir bereits, dass Morgan die brenzlige Situation überlebt. Und gleichzeitig schneidet Althea die wichtigen zwischenmenschliche Momente heraus, in denen Morgan mit der Familie eventuell eine Katharsis hätte durchleben können.

Wie die Serie es auch macht, sie macht es falsch. Oder seht ihr das anders?

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Ab 22. August im Kino!Good Boys
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