Serienmörder in Filmen: Ed Gein, der mutterfixierte Leichenbastler

American Psycho
© 20th Century Fox
American Psycho
Community Autor
folgen
du folgst
entfolgen

Update: Die Artikelreihe zu "Serienmörder & Filmgeschichte" haben wir bereits vor sechs Jahren veröffentlichen. Die ist gerade hochaktuell, denn Quentin Tarantino erzählt in Once Upon a Time ... in Hollywood seine eigene Geschichte über den Mörder Charles Manson. Zudem geht es in der Netflix-Serie Mindhunter, deren 2. Staffel gerade gestartet ist, ebenfalls um Serienmörder und deren menschliche Abgründe.

Als die Polizei am 17. November 1957 auf der Suche nach der vermissten Bernice Worden in das alte Farmhaus in Plainfield, Wisconsin eindrang, eröffnete sich ihr ein derart grauenvolles Bild, das sich wohl für alle Zeiten in die menschliche Erinnerung einbrennt. Denn neben der vermissten Leiche entdeckten die Ermittler im Inneren des Gebäudes das Werk eines Wahnsinnigen: ein groteskes Museum aus menschlichen Überresten.

Der Mann, der für dieses Szenario verantwortlich war und noch am selben Tag festgenommen wurde, hieß Ed Gein. Und seine Taten, die in den konservativen 1950er Jahren als nie zuvor gekannte Sensation die Massen in ihren Bann zogen, fanden seitdem bis heute immer wieder Verwertung in der Pop- und Filmkultur.

Geburt eines Serienmörders: Ein Leben in Unterdrückung und Einsamkeit

Nachdem Geins alkoholkranker Vater 1940 starb und sein Bruder Henry 1944 durch mysteriöse Umstände ebenfalls ums Leben kam, war Ed mit seiner dominanten und fanatisch-religiösen Mutter allein auf der Farm. Geins Mutter unterdrückte ihren Sohn, schirmte ihn von der sündhaften Außenwelt ab und verbot ihm den Kontakt zu Frauen.

Als sie 1945 an einem Herzinfarkt starb, brachte dies für ihn jedoch keine Erlösung, denn stattdessen riss ihr Tod eine Leerstelle in sein Leben, die den Stein ins Rollen brachte. Zunächst begann alles ganz harmlos, als Gein immer wieder Müllhalden und Schrottplätze aufsuchte, um kaputte Radios, Zahnprothesen oder alte Kaugummis in seinem Haus zu horten. Bald darauf fing er an, die Tageszeitungen nach jüngsten Todesfällen zu durchstöbern, um noch in der Nacht nach der Bestattung die Leichen wieder auszugraben.

Eigentlich wollte Gein sogar seine eigene Mutter wieder ausbuddeln, nur kam er durch die Einfassung in Beton nicht an ihren Sarg. Aus Teilen der Leichen fertigte Gein Alltagsgegenstände für sein Haus. Bei der Durchsuchung fanden die Ermittler später unter anderem einen Tisch aus menschlichen Schienbeinen, eine Kollektion abgetrennter Nasen oder Schüsseln aus zersägten Schädeln, mit denen er seine Haustiere fütterte. Aus der Haut der Verstorbenen nähte er sich einen Anzug.

Doch irgendwann war ihm dies nicht mehr genug. Nachdem er 1954 die Lokalbesitzerin Mary Hogan ermordet hatte, die in den kommenden drei Jahren als verschwunden galt, schlug er im November 1957 wieder zu. Er erschoss die 58-jährige Bernice Worden direkt in ihrem Haushaltswarengeschäft und lud ihre Leiche auf seinen Pickup, um ihr auf seiner Farm schließlich den Kopf abzutrennen und sie vollständig auszuweiden.

Als die Polizei einen Tag später das Grundstück durchsuchte, fand sie neben der Leiche von Bernice Worden auch die von Mary Hogan und weitere Leichenteile von mindestens zehn anderen Personen.

Serienkiller-Referenz: Von Norman Bates zu Buffalo Bill

Zu der Zeit, als Gein die Morde beging, lebte in Wisconsin ebenfalls der Schriftsteller Robert Bloch. Inspiriert von Geins Taten und dem Umstand, dass ein vollkommen harmlos wirkender Mann zu solch abscheulichen Grausamkeiten fähig war, entwickelte er die Figur des Norman Bates für seinen Roman Psycho. Wie Gein hatte Bates ein krankhaft gestörtes Verhältnis zu seiner Mutter, die er allerdings nach ihrem Tod in seinem Haus aufbewahrte und als lebendig inszenierte.

Es dauerte nur ein Jahr, als nach der Veröffentlichung des Buches ein Filmemacher auf den Plan trat, um den Stoff aus Psycho für die Leinwand umzusetzen: Alfred Hitchcock. Der Master of Suspense erweiterte 1960 das Mysterium des mutterfixierten Serienmörders, indem er Norman Bates nicht wie in der Buchfassung als unattraktiven Sonderling, sondern mit Anthony Perkins als hübschen Jungen von Nebenan in Szene setzte.

14 Jahre später fand Geins abnorme Liebe zu Leichen wiederholt mit Blutgericht in Texas Einzug in das amerikanische Kino. Hier geraten fünf Teenager in die Fänge einer Kannibalen-Familie, die - genau wie Gein - ihr Haus vorzugsweise mit Leichenteilen dekoriert.

Doch die Faszination an den schauerlichen Ereignissen auf der Farm in Plainfield sollte auch weitere 14 Jahre später nicht abreißen: 1988 schrieb der Autor Thomas Harris seinen Roman Das Schweigen der Lämmer und kreierte mit der Figur Buffalo Bill eine weiteren fiktionalen Trittbrettfahrer Geins. Es dauerte nicht lange, bis Regisseur Jonathan Demme Harris‘ Roman als hervorragende Filmvorlage für Das Schweigen der Lämmer befand und 1991 Jodie Foster mit Hilfe des Kannibalen-Psychiaters Hannibal Lecter gegen Buffalo Bill ermitteln ließ.

Serienmörder Ed Gein - Ein Mythos, der bis heute andauert

Nochmal gut 20 Jahre später und im Heute angekommen, ist der Mythos um den Mörder Ed Gein in der Pop- und Filmkultur jedoch immer noch ungebrochen. Das Partial-Biopic zu Hitchcock springt noch einmal ins Jahr 1960 zurück und zeigt die schwierigen persönlichen Umstände des Spannungs-Großmeisters während seines Drehs zu Psycho. Und wieder treffen wir hier auf ein bekanntes Gesicht, das als Hitchcocks Alter Ego mehrmals in dessen Tag- und Albträumen auftaucht: Ed Gein.

Wer in dieser bis hierher erzählten Geschichte genau aufgepasst hat, findet allerdings noch einen weiteren spannenden Zusammenhang. Denn der Mann hinter der zugekleisterten Hitchcock-Maske in diesem aktuellen Kinofilm ist kein geringerer als Anthony Hopkins, den wir - ja richtig - schließlich schon in Das Schweigen der Lämmer brillieren sahen. Und als Anthony Hopkins 1991 in der Rolle des hochintelligenten Lecters zusammen mit Jodie Foster Jagd auf sein Alter Ego Buffalo Bill machte, traf er damals mit diesem schon einmal auf die Reinkarnation von Ed Gein.

Natürlich sind dies noch nicht alle Geschichten, die auf die abscheulichen Ereignisse folgten, welche sich damals auf der Farm in Plainfield zutrugen. Immer wieder tauchte Ed Gein mehr oder weniger offensichtlich in der jüngeren Filmgeschichte auf und hinterließ seine Spuren auch in Filmen wie Haus der 1000 Leichen oder American Psycho.

Obwohl Gein bereits 1984 in einer Anstalt für kriminelle Geisteskranke starb, scheint der Hype um den einfachen Farmer mit den dunklen psychischen Abgründen noch immer nicht zu versiegen. Beerdigt wurde er übrigens - ironischerweise - neben seiner Mutter.

Seht ihr noch andere filmische Verbindungen zum Serienmörder Ed Gein?

Community Autor
folgen
du folgst
entfolgen
Deine Meinung zum Artikel Serienmörder in Filmen: Ed Gein, der mutterfixierte Leichenbastler
Ab 20. Februar im Kino!Fantasy island
10fd33a04a5d4ac9a938a85bdaabd668