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Mein Herz für Serie

Die Sopranos - There Is No Mafia

14.09.2010 - 08:50 Uhr
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Die Sopranos
© HBO
Die Sopranos
Tony Soprano ist das Oberhaupt von zwei Familien: Auf der einen Seite seine Frau, seine Kinder und seine Mutter, auf der anderen Seite die Führungsrolle in seinem Abfallbeseitigungsunternehmen. Diese Doppelbelastung treibt ihn in eine tiefe Sinnkrise, womit die Probleme erst richtig anfangen. Willkommen in der Welt der Sopranos.

Die thematische Inszenierung der Mafia im Film hat mich schon immer fasziniert – sei es im kultigen Mafiaepos Der Pate und dessen Nachfolgern oder den Mafiastreifen GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia und Casino von Martin Scorsese. Die Organisation der Mafia an sich besticht durch klassische Werte wie Ehre und Zusammenhalt und kombiniert diese mit kriminellen Elementen wie Machtstreben, Mord, Verrat, Kaltblütigkeit und Härte. Durch die stilisierte Inszenierung mit hintergründigen Charakteren, Humor und allem, was an mafiösem Klischeedenken mittlerweile dazugehört, üben diese Filme eine unglaubliche Anziehungskraft auf mich aus. Mit diesen Vorlieben ausgestattet, kam ich wohl nicht umhin, mich vor vielen Jahren auch an die im Vorfeld so hochgelobte Mafiaserie Die Sopranos heranzuwagen, obwohl ich selbst nicht sonderlich viel mit Serien am Hut hatte und habe. Aber was soll ich sagen: Ich sollte nicht enttäuscht werden.

Der Einstieg in die Welt der Sopranos
Poor You! Tony Soprano hat es wirklich nicht leicht, fungiert er doch gleichzeitig als Oberhaupt von zwei verschiedenen Familien: Seiner eigenen neureichen Brut in einem Vorortsbezirk in New Jersey sowie als Capo der mächtigen kriminellen Organisation der DiMeo-Familie, die als Abfallbeseitigungsunternehmen getarnt ist. Bei dieser Doppelbelastung ist es kein Wunder, dass Tony in eine Sinnkrise gerät und nach immmer wiederkehrenden Panikattacken an sich selbst zu zweifeln beginnt. Abhilfe soll die Psychiaterin Dr. Melfi schaffen, mit der er auf der Couch seine privaten und geschäftlichen Probleme bespricht. Das mafiöse Tagesgeschäft macht ihm allmählich zu schaffen, allerdings ist das noch lange nichts gegen seine verbitterte Mutter, die ihn seit seiner Kindheit zur Verzweiflung bringt. Auch Tonys Frau Carmela plagt ihn wegen seiner gelegentlichen Seitensprünge mit Eifersucht und Ehekrisen. Und dass Tonys Kinder Meadow und A.J. (Anthony Junior) gerade in schwierigen Entwicklungsphasen stecken, macht die Sache auch nicht leichter. So muss er im Laufe der Zeit seine häuslichen und geschäftlichen Probleme unter einen Hut bringen und gleichzeitig immer auf der Hut sein, dass seine therapeutischen Sitzungen nicht in den Mafia-Kreisen bekannt werden, denn dann wäre sein steiler Weg an die Spitze des Unternehmens für immer dahin.

Hervorragende Besetzung bis in die letzten Nebenrollen
In der Hauptrolle als Tony Soprano ist James Gandolfini zu sehen, der eine herausragende Darbietung als Mafiaboss zwischen äußerer Härte und psychischer Schwäche hinlegt. An seiner Seite spielt Edie Falco seine Frau Carmela, die zunächst als stereotypische Mafiahausfrau angelegt ist, die zwar weiß, was ihr Mann tut, aber nie Einzelheiten erfährt. Im Laufe der Serie wandelt sie sich zu einer selbstbestimmenden Figur. Lorraine Bracco meistert als Psychiaterin Dr. Melfi die Gradwanderung zwischen unschuldigem Mauerblümchen und selbstsicherer Autoritätsperson als engste Vertraute des Mafiabosses in perfekter Manier. Als Tonys Neffe Christopher Moltisanti ist Michael Imperioli zu sehen, der als hitzköpfiger Nachwuchsmafioso ebenfalls eine beeindruckende Vorstellung abliefert. Zu Tonys engsten Vertrauten zählen außerdem Paulie “Paulie Walnuts” Gualtieri (Tony Sirico), ein langjähriges Mitglied der Familie, das mit einem eindrucksvollen Temperament und einem tiefen Misstrauen gesegnet ist, sowie Silvio “Sil” Dante (Steve Van Zandt), Tonys Consigliere. Der ruhige Zeitgenosse, der gelegentlich mit Zitaten von Al Pacino glänzt, ist gleichzeitig Eigentümer des Stripclubs “Bada-Bing”, dessen Hinterräume dem Clan als Büro dienen.

Generell lässt sich sagen, dass James Gandolfini als einzige Hauptfigur in allen Episoden zu finden ist – alle anderen Charaktere sind ihm demnach untergeordnet. Neben den bereits genannten tauchen im Laufe der Serie Die Sopranos immer wieder unzählige interessante Figuren auf, die auch oft über einen langen Zeitraum zu sehen sind, wie Tonys alteingesessener Onkel Corrado “Junior” Soprano (Dominic Chianese), seine spirituell veranlagte Schwester Janice (Aida Turturro), seine manipulierende und herrschsüchtige Mutter Livia (Nancy Marchand) sowie der erst später auftauchende Ralph “Ralphie” Cifaretto (Joe Pantoliano), der sich das ein oder andere Mal gehörig mit Tony anlegt. Daneben wäre es an dieser Stelle eigentlich passend, auch weitere fabelhafte Charaktere zu nennen, wofür der Rahmen hier leider nicht ausreicht.

Glaubwürdige Wiederspiegelung der Realität
Die Sopranos wurden von David Chase entwickelt und wirken auf den ersten Blick wie ein gewöhnliches Gangster-Drama. Dabei steckt soviel mehr hinter der Serie: Wie das oscarprämierte Drama American Beauty offenbart die Serie die Heucheleien der vordergründig heilen Welt einer zerrütteten amerikanischen Vorstadtfamilie – deren Oberhaupt zufällig ein Mafiaboss ist. Die immer wieder wechselnden Drehbuchschreiber und Regisseure der Serie stricken eine unvorhersehbare Reihe an parallelen und sich verbindenden Handlungssträngen – von der Tragödie über eine Farce bis hin zu gesellschaftlichem Realismus. Anders als genreähnliche Kinofilme erreicht die Serie eine selten dagewesene, realitätsnahe Tiefe, die sogar dazu geführt hat, dass sich echte Mafiosi in diversen Charakteren der Serie Die Sopranos wiedergefunden haben sollen. Ein übriges erledigen die stimmungsvollen Sets der Bronx und von New Jersey, die die Glaubwürdigkeit der Serie nur weiter unterstützen.

Preisgekrönte Serie auf der Welle des Erfolges
Bei all diesen exzellenten Eigenschaften durften die Preise natürlich nicht ausbleiben. So gewannen Die Sopranos insgesamt 21 Emmys und 5 Golden Globes. Zum ersten Mal ausgestrahlt wurde die Serie am 10. Januar 1999 auf dem amerikanischen Sender HBO. In Deutschland feierte sie ihre Premiere am 15. September 2001 auf ZDF, das danach die ersten drei Staffeln ausstrahlte. Die Sendezeiten waren allerdings alles andere als prickelnd, was zu mangelhaften Einschaltquoten und der Einstellung der Serie führte. Etwas später fanden sich Die Sopranos kurzzeitig auf Kabel Eins wieder, bevor die Serie im Pay-TV-Sender Premiere ab September 2004 mit allen sechs Staffeln und 86 Episoden gezeigt wurde.

Allerdings lautet mein Tipp: Schafft euch die DVDs an, dann könnt ihr Die Sopranos in der Originalsprache genießen, wann immer und so oft ihr wollt. Als kleinen Bonus gibt es hier noch den berühmten Vorspann zu sehen:

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