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Der Trick ist... sich nichts daraus zu machen

12.02.2013 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Lawrence von Arabien
© Columbia/moviepilot
Lawrence von Arabien
Moviepilot-User dAShEIKO hat einen Text geschrieben, um einen Meilenstein des Films zu würdigen. Viel Spaß beim Lesen!

1962 entstand unter der Regie von David Lean ein Filmepos, das auch heute noch seinesgleichen sucht. Es machte zwei Jungschauspieler zu Stars. Und die Musik ist der monumentalen Größe des Films mehr als würdig. Lawrence von Arabien ist ein Meilenstein der Filmgeschichte.

Am 08. August 2012 fieberten Filmfans der Premiere von Prometheus – Dunkle Zeichen entgegen. In den ersten Minuten des Films sieht man einen großartigen Michael Fassbender, der sich den Film Lawrence von Arabien ansieht und von der Figur so fasziniert ist, dass er sich mit ihr identifiziert und ihn perfekt rezitiert: “Der Trick ist es, sich nichts aus dem Schmerz zu machen.” 90% der jungen Menschen im Saal konnten mit den 50 Jahre alten Filmfetzen nichts anfangen – mir aber ist das Herz aufgegangen. Weil dies für mich einer der großartigsten Filme aller Zeiten ist. Und Michael Fassbender eine beängstigende Reproduktion von Peter O’Tooles Spiel liefert.

Wieso fasziniert gerade dieser Film so eindrücklich? Scheint er doch zunächst nur einer der vielen Monumentalfilme der späten 50er/frühen 60er zu sein. In einigen Punkten jedoch hebt er sich vom Rest deutlich ab und stilisiert sich zu einem Gesamt-Meisterwerk. So gipfelt die enge Zusammenarbeit von David Lean und dem Filmkomponisten Maurice Jarre (übrigens der Vater von Elektromusiker Jean Michel Jarre) in diesem Fall darin, dass Jarre (Doktor Schiwago, Der Club der toten Dichter, Ghost – Nachricht von Sam) nicht nur das eingängige Thema zum Film beisteuert, sondern sprichwörtlich einen musikalischen Rahmen um den Film herum komponiert, als wäre es eine Oper in zwei Akten. In der ursprünglichen Fassung – und Gott sei Dank auch in der restaurierten Fassung wieder – gibt es jeweils eine Art Ouvertüre, bevor das Bild zu Beginn und zum Intermezzo des Films einsetzt. So wie wir den Film heute als restaurierte Fassung in zwei Teilen zu Gesicht bekommen, wollte David Lean den Film auch in dem Kinopublikum präsentieren. Die Verleiher entschieden sich dagegen.

Der Regisseur ist 50 Jahre alt und hat bereits ein Dutzend Filme abgedreht, als er für Die Brücke am Kwai 7 Oscars (8 Nominierungen) einheimst. Meist stellt dies den Höhepunkt einer Regiekarriere dar, unwahrscheinlich, das in dieser Art zu wiederholen. David Lean jedoch liefert danach sein absolutes Meisterwerk und erhält wiederum verdiente 7 Oscars (10 Nominierungen). Die Auszeichnungen für Szenenbild und Kamera sind für die großartigen Aufnahmen, die unter widrigsten Bedingungen in der Wüste aufgenommen wurden. Zu keiner Zeit wirken die Bilder altbacken, auch heute nicht. Als Beispiel gilt die Brunnenszene, bei der man in den Luftspiegelungen am Horizont einen Tuareg herannahen sieht.
Dass die beiden (damals) unbekannten Jungschauspieler Peter O’Toole (Bester Hauptdarsteller) und Omar Sharif (Bester Nebendarsteller) leer ausgingen, lag wahrscheinlich an der Konkurrenz (Wer die Nachtigall stört) in diesem Jahr. Zumindest Peter O’Toole aber ist Lawrence, von der ersten bis zur letzten der knapp 230 Minuten. Seine Präsenz ist einfach umwerfend – das bemerkt wohl auch David aus Prometheus – Dunkle Zeichen, als er den Film sieht.

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