Alita 2: Wir brauchen eine Fortsetzung von Battle Angel, sonst sind wir verloren

Alita: Battle Angel
© 20th Century Fox
Alita: Battle Angel
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Beeblebrox Matthias Hopf
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Es sieht nicht gut aus für die Fortsetzung von Alita: Battle Angel. Obwohl der prophezeite Untergang an den Kinokassen nicht eingetroffen ist, schreibt die Manga-Verfilmung nicht die schwarzen Zahlen, die sich alle Beteiligten erhofften. Trotz des guten Starts konnten sich die Macher nicht einmal auf den asiatischen Markt verlassen, der derzeit gerne einen Blockbuster nachträglich in einen finanziellen Erfolg verwandelt.

Nach 20 Jahren in der Produktionshölle wäre Alita: Battle Angel jeder Triumph zu wünschen gewesen. In den USA, seinem Entstehungsland, hat er bei einem Produktionsbudget von 170 Millionen Dollar, das sich im Hinblick auf die zusätzlichen Ausgaben fürs Marketing noch einmal beträchtlich steigern dürfte, aktuell knapp 80 Millionen Dollar eingespielt. Diese Summe ist noch nicht einmal in der Nähe der 100-Millionen-Dollar Marke. Weltweit steht der Film bei rund 385 Millionen Dollar.

Alita: Battle Angel als der perfekte Science-Fiction-Blockbuster

Die Zahlen sind besser als erwartet und dennoch können sie das erhoffte Franchise nicht rechtfertigen. Selbst ein Präzedenzfall wie Pacific Rim, der nach mehreren Jahren doch noch mit einem (weniger rühmlichen) Sequel beehrt wurde, ist noch nicht in Reichweite. Das ist überaus schade, denn James Camerons Herzensprojekt, das schlussendlich von Robert Rodriguez als Regisseur umgesetzt wurde, verfügt über alle Zutaten eines perfekten Science-Fiction-Blockbusters.

Ausgerechnet Christoph Waltz entpuppte sich im Zuge der Promo-Tour von Alita: Battle Angel als starker Verteidiger der thematischen Vielfalt des Films, der sich in seiner finalen Form aus vielen vertrauten Rodriguez-Elementen zusammensetzt. Gleichzeitig besitzt er die gleiche universelle Größe, die das Schaffen von Blockbuster-Titan James Cameron auszeichnet, am ausgeprägtesten wohl in seinen letzten zwei Werken: Titanic und Avatar - Aufbruch nach Pandora.

In seiner Eigenschaft als Science-Fiction-Film entführt Alita: Battle Angel nicht nur in eine futuristische Welt, sondern erzählt genauso viel über unsere heutige. Das Abenteuer steht natürlich im Vordergrund - immerhin geht es hier um das Entdecken. In einem Blockbuster-Zeitalter, in dem jeder Film für eine bestimmte Zielgruppe maßgeschneidert wird und Mad Max: Fury Road in seinem unbändigen Wahnsinn einer Anomalie gleichkommt, kostet Alita: Battle Angel diesen Moment des Entdeckens so richtig aus.

Alita: Battle Angel ermöglichst das Eintauchen in eine fremde Welt

Innovativ oder mutig mag der von John Landau produzierte Filme auf den ersten Blick zwar nicht unbedingt wirken, trotzdem stürzt sich Alita: Battle Angel mit ansteckender Begeisterung in seine Welt, die sich einerseits aus vertrauten Versatzstücken des Genres zusammensetzt. Andererseits besitzt sie aber auch genügend Eigenheiten, um eine eindeutig identifizierbare DNA zu entwickeln, die für angenehme, wenn nicht sogar erfrischende Abwechslung sorgt.

Durch die hervorragende Kamera von Bill Pope entdecken wir genauso wie die Titelheldin durch ihre riesigen Augen diese fantastische, aber ebenso düstere Welt. Wie fühlt es sich an, zum ersten Mal durch die Straßen von Iron City zu spazieren? Alita: Battle Angel nimmt uns genau auf eine solche Reise mit, schwärmt vom Genuss einer Tafel Schokolade und gipfelt schließlich in der geballten Kraft von Motorball, wo sich die bisher mitreißendsten Bewegungen des Kinojahres verstecken.

Als wären Speed Racer und Ready Player One aufeinandergetroffen, durchströmt Alita: Battle Angel eine unglaubliche Energie und offenbart immer wieder Tendenzen, zu einem der meist unangepassten Science-Fiction-Blockbuster vergangener Jahre zu mutieren. Jupiter Ascending oder Valerian - Die Stadt der tausend Planeten kommen etwa in Erinnerung. Es ist wahrlich ein überwältigendes Spektakel, das sich gleichermaßen in echten Kulissen und fulminanten CGI-Hintergründen entfaltet.

Trotzdem soll Christoph Waltz Recht behalten, denn Alita: Battle Angel glänzt nicht nur mit den überwältigenden Elementen, die im Idealfall einen IMAX-Saal zum Beben bringen. Hier verstecken sich ebenso sentimentale Momente, etwa in Bezug auf die Liebesgeschichte oder die Beziehung, die Alita zu ihrem Ersatz-Vater Dr. Dyson Ido aufbaut. Im Hintergrund schwingt ebenfalls das Politische mit, von den philosophisch angehauchten Diskursen ganz zu schweigen, die sich vorzugsweise um Körper und Geist drehen.

Rosa Salazar ist das Herz von Alita: Battle Angel

So fließend wie in Rupert Sanders meisterhafter Ghost in the Shell-Verfilmung sind die Grenzen zwischen der filmischen Form und den angesprochenen Themen zwar nicht. Dafür funktioniert Alita: Battle Angel durch das Gleichgewicht, das der Film zwischen all den verschiedenen Bausteinen findet, aus denen sich der Film zusammensetzt. Nach der mehr als holprigen Produktionsgeschichte ist es geradezu erstaunlich, wie stimmig dieser Film am Ende geworden ist.

Alle roten Fäden laufen bei Alita bzw. der hervorragenden Performance von Rosa Salazar zusammen. Sie ist das Herz des Films - und das, obwohl wir von der Schauspielerin nur das Motion-Capture-Abbild sehen. Es ist eine bemerkenswerte Leistung, wie sie ihre Alita zwischen Künstlichkeit und Menschlichkeit balanciert. Rosa Salazar haucht nicht nur ihrer Figur, sondern dem gesamten Film Leben ein - spätestens in dem Moment, wenn sie zum ersten Mal ihre Augen öffnet und voller Neugier ihr Ebenbild im Spiegel betrachtet.

Ohne Rosa Salazar wäre Alita: Battle Angel verloren. Sie ist der Pulsschlag des Films und bereit, ein ganzes Franchise zu stemmen. Wortwörtlich rufen Jubelchöre in den finalen Minuten ihren Namen, als würden sie der Fortsetzung entgegenfiebern, die sich ausgehend von Yukito Kishiros umfangreicher Vorlage definitiv anbietet. Trotzdem scheint Alita: Battle nicht in die aktuelle Kinolandschaft zu passen. Es ist ein Drama, denn eigentlich erzählt der Film nicht nur von zwei (Blockbuster-)Welten, sondern vereint diese sogar.

Alita: Battle Angel ist ein Opfer des aktuellen Blockbuster-Kinos

Auf der einen Seite wäre da der wilde Science-Fiction-Film, der keine Grenzen kennt und seine Themen und Motive sogar mit einer gewissen Härte ausrollen kann. Auf der anderen Seite versteht sich Alita: Battle Angel als Film, der eine universelle Sprache spricht und damit im Grunde der ideale Blockbuster ist, wie er von James Cameron mit seinen Werken, die stets auf mehreren Ebenen funktionierten, geprägt wurde. Im unerbittlichen Franchise-Kampf der 2010er-Jahre wirkt er jedoch hoffnungslos verloren.

Wenngleich Alita: Battle Angel eine durchaus populäre Marke zugrunde liegt, ist für diese Sorte von Film aktuell kein Platz im Kino, da es zu viele etablierte Marken gibt, gegen deren Dominanz es offenbar unmöglich geworden ist, anzukämpfen. Das Schicksal von Alita: Battle Angel steht somit stellvertretend für eine bedenkliche Entwicklung in Hollywood, in der Abwechslung und Vielfalt rar gesät sind. Aber gerade deswegen lohnt es sich, für die Fortsetzung zu kämpfen, denn hochbudgierte Filme können so viel mehr als nur von Superhelden zu erzählen.

Wollt ihr auch eine Fortsetzung zu Alita: Battle Angel sehen?

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