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Adam Sandler verliert die Fassung in Punch-Drunk Love

25.04.2014 - 15:01 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Voller Wut und Liebe: Barry Egan.
© New Line Cinema
Voller Wut und Liebe: Barry Egan.
Adam Sandler irrt in einem furchtbaren blauen Anzug, mit einer Wagenladung Wut im Bauch und noch mehr Liebe durch die verrückte Welt von Paul Thomas Andersons Punch-Drunk Love. Für kaum eine Rolle wird Sandler mehr Respekt entgegengebracht.

In Punch-Drunk Love rastet Adam Sandler ein ums andere Mal aus. Sonst ist sein Gesicht die meiste Zeit ruhig, so ruhig wie ein Fahrradreifen, der einen Schuss Luft zu viel innehat und kurz vorm Platzen ist. Auch das ist Schauspielerei: Die Energie zu kanalisieren und zurückzuhalten und sie wie der Hauptcharakter Barry Egan in Punch-Drunk Love in den richtigen, in den wichtigen Momenten, wenn es um alles geht, rauszulassen.

In Punch-Drunk Love muss Adam Sandler ausnahmsweise mal ohne seinen Stamm-Cast auskommen, kein Kevin James, Rob Schneider und David Spade blödelt in seiner Peripherie herum, lenkt von der üblichen, oft entspannenden Belanglosigkeit seiner Filme ab, oder die Aufmerksamkeit erst darauf. Dafür spielt Philip Seymour Hoffman eine Nebenrolle, dafür darf Sandler mit Paul Thomas Anderson arbeiten, dem Boogie Nights und There Will Be Blood -Regisseur und einer der Großen unserer Zeit.

An sich spielt Sandler hier gar nicht anders als in seinen Komödien. Was anders ist, ist das Drehbuch, das ihn authentischer, sensibler in Szene setzt – ähnlich vielleicht wie die großartige Komödie Die Wutprobe. Sandlers Mimik ist auch in Punch-Drunk Love etwas steif, doch verlangt seine Rolle genau diese offenkundige Verspanntheit, diese Fahrigkeit und Nervosität, die bei Sandler normalerweise nur in einem dümmlichen Grinsen kulminiert. Hier ist sie funktional, bei einem Mann, der so seine Probleme mit Frauen hat, weil er mit sieben Schwestern aufwuchs, der von einem Telefonsex-Anbieter erpresst wird, dem ein winziges Klavier vor die Tür gestellt wird und der sich endlich in eine Frau (Emily Watson) verliebt, diese aber nicht recht zu fassen kriegt.

Paul Thomas Anderson und Adam Sandler geht das wunderbar leicht von der Hand, die Liebesgeschichte, das Charakter-Drama und die Groteske. Punch-Drunk Love fühlt sich an wie ein 90-minütiger Aprilscherz, ist aber eigentlich nur eine etwas abgedrehte wunderschöne Tragikomödie.

Was? Punch-Drunk Love
Wann? 22:35 Uhr
Wo? 3Sat

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