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Mein Herz für Serie

Wilfred oder wie ich mit dem Nachbarshund kiffe

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Wilfred
29.10.2015 - 08:50 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Mit Wilfred kam FX 2011 mit einer geradezu absurden Serie um die Ecke. Ein Mann sieht als einziger in seinem Nachbarshund einen Menschen im Hundekostüm. Zusammen erleben sie so manche verrückte Geschichte und treiben verschiedensten Unsinn.

Ryan Newman (Elijah Wood) ist ein eigentlich recht erfolgreicher Mittzwanziger, der sein Geld als Jurist verdient. Am Anfang der ersten Folge von Wilfred sehen wir ihn aber gerade einen Abschiedsbrief schreiben. Den widmet er seiner Familie, denn der junge Mann will sich das Leben nehmen. Das ist aber weniger schwermütig, als es auf den ersten Blick aussieht. Geradezu beschwingt mischt Ryan in seinem Mixer einen Tablettencocktail, der ihm ein möglichst reibungsloses Ableben bescheren soll. Der Selbstmordversuch schlägt fehl und als er am nächsten Morgen aufwacht, zieht gerade Jenna (Fiona Gubelmann) ins Nachbarhaus ein. Die stellt sich natürlich prompt vor. Daraus entwickelt sich sich aber nicht die typische Liebesgeschichte mit dem Mädchen von nebenan (auch wenn Ryan es gern so hätte). Das erste, was Ryan bemerkt, ist, dass der Nachbarshund Wilfred (Jason Gann) ein Mann in einem Hundekostüm ist. Und niemand scheint das zu bemerken - außer ihm. Ryan darf auch gleich auf den Hund aufpassen, da sein Frauchen etwas zu erledigen hat. Und wie das so ist, kommt er mit dem Hund ins Gespräch. Der erkennt, dass Ryan eine Veränderung braucht und beschließt, ihm zu helfen. Erstmal auf andere Gedanken kommen, die Bong gegriffen und auf die Couch im Keller gefläzt. Dabei bleibt es aber nicht, denn ein ums andere Mal bringt Wilfred Ryan bei dem Versuch, ihn über seinen eigenen Schatten springen zu lassen, in Schwierigkeiten. Denn der Hund ist im Vergleich zu Ryan ein echter Lebemann. So dumm das klingt.

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Der Hund ist drauf gekommen

Die Idee für Wilfred ist auf den ersten Blick so bescheuert, dass sie die Frage aufwirft, wer sich das überhaupt ausgedacht hat. Die Antwort ist natürlich: der Hund. Jason Gann hatte die Idee mit einem ähnlichen Konzept und dem gleichen Kostüm in Australien bereits 2007 umgesetzt. Danach beschloss der US-Sender FX das Projekt aufzugreifen. Das Ergebnis ist eine witzige, bisweilen düstere, aber immer unterhaltsame kleine Comedy-Serie.

Das liegt daran, dass sich hinter der Fassade von Wilfred oft auch ernstere Themen verbergen. Ryans zerrütteter Familie wird viel Platz eingeräumt. Da wäre sein anspruchsvoller Vater (James Remar), der ihn zu einer Anwaltskarriere gedrängt hat, seine Mutter (Mary Steenburgen), die schon vor Jahren in eine geschlossene Anstalt eingeliefert wurde oder seine neurotische Schwester (Dorian Brown), die ihm andauernd ungefragte Ratschläge erteilt. Und außerdem muss sich Ryan mit dem Umstand auseinandersetzen, dass er sich Wilfred vielleicht nur einbildet. Bei der Ergründung der letzteren Frage ist Wilfred ihm freilich keine große Hilfe. Bei anderen Sachen versucht er, Ryan aber mehr oder weniger unter die Arme zu greifen. Einmal nötigt er ihn, ins Haus seines gemeinen Nachbarn einzubrechen und dessen Hanfpflanze zu klauen, um am Ende mit ihm Frieden zu schließen und, wie sollte es anders sein, einen durchzuziehen. Ein anderes Mal hilft er ihm, bei Jenna Eindruck zu schinden, weil er deren Freund Drew (Chris Klein) nicht leiden kann.

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Zwischen Moral, Marihuana und dem Hundeleben

Meistens geht es für Ryan aber glimpflich aus und manchmal lernt er sogar was. Am Ende landen sie aber meistens wieder auf dem Sofa im Keller, bei einem kühlen Bier und den einfachen Freuden bewusstseinserweiternder Pflanzen. Dabei ensteht neben einer Menge Situationskomik eine Ambivalenz, bei der sich Ryan niemals sicher sein kann, ob Wilfred ihm wirklich hilft oder schlicht seine eigenen Ziele verfolgt. Dieses Ungleichgewicht führt zu einer sich ständig verändernden Dynamik zwischen den beiden. Die einzigen Konstanten sind Jason Ganns starker australischer Akzent, Wilfreds Liebe für Matt Damon und der Umstand, dass er trotz aller Menschlichkeit immer noch ein Hund ist. Die Welt reagiert auf ihn, wie auf einen Hund. So wird Wilfred öfter mal von Wildfremden das Ohr gekrault und es braucht auch nur eine streunende Katze, um ihn aus der Fassung zu bringen. Beleidigungen (Kiss my Ass) sind für Wilfred eher eine Einladung und das Prinzip einer Glasscheibe ist für den Hund immer noch undurchsichtig.

Das Ganze kriegt in der zweiten und dritten Staffel noch einen mysteriösen Anstrich, als Ryan versucht, seinen offensichtlichen Halluzinationen und der Frage auf den Grund zu gehen, warum nur er Wilfred als Mensch sieht. Dabei findet er ominöse Kulte, geheime Organisationen und muss sich der Frage stellen, ob er vielleicht selbst so verrückt ist wie seine eigene Mutter.

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FX hat die Serie leider 2014 nach vier Staffeln (inkl. einer Verschiebung auf den eigenen Spartensender FXX) abgesetzt. Nicht allerdings, ohne die aufgeworfenen Fragen auf gelungene und in gewisser Hinsicht auch mutige Art und Weise zu beantworten. Außerdem kann Wilfred mit seiner viel zu kurzen Lebensdauer von vier Staffeln auch mit einigen amüsanten Gastauftritten aufwarten. Mit dabei sind unter anderem Robin Williams, Rob Riggle und Peter Stormare. Natürlich darf auch der eine oder andere Scherz über Elijah Woods Herr der Ringe-Vergangenheit nicht fehlen und er darf auch noch einmal zum Ringträger werden. Was will man bitte mehr?

Werdet ihr mal einen Blick auf Wilfred riskieren?

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