Community

Was macht eigentlich ein Film-Regisseur?

Steven Spielberg am Set von Vergessene Welt - Jurassic Park
© Universal
Steven Spielberg am Set von Vergessene Welt - Jurassic Park
04.05.2017 - 09:00 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
5
10
Hier erfahrt ihr, was die besonderen Aufgaben eines Regisseurs beim Filmdreh sind, wie sich der Beruf im Laufe der Filmgeschichte verändert hat und warum Regisseure nicht immer alleine für ihren Stil verantwortlich sind.

In diesem Monat dreht sich alles um Regie und Regisseure bei uns. Deshalb schauen wir heute etwas genauer auf den Berufsstand. Bei den meisten Personen, die an der Herstellung eines Films beteiligt sind, lässt sich relativ genau sagen, was ihre Aufgabe ist. Die Schauspieler verkörpern die Figuren, der Drehbuchautor verfasst das Drehbuch, der Komponist schreibt die Musik, Kameraleute sind für Licht und Kameraführung zuständig, Kostüm- und Szenenbildner entwerfen die Kostüme und Kulissen, der Cutter schneidet den Film, und so weiter und so fort. Aber was macht eigentlich der Regisseur?

Was macht ein Film-Regisseur?

Der Regisseur sorgt beim Dreh dafür, dass alle anderen Beteiligten so (zusammen)arbeiten, dass der fertige Film seinen Vorstellungen entspricht, angefangen bei der Auswahl seiner Mitarbeiter. Dabei kann er jedem Mitglied von Cast und Crew so viel oder so wenig Freiheiten lassen, wie er möchte. Die zahlreichen Bereiche der Filmproduktion, die eine Entscheidung des Regisseurs verlangen, hat der Bundesverband Regie in einer umfangreichen Liste zusammengestellt , bei der die eigentlichen Dreharbeiten nur einer von 15 Punkten sind. Große individuelle Unterschiede gibt es bei der Frage, ob ein Regisseur schon mit festen Vorstellungen ans Set kommt, was jeder Einzelne in jeder Szene zu tun habt, oder ob er offen für Improvisation ist und seine Ideen so erst beim Dreh entwickelt.

Wichtig ist bei alldem einerseits, dass ein Regisseur es versteht, seine Vorstellungen so zu kommunizieren, dass deutlich wird, was er von seinen Mitarbeitern erwartet. Er muss andererseits auch über genügend psychologisches Geschick verfügen, um seine Ideen durchzusetzen und dafür zu sorgen, dass die unterschiedlichen Abteilungen möglichst reibungslos zusammenarbeiten; nicht zuletzt muss ein Regisseur die Schauspieler von seinen Vorstellungen überzeugen.

Eingeschränkt werden kann die Macht des Regisseurs neben den Schauspielern auch durch das Studio bzw. den Produzenten, die einen Regisseur auch nur einstellen können, damit dieser wiederum ihre Vorstellungen erfüllt. In Budget-Fragen muss sich der Regisseur auf jeden Fall mit Produzent und Studio arrangieren. Besonders zu Beginn und in den frühen Jahrzehnten der Filmgeschichte war die Rolle des Regisseurs allerdings nicht die, die sie heute ist.

Regisseure am Anfang der Filmgeschichte

Zu Beginn der Filmgeschichte waren der Beruf des Regisseurs und seine Aufgabe während des Drehs noch nicht klar definiert. So gab es, wie Dudley Andrew in der Encyclopedia Britannica ausführt, Filmemacher wie Georges Méliès, die neben den später gefestigten Regie-Aufgaben noch alle anderen Tätigkeiten der Filmproduktion übernahmen, statt sie zu delegieren. Andere, wie der Kameramann Edwin S. Porter und der Schauspieler D.W. Griffith, rutschen in die Regie-Position hinein. Erst mit zunehmender Komplexität der Filmherstellung bildete sich die Position des Regisseurs heraus, der allerdings vor allem im Studiosystem Hollywoods noch nicht die Unabhängigkeit und Autorität hatte wie ab den 1960er Jahren.

Regisseure im Studiosystem

Zu Zeiten des Studiosystems in Hollywood, das seine Hochzeit vom Beginn des Tonfilms 1927 bis zum Ende der vertikalen Integration 1948 hatte, waren viele Regisseure ebenso den Vorstellungen der Studio-Chefs unterworfen wie die anderen Mitglieder von Cast und Crew und hatten oft keine herausgehobene Stellung. Nicht sie, sondern die Studios wählten Drehbuchautoren, Schauspieler und die anderen Mitarbeiter aus und wiesen sie ebenso wie die Regisseure einem Filmprojekt zu. Zudem wurden Regisseure auch schon mal ausgetauscht, wenn es nicht so lief wie gewünscht. In anderen Ländern hatten Regisseure dagegen auch zu dieser Zeit unter Umständen schon größere Autonomie.

Die Auteur-Theorie

Trotzdem gelang es auch im Studiosystem Regisseuren, ihre eigene Handschrift zu entwickeln. Die Auteur-Theorie, die ihren Ursprung in der französischen Filmkritik der 1940er Jahre hat, hob diese Regisseure als wichtigste Beteiligte der Filmproduktion hervor, die "Form und Inhalt" ihrer Werke einen charakteristischen Stempel aufdrückten, wie nur sie es könnten, und nicht nur als einer von vielen Beteiligten Fließbandware erschufen. Schärferen Versionen der Auter-Theorie zufolge war es sogar völlig unerheblich, wenn diese Regisseure kein Mitspracherecht beim Drehbuch hatten, wie Thompson und Bordwell in ihrer Film History anmerken. Die Auteur-Theorie führte einerseits auch zur Neubewertung von Regisseuren, die wie Alfred Hitchcock bis dahin lediglich als Unterhaltungs-Handwerker gesehen wurden, andererseits aber auch zu Kritik: Mit dem Hervorheben eines Auteurs werde der kollaborative Charakter des Filmemachens missachtet.

Regisseure und ihre Lieblings-Mitarbeiter

Zwar gibt es auch Regisseure, die vor allem als Drehbuchautoren und Produzenten direkt weitere Bereiche ihrer Filme kontrollieren, und solche, die auch die Musik komponieren, den Film schneiden oder sich gar selbst in der Hauptrolle besetzen. Doch auch Regisseure, denen es genügt, auf dem Regiestuhl Platz zu nehmen, sammeln im Laufe ihrer Karriere gerne Mitarbeiter wie Kameramenschen, Komponisten, Cutter oder Szenenbildner ein, mit denen sie wieder und wieder zusammenarbeiten, oft über Jahrzehnte hinweg. Auch dadurch kann der bestimmte Stil eines Regisseurs geformt werden, ohne das er direkt für diesen verantwortlich wäre. So arbeiten die Coen-Brüder meist mit Kameramann Roger Deakins, Steven Spielberg mit Komponist John Williams, Martin Scorsese mit Cutterin Thelma Schoonmaker und David Cronenberg mit Szenenbildnerin Carol Spier zusammen. Am auffallendsten ist aber wohl die wiederholte Zusammenarbeit von einem Regisseur und bestimmten Hauptdarstellern, die sie Film um Film besetzen, wie John Ford John Wayne, Tim Burton Johnny Depp und Akira Kurosawa Toshirô Mifune.

Was ist ein Film-Regisseur also?

Dudley Andrew sieht einen Regisseur zusammenfassend hauptsächlich als "Problemlöser", der mithilfe der zur Verfügung stehenden Ressourcen nach effektiven Lösungen für dramatische oder visuelle Probleme sucht. Eine konsistente Anwendung dieser Lösungen über mehrere Filme hinweg führe schließlich zu einem individuellen Stil. John Ford hingegen fand :

Jeder kann einen Film inszenieren, wenn er erst einmal die Grundlagen kennt. Regieführen ist kein Mysterium, es ist keine Kunst. Die Hauptsache beim Regieführen ist: Filme die Augen der Leute.

Wie wichtig ist euch der Regisseur bei der Entscheidung, einen Film zu sehen?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News