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Aufreger der Woche

Tod der Synchro - RIP Picard, es lebe Bud Spencer

23.03.2013 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Aussterbende Helden
© Disney/moviepilot
Aussterbende Helden
Captain Picard, Captain Kirk, MacGyver, Jack Lemmon oder Eddie Murphy. Helden meiner Kindheit. Jetzt sind sie tot und mit ihnen der letzte, brauchbare Rest der deutschen Synchronisationsbranche. Ein Aufreger über sterbende Helden.

Rolf Schult ist gestorben. Der Mann, der mich mit seiner beruhigenden, aber rauen Stimme ins Star Trek-Franchise einführte. Ich war jung und verstand damals nur wenig, was an Bord der USS Enterprise NCC-1701-D passierte. Doch ich war fasziniert von den Charakteren, den Wesen und – mehr als es Patrick Stewart damals vermochte – von Rolf Schults Stimme.

Ich stehe oft an der Seite der Synchronisationsgegner und kann auch jetzt nicht ganz aus meiner Haut. Dennoch soll in diesem Aufreger der Woche für einen kurzen Moment lang nicht schlechte Synchronisationen zur Debatte stehen. Oder die deutsche Unart, Synchronisation flächendeckend ohne Rücksicht auf Verluste zu betreiben. Auch nicht nasale Newcomer oder überarbeitete Dialogregisseure – sondern das Aussterben unserer alten Helden. Denn eines ist bei diesem Thema von vorne herein klar: Früher war wirklich alles besser!

Ehre, wem Ehre gebührt
Was man heute von Synchronisationen auch halten mag, aufgewaschen sind wir alle mit denselben Stimmen, die wir wie Muttermilch während unseren langen, einsamen TV-Stunden in uns aufnahmen. Rolf Schult ging als letzter, aber sein Tod ist lediglich das jüngste Glied einer langen, traurigen Kette. Der unvergessliche Joachim Höppner (†2006), der Gandalf sprach, unzählige Dokumentationen und Hörbüchern Charakter verlieh und ‘Friedrich Epenstein’ auf KlassikRadio zum Leben erweckte. Joachim Kemmer (†2000), der in kaum einem Disneyfilm der 80- und 90er-Jahre fehlte (Krabbe Sebastian, Rafiki, Dschaffar, Lumière uvm.). Arnold Marquis (†1990), der fast ein halbes Jahrhundert lang auf die ganz harten Männer abonniert war (John Wayne, Kirk Douglas, Charles Bronson uvm.). Georg Thomalla (†1999), dem wir Jack Lemmon zu verdanken haben. Renate Danz (†2006), die deutsche Shirley MacLaine. Michael Christian (†2006) alias MacGyver. Gert Günther Hoffmann (†1997), dem einzig wahren James Bond und Captain Kirk. Evelyn “Timbre of Sex” Maron (†2007, Kim Basinger, Rene Russo) und Plappermaul Randolf Kronberg (†2007, Eddie Murphy). Sie alle hatten unverwechselbare Stimmen. Sie alle standen im Schatten anderer. Sie alle gingen viel zu früh von uns.

Nach Bud Spencer die Sintflut
Aber es gibt sie noch, die Stimmen, für die man selbst heute noch einen Blick in deutsche Fassungen werfen würde. Peer Augustinski, unvergessen als Sprecher von Robin Williams oder Woody aus Toy Story – bevor er von Michael “Klassenclown” Herbig ersetzt wurde – aber seit seinem Schlaganfall 2005 andere Prioritäten besitzt. Arne Elsholtz, der Tom Hanks und Bill Murray begleitete, aber seit 2008 seiner Tätigkeit als Synchronsprecher und Dialogregisseur ebenfalls aus gesundheitlichen Gründen kaum noch nachkommen konnte. Auf sein Konto gingen auch Star Wars Episode 5 und 6 sowie Indiana Jones 2 und 3.

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