The Walking Dead: Die Kritik an Negan ist kompletter Unsinn

The Walking Dead mit Jeffrey Dean Morgan
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The Walking Dead mit Jeffrey Dean Morgan
22.01.2020 - 19:35 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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Die AMC-Programmchefin macht Negan für die sinkenden Quoten von The Walking Dead verantwortlich. Damit belastet sie aber nur unnötig die beste Figur der Zombieserie.
The Walking Dead befindet sich gerade in der Winterpause, aber das bedeutet natürlich nicht, dass es um die Serie komplett ruhig ist. Als Zankapfel erwies sich in dieser Woche zum Beispiel einmal mehr Negan: Die AMC-Programmchefin Sarah Barnett benannte den einstigen Anführer der Saviors als Schuldigen für die sinkenden Quoten der Serie.


So soll Negans brutale und düstere Storyline ab Staffel 6 viele Zuschauer von The Walking Dead abgeschreckt haben. Dabei stellt Barnett jedoch eine Milchmädchenrechnung auf und lässt wichtige Entwicklungen in der Streaming-Landschaft fahrlässig außen vor. Ausbaden muss die kurzsichtige Kalkulation der Sender-Verantwortlichen ironischwerweise jene Figur, die die Geschichte überhaupt noch am Leben erhält.

The Walking Dead: Gewalt in einer Zombieserie überrascht niemanden

The Walking Dead ist eine Horror- bzw. Zombieserie. Als solche wartet sie seit Staffel 1 immer wieder mit Momenten voller Gewalt und/oder Ekel auf. Wer anfängt, The Walking Dead zu schauen, weiß in aller Regel, dass ihn/sie gemäß den Gewohnheiten des Genres kein Kinderfilm erwartet - das gilt umso mehr für Zuschauer, die bereits über 5 komplette Staffeln gesehen haben und eben erst jetzt auf Negan stoßen.

Negan mischt The Walking Dead seit Staffel 6 auf

Freilich: Negans Einstand in die Serie fiel radikal aus und wurde obendrein in einem heftigen Cliffhanger verpackt. Dass eingefleischte Fans von The Walking Dead aber ausgerechnet durch die Darstellung von Gewalt abschreckt werden, erscheint vollkommen widersprüchlich. Auch wer sich ein Heile-Welt-Szenario erhofft, ist von vornherein an der falschen Adresse. Schließlich befinden wir uns in der Post-Apokalypse, wo es Tag für Tag ums nackte Überleben geht.

Negan ist der König von The Walking Dead

Tatsächlich verlieh Negan der Serie neuen Schwung, den sie bitter nötig hatte. Seine flotten Sprüche und generell sein einnehmendes, irgendwie sogar charmantes Wesen machten ihn von Beginn an zu einem besonders faszinierenden Bösewicht. Anhand der "Menschen-sind-Ressourcen"-Philosophie der Saviors präsentierte uns The Walking Dead obendrein eine neue Gesellschaftsordnung im Kleinen, die es zu beobachten und exerzieren galt.

Aktuell ist Negan in The Walking Dead auf dem besten Weg vom Schurken zum Antihelden und bleibt dabei doch unberechenbar. Sogar die Whisperer manipuliert und überrascht er nach Belieben. Das Schauspiel von Jeffrey Dean Morgan in seinen ersten Staffeln der Serie könnte man dabei auf den ersten Blick für wenig subtil halten, tatsächlich war Negans "neu entdeckte" Menschlichkeit dank ihm aber schon immer in der Figur angelegt.

Kurzum: Negan ist der ultimative Grund, The Walking Dead immer noch zu verfolgen und beinahe bezweifle ich, dass die AMC-Chefin Sarah Barnett die Serie überhaupt gesehen hat.

The Walking Dead und das Fernsehen im Wandel

Zwar sind die sinkenden Zuschauerzahlen von The Walking Dead nicht zu leugnen, die Ursachen dafür lassen sich indes nicht zwangsläufig mit der Qualität der Serie begründen. Vielmehr hat das lineare Fernsehen schon seit einer Weile mit der Konkurrenz durch Streaming-Dienste zu kämpfen, was auch auf The Walking Dead zurückfällt.

In Deutschland beispielsweise landen die neuen The Walking Dead-Staffeln ca. ein Jahr nach ihrer US-Premiere bei Netflix, viele Fans schauen die Episoden erst dann. Serien sind kein zwingendes Live-Ereignis mehr und das macht es automatisch schwieriger, reale Zuschauerzahlen zuverlässig zu bestimmen. Hinzu kommt der Anstieg von illegalen Downloads. Wer gar nicht für The Walking Dead bezahlt, fällt sowieso durchs Raster.

The Walking Dead ist ohne Negan undenkbar

Sinkende Quoten bedeuten im Streaming-Zeitalter also nicht unbedingt, dass weniger Menschen die Serie gucken. Die Masse der Zuschauer wird lediglich diffuser und schwieriger bis unmöglich zu beziffern. Für Sender wie AMC ist die Entwicklung aus mehreren Gründen frustrierend, aber sie entschuldigt nicht die verqueren Einlassungen der Programmchefin.

Natürlich ist an The Walking Dead nicht alles perfekt. Wie jede langlebige Serie durchschreitet sie Höhen und Tiefen. Entscheidungen von Showrunnern und Autoren dürfen immer in Frage gestellt werden. Einer jedoch ist garantiert nicht schuld an der Quoten-Misere: Negan, der The Walking Dead am Leben hält.

Was denkt ihr: Ist Negan schuld an den sinkenden Zuschauerzahlen bei The Walking Dead?

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