The King auf Netflix: Robert Pattinson ist der ultimative Endgegner

Robert Pattinson in The King
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Redakteur bei Moviepilot. Schaut zu viel ins Internet, mag den Weltraum und fühlt sich auf Tatooine genauso zu Hause wie in Hogwarts und Mittelerde.

Nachdem er bei den Filmfestspielen von Venedig seine Premiere gefeiert hat, ist mit The King einer der größten Streaming-Blockbuster des Jahres auf Netflix verfügbar. Der neue Film von David Michôd, der zuletzt die Kriegssatire War Machine mit Brad Pitt inszenierte, gehört zu den bildgewaltigsten Produktionen des Streaming-Anbieters und brennt sich insbesondere dank Robert Pattinsons unbeschreiblicher Darbietung ins Gedächtnis.

The King fährt ein richtig starkes Ensemble auf

Doch schon bevor Robert Pattinson den Film an sich reißt, erweist sich The King als überaus ambitioniert. Gleich zwei Stücke von William Shakespeare liegen der Geschichte zugrunde: Heinrich IV. und Heinrich V. Regisseur David Michôd, der gemeinsam mit Joel Edgerton auch das Drehbuch schrieb, nutzt die literarische Vorlage allerdings nur als lose Inspiration, um somit seine eigenen Akzente zu setzen.

The King ist alles andere als eine klassische Shakespeare-Adaption, was u.a. bei der Figur John Falstaff zum Ausdruck kommt. Bereits in unserem Venedig-Bericht haben wir hervorgehoben, dass das Schicksal des Trunkenbolds verändert wurde und nun vor allem Joel Edgerton, der Fallstaff verkörpert, eine großartige Bühne gibt, um sein Können zu demonstrieren. Er ist aber nicht nicht der einzige Schauspieler, der Eindruck hinterlässt.

Da wäre etwa Ben Mendelsohn, der als sterbender König sein Königreich mit verheerenden Entscheidungen spaltet. Mitunter wirkt es, als hätte der vergessene Zwillingsbruder von Grima Schlangenzunge aus Der Herr der Ringe auf dem Thron von England Platz genommen, so giftig wirken seine Worte. Ihm gegenüber steht Timothée Chalamet als sein erstgeborener Sohn und Nachfolger Hal.

The King demonstriert eindrucksvoll die Tragik der Geschichte

Bevor Hal zu Heinrich V. wird, versucht er mit allen Mitteln, dem Schatten seines Vaters zu entkommen. Nicht nur hat er dem Königshaus den Rücken gekehrt: All sein Handeln zielt darauf ab, eine möglichst große Distanz zwischen sich und sein Erbe zu bringen. Schlussendlich entkommt er diesem nicht - und zerbricht fortan an seiner Bürde als neuer Herrscher, obgleich er noble Ziele verfolgt.

Hal will England vereinen und die Wunden pflegen, die sein Vater achtlos aufgerissen hat. Dabei trifft er jedoch auf zahlreiche Widerstände, auch in den eigenen Reihen. The King demonstriert eindrucksvoll, wie der Idealismus eines jungen Mannes nach und nach zerbricht, bis er endgültig die Werte verrät, die er eigentlich vertreten will. Hier greift ganz die große Shakespeare-Tragik.

Besonders stark ist The King aber vor allem in den Momenten, in denen Timothée Chalamets jungem König bewusst wird, welche Grenzen er überschritten hat. Ohne es überhaupt zu bemerken und sein Handeln zu hinterfragen, geblendet vom Glauben, etwas Gutes zu tun. Wortwörtlich überschreitet er diese Grenzen, wenn er mit seiner Armee in Frankreich einzieht und ein blutiger Eroberungsfeldzug beginnt.

Robert Pattinson als größte Prüfung und letzte Warnung

Auf den comichaften Endgegner dieser zermürbenden Reise konnte ihn jedoch keiner vorbereiten: Dauphin Louis, verkörpert von Robert Pattinson. Nachdem The King über weite Strecken einen sehr ernsten Tonfall anschlägt und auf die düstere Stimmung der Bilder von Macbeth-Kameramann Adam Arkapaw setzt, sprengt Robert Pattinson den andächtiges Rhythmus des Films förmlich auf.

Sein Dauphin bringt Hal völlig aus der Bahn - und das, nachdem er bereits zahlreiche Lügen, Intrigen und Machtspiele überstanden hat. In The King wird Hal von jeder Figur in seinem Umfeld verunsichert, während er daran verzweifelt, seine idealistischen Ziele umzusetzen. Sobald Robert Pattinson mit einem unfassbar künstlichem französischen Akzent den Mund auf macht, gleicht das dem endgültigen Todesstoß.

Das übersteigerte Schauspiel wirkt zuerst wie ein Fremdkörper in diesem überaus stimmig inszenierten Film, löst in uns Zuschauern auf gewisse Weise aber die gleiche Verunsicherung aus, mit der Hal konfrontiert wird. Robert Pattinson ist die größte Prüfung in The King. Sein gesamtes Verhalten ist pure Provokation und fungiert gleichzeitig als letztes Warnsignal für Hal, der gar nicht merkt, auf welchem Pfad er sich befindet.

The King ist einer der bildgewaltigsten Netflix-Filme

Der eigenwillige Auftritt des Dauphin fordert Hals gesamtes Durchhaltevermögen. Zu leicht wäre es, sich von den genüsslich provozierenden Worten des Feindes manipulieren zu lassen. Wenn Hal wahre Größe zeigen will, muss er sich jetzt zusammenreißen und noch letztes Mal tief Luftholen. Doch in Wahrheit ist es dafür längst zu spät und selbst Robert Pattinsons Akzent kann den König nicht vor seinem Untergang warnen.

Diesen Untergang orchestriert David Michôd schließlich als stillen, geradezu unheimlichen Epilog. In den traurigen Augen von Timothée Chalamet spiegelt sich plötzlich eine ganze Wirklichkeit, die auf nichts außer einer Lüge fußte. Nicholas Britells Filmmusik fängt derweil den gesamten Schmerz der Niederlage auf, nachdem die Bilder schon in den ersten Minuten wie schicksalhafte Vorboten von dieser kündigten.

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