Wie war der Tatort heute?

Tatort: Die Feigheit des Löwen - Da hilft auch kein Schnaps

30.11.2014 - 20:35 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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Tatort: Die Feigheit des Löwen
© NDR/ARD
Tatort: Die Feigheit des Löwen
Brandaktuell ist der neue Tatort um Thorsten Falke, der den syrischen Bürgerkrieg nach Oldenburg bringt und dafür sogar einen alten Bekannten aus Homeland engagiert.

Wenn Abu Nazir durchs Vorstadt-Haus schleicht, können einem schonmal die Nackenhaare zu Berge stehen. Im heutigen Tatort um Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) gibt der iranisch-amerikanische Schauspieler Navid Negahban (Homeland) den undurchsichtigen neuen Mitbewohner einer gutbürgerlichen deutsch-syrischen Familie. Doch die scheint selbst Dreck am Stecken zu haben. Immerhin gehört ein Passfälscher zum erweiterten Freundeskreis. Was als Wirrsal von Geheimnissen, Beziehungen und Lügen beginnt, verliert in Tatort: Die Feigheit des Löwen mit zunehmender Aufklärung kaum an Komplexität, findet sich Falke doch in einem Zwiespalt wieder zwischen dem, was rechtens ist, und dem, was für ihn Gerechtigkeit bedeutet. Unter der Regie von Marvin Kren (Rammbock, Blutgletscher) entwickelt sich so ein für den Sonntagsabend ungewöhnlich vielschichtiger Krimi. Geschultert von einem gewohnt starken Wotan Wilke Möhring hebt sich Tatort: Die Feigheit des Löwen durch seine vergleichsweise differenzierte, weil menschliche Erkundung des Einwanderer- und Flüchtlingsmileus wohltuend von der hiesigen Krimi-Konkurrenz ab.

Tatort: Die Feigheit des Löwen

Zunächst ist da Verwirrung. Ein Mann sitzt in einem Auto umgeben von Schilf. Im Radio laufen Nachrichten über den Syrischen Bürgerkrieg. Ein anderer sitzt im Dunkeln, während Geräusche des Tötens durch seine Erinnerung hallen. Noch einer schiebt in einem Restaurant Pässe über den Tisch, während im Fernsehen Berichte über den Syrienkonflikt aufflackern. Klingt nach einem Muster? Ist es auch. Wir haben hier nämlich einen der weniger gelungenen Versuche vor uns, in Tatort: Die Feigheit des Löwen die Gegenwart des Bürgerkriegs im fernen Deutschland zu suggerieren, wo doch die Handlung vollauf genügt: Durch einen Zufall werden Polizisten auf den Pass-Käufer aufmerksam, die Sache eskaliert, ein Schuss fällt, der Mann ist tot und in dessen Kofferraum findet Polizist Katz (Sebastian Schipper) wenig später einen kleinen Jungen, der seine tote Schwester umklammert. Beide wurden mit ihrer Mutter illegal nach Deutschland geschleust. Währenddessen ermitteln Falke und Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) im scheinbaren Erstickungstod eines Mannes, der zu Schleusern und Dokumentenfälschern Kontakt gehabt haben soll. Alles läuft im schicken Heim einer deutsch-syrischen Familie zusammen.

Im Buch von Friedrich Ani werden einige Versuche unternommen, das schwierige Thema anderweitig bekömmlich zu machen. Mit der extrovertierten Wiener Pathologin (Brigitte Kren) und ihrem wortkargen Assistent Rudi gelingt dies dank des sparsamen Einsatzes, wobei wir diese Art Humor eher aus Münster gewohnt sind. Die Annäherung von Falke und Lorenz hingegen, angedeutet bereits im letzten Krimi der beiden, wird durchaus charmant aufgebaut (Billstedter Milch!). Nur läuft sie dann fix zugunsten eines Gags ins Leere, was den Verdacht aufkommen lässt, sie sei nichts weiter als ein Ablenkungsmanöver.

Das braucht der Zuschauer vielleicht auch, überwiegt doch die Gewissheit, ein gelöster Fall werde am großen Ganzen nichts ändern. Muss der Kommissar diesmal nicht ins Auge einer Drohne blicken (wie im letzten Tatort Krens), kämpft Falke wieder gegen Umstände an, die seinen Einflussbereich weit übersteigen, namentlich das Leid, das der syrische Bürgerkrieg bis über die deutsche Grenze trägt. Vielleicht macht das diesen noch jungen Tatort-Helden aus. Bei einem mit der Statur von Wotan Wilke Möhring erwarten wir ein Durchsetzungsvermögen à la Nick Tschiller, einen, der mit ein paar Schüssen alle Probleme dieser Welt lösen kann. Stattdessen sieht sich Falke in Tatort: Die Feigheit des Löwen am Gesetz selbst verzweifeln. So flüchten er und der Krimi in ein trügerisches Mini-Happy-End. Er hat es sich redlich verdient.

Mord des Sonntags: An apple a day...

Zitat des Sonntags: "Wir sind alle ganz normal. Wie normale Deutsche."


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