Serienale 2016 - Fazit zum ersten Serienfestival in Berlin

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War auch auf der Serienale 2016 vertreten: The Walking Dead
03.10.2016 - 09:00 UhrVor 1 Jahr aktualisiert
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In den vergangenen vier Tagen fand in Berlin die erste Serienale statt, ein Festival, das sich ausschließlich um Serien dreht. Wir waren für euch vor Ort, haben diverse Veranstaltungen besucht und nach Abschluss der ersten Ausgabe ein Fazit gezogen.

Wir leben im Zeitalter des Peak TV. Unzählige neue Serien starten von Woche zu Woche auf den unterschiedlichsten Kanälen. Kein Wunder, dass sich verschiedene Highlights mittlerweile auch außerhalb ihres regulären Ausstrahlungsfensters ausgebreitet haben. Bereits seit zwei Jahren pflegt etwa die Berlinale eine extra Rubrik für seriell erzählte Geschichten. Anfang dieses Jahres feierten dort unter anderem The Night Manager mit Tom Hiddleston und Hugh Laurie sowie die 2. Staffel von Better Call Saul ihre Premiere. Die Serienale  hat sich nun komplett den Serien verschrieben und fand zum ersten Mal zwischen dem 29.09.2016 und dem 02.10.2016 in Berlin statt. Im Rahmen eines kurzen Rückblicks ziehen wir ein Fazit zur ersten Ausgabe, ein viertätiges Debüt mit Ecken und Kanten.

Netflix and chill? Von wegen! Die Serienale überwindet den großen Graben zwischen den heimischen vier Wänden und der grausamen Welt, die sich außerhalb des Couch-Territoriums ausbreitet. Wo es für Filmfans im Februar zur Selbstverständlichkeit geworden ist, sich bei Wind und Wetter auf dem Weg zum Berlinale Palast zu machen, haben diverse Streaming-Anbieter den Bewegungsradius eines durchschnittlichen Serienliebhabers auf ein notwendiges Minimum reduziert, um vom Bett oder Sofa aus die Fernbedienung zu erreichen. Die Serienale wirbt jedoch mit der Möglichkeit, Lieblingsserien nicht nur mit Gleichgesinnten, sondern ebenfalls auf der großen Leinwand zu sehen, einem außergewöhnlichen Ort, wo episodische Narration bis dato Filmreihen vorbehalten ist. Ein verführerisches Versprechen, allerdings offenbarte sich die Bekanntgabe des Programms im Voraus als Dämpfer: Nichts Neues, so der erste Eindruck.

Mehr: Serienale 2016 - Synchron-Panel: Untertitel sind ein No-Go

Mit The Walking Dead, Ash vs Evil Dead und Aquarius waren zwar durchaus namhafte US-Serien am Start. Die präsentierten Episoden sorgten jedoch für Ernüchterung, denn frische Ware war nicht dabei. Viele Staffeln feierten bereits vor mehren Monaten ihre Premiere und haben es schon nach Deutschland geschafft. Zudem wurde ein Gros der Titel in der deutscher Synchro gezeigt. Wirklich schade, gehören Filmfestivals zu den letzten großen Bastionen, wo die aufgeführten Werke ganz selbstverständlich in ihrem Originalton laufen. Von Untertiteln sollte sich niemand abschrecken lassen. Bei den deutschen Produktionen fällt dieser Umstand natürlich nicht ins Gewicht. Die synchronisierte Version des jüngsten The Walking Dead-Finales fühlt sich trotzdem eher an wie die Free-TV-Premiere auf RTL II als der Besuch eines Serienfestivals mit Event-Charakter.

Es besteht also die Frage nach aktuellen Sachen: Wo war etwa Netflix? Keine einzige Serie des VoD-Riesen lief auf der Serienale, obgleich sich das Unternehmen seit zwei Jahren erfolgreich in Deutschland ausbreitet. Nicht einmal Marvel's Luke Cage, die mit ihrem Start am 30.09.2016 geradezu prädestiniert gewesen wäre, die Serienale zu crashen, gab ein Lebenszeichen von sich. Ähnlich sieht es mit Partner Amazon aus, der offenbar nicht gewillt war, Lizenzen für die neue Staffel von Ash vs Evil Dead und die - von Woody Allen kreierte - Eigenproduktion Crisis in Six Scenes (auch am 30.09.2016 gestartet) zu vergeben. Selbstverständlich ist die Serienale noch ein sehr junges Festival, ein Blick zum Seriencamp nach München beweist allerdings, dass schon im zweiten Jahr absolute Hochkaräter wie Westworld, Atlanta, Goliath und Der junge Papst als Aushängeschild im Katalog stehen können.

Immerhin eine Weltpremiere gab es auf der Serienale 2016: The Finellis, eine Animationsserie à la Die Simpsons, die am Freitag im Alexa-Kino zum ersten Mal einem Publikum vorgeführt wurde. Die Location mag zwar nicht der Wahnsinn sein, immerhin bietet die Lage aber gute Anschluss- sowie Versorgungsmöglichkeiten. Ein richtiges Festivalzentrum fehlt der Serienale bis dato trotzdem. Gegen eine gemütliche Vorführung im Zoo Palast kann jedoch nichts eingewendet werden - vor allem nicht, wenn es auch in Zukunft Pick ups in Hülle und Fülle gibt. Dass die Atmosphäre darüber hinaus eine entspannte war, sei ebenfalls positiv angemerkt, besonders bei den verschiedenen Panels konnte in angenehmer Kulisse den Worten der eingeladenen Gäste gelauscht werden. Generell sollten die zwei großen Facetten der Serienale als große Stärke des Festivals hervorgehoben werden, das definitiv noch in seinen Kinderschuhen steckt.

Mehr: Serienale 2016 - Warum Musik in Serien so wichtig ist

Wo auf der einen Seite ganz klassisch Vorstellungen (Karten gab es übrigens umsonst!) an unterschiedlichen Veranstaltungsorten gezeigt wurden, gab es auf der anderen Seite spannende Podiumsgespräche zu entdecken, die sich dieses Mal konkret mit den Themen Synchronarbeit, Productplacement und Serienmusik auseinandergesetzt haben. Sowohl auf der Bühne als auch im Publikum saßen fachkundige und interessierte Leute, sodass sich auch in der darauffolgenden Fragerunde ein spannender Dialog entwickelte, der verschiedene Standpunkte zu den jeweiligen Themen offenlegte. Apropos Q & A: Auch bei den regulären Vorstellungen war das ein oder andere prominente Gesicht vertreten und erzählte voller Begeisterung Anekdoten vom Dreh. Dass der Saal nicht immer ausverkauft war, spielte dabei überhaupt keine Rolle. Frank Kessler sprühte vor Begeisterung für die Blutsbrüder, während Nick Hein verlegen von seinen ersten Erfahrungen als Schauspieler in Diese Kaminskis berichtete.

Waren die Panels eindeutig die Höhepunkte der ersten Serienale, gibt es hinsichtlich des Programms noch sehr viel Luft nach oben. Die nächste Ausgabe des ersten Serienfestivals an der Spree wurde jedoch schon für 2017 angekündigt und findet wieder Ende September, Anfang Oktober statt. Im Grunde gibt es kein besseres Timing, werden wir aktuell von unzähligen Serienneustarts- und Rückkehrern weggeschwemmt. Vielleicht findet die Serienale darin ihre eigene Stimme: als Weichensteller für das persönliche Serienprogramm der kommenden Wochen und Monate. Denn wenn es sich nicht gerade um eine Mini- oder Webserie handelt, befindet sich ein mehrstündiger Binge-Marathon auf Festival-Level noch in weiter Ferne. Dennoch kann die Serienale als Startschuss fungieren, um die neuen Formate der Saison kennenzulernen und je nach Gefallen danach auf der eigenen Couch weiterzuschauen.

War ihr auf der Serienale 2016? Was habt ihr für Eindrücke auf dem Festival gesammelt?

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