Schlimmes Finale: The Big Bang Theory ist trotzdem eine Sitcom für die Ewigkeit

The Big Bang Theory
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The Big Bang Theory
Moviepilot Team
Surfer Rosa Hendrik Busch
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Redakteur bei Moviepilot. Glaubt, dass Netflix sich irgendwann noch durchsetzen wird und schreibt deshalb hauptsächlich über VOD und Streaming. Schöner als Sport sind nur Filme darüber.

Am Ende war einfach alles wie immer. Die am längsten noch laufende Serie ihrer Art verabschiedet sich mit einer erstaunlich kraftlosen Folge. Vielleicht war The Big Bang Theory auch deshalb so lange so erfolgreich: Die Sitcom überraschte eigentlich nie. Ein steter Wandel lässt sich natürlich nicht leugnen, die Figuren wurden erwachsen und die Sitcom mit ihnen.

Die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Finale von The Big Bang Theory

  • Das The Big Bang Theory-Finale fühlt sich lange nicht wie ein Finale an.
  • Emotionale Momente gibt es trotzdem. Die überraschen aber nicht.
  • Fans wird das alles egal sein.

Doch die Veränderungen prägten sich behutsam in die Serie ein. Die Zeit selbst (und das Alter) erzwangen sie, und nicht irgendwelche radikalen Ideen aus dem Writers Room. Das Green Lantern-Shirt mochte über Sheldons Bauch spannen, doch was sich nie änderte, waren die Witze, die Themen, die Orte, aus denen sich diese Sitcom 12 Jahre lang materialisierte.

The Big Bang Theory endet so vorhersehbar wie die ganze Sitcom

Zeig mir deine letzte Episode und ich sag dir, was für eine Sitcom du bist. Die letzte Episode von The Big Bang Theory würden wir unter normalen Bedingungen im grauen Aktenordner vergessener Big Bang-Folgen abheften. Ja, wäre sie nicht zufällig der Abschluss einer 12-jährigen Ära.

Die erzählerische Rahmung zum Finale liefert die Verleihung des Nobelpreises. Sheldon und Amy gewinnen das Ding und die Truppe macht sich auf nach Europa, die Freunde ecken hier und da nochmal an, vor allem Sheldon macht sich unbeliebt. Dazu später mehr.

Es hat zwischenzeitlich den Anschein, als hätten die Autoren sich etwas zu lange in Fanforen aufgehalten, wo seit Bekanntwerden des Endes Wunschvorstellungen über das perfekte The Big Bang Theory-Ende detailliert geäußert wurden. Nahezu alle werden erfüllt.

Die großen Moment im The Big Bang Theory-Finale

  • Der Fahrstuhl fahrstuhlt wieder

In fast jedem Fantraum vom Finale taucht der endlich wieder funktionierende Fahrstuhl auf, ein großer TBBT-Mythos. Die Episode gewährt den Wunsch, aber der Moment verpufft. Auch danach tuckert die Folge vorwärts, ohne sich in das emotionale Dickicht eines endgültigen Abschieds vorzuwagen. Ihr fehlt das Bewusstsein des eigenen Endes. Die nächste Station ...

  • ... Penny ist schwanger

Auch hier ergaben sich die Autoren dem Fandruck. Wenn Penny auf dem Flug zur Nobelpreis-Abholung verdächtig oft auf die Bord-Toilette eilt, ist die Enthüllung ihrer Schwangerschaft nicht fern. Als wäre nur mit eigenem Kind ihre Figur-Entwicklung abgeschlossen. Nichts gegen Elternglück, doch Penny und Leonard waren kinderlos glücklich, die Elternschaft wird ihnen nun irgendwie aufgedrückt.

  • Sheldons (letzte) große Läuterung

Sheldon, der absolute Fanliebling, kriegt auch den letzten großen Charaktermoment der Serie und nicht etwa eine Figur aus der zweiten Reihe, der arme Stuart vielleicht, von mir aus auch Captain Schlabberhose. So darf sich Sheldon ein letztes Mal den Arroganzpanzer abstreifen und zeigen, dass darunter nur ein Mensch steckt, der Angst vor seinen Gefühlen hat. Wieder muss Sheldon lernen, dass er mit seinem Verhalten seine Freunden verletzt.

Sheldon: "Ich mache es ja nicht mit Absicht - Amy: "Ja, und das ist der einzige Grund, warum wir dich tolerieren."

Das ist sowas wie der Ur-Konflikt von The Big Bang Theory. Im Finale wird er noch einmal in den Mittelpunkt gezerrt. Sheldon widmet die Dankesrede beim Nobelpreis seinen Freunden. The Big Bang Theory ist Sheldons Bühne bis zum Schluss: "Meine zwei liebsten Freunde, auf meine Weise liebe ich euch alle." Das ist schön, sicher. Aber auch fürchterlich redundant.

  • Die Endszene: Asiatisches Essen im Wohnzimmer

Erst auf dem letzten Drücker wird aus einer stinknormalen Episode ein Finale. Auch dieses Ende hatten sich Fans übrigens genauso ausgemalt, was die Szene nicht weniger effektiv macht. Sie ist angemessen: das letzte Abendmal der Nerds. Im Hintergrund spielt eine langsame Version des Big Bang-Songs "History of Everything", die Kamera fährt langsam davon. Es wird dunkel. Das war's.

Warum das Finale so enttäuschend ist

Ganz leise und unauffällig zieht sich The Big Bang Theory aus der Serienlandschaft zurück. Sitcoms enden selten mit Getöse. Aber die Abschlussepisoden der letzten großen Comedy-Serien Friends, Malcolm Mittendrin, Scrubs und How I Met Your Mother spuckten in ihren Abschlussepisoden dann doch größere Töne.

Sie wollten mit Pauken, Trompeten und heißen Tränen untergehen. Sie zeichneten sich durch Pointiertheit (Friends), Ambition (How I Met Your Mother), Pathos (Scrubs) und schlichte erzählerische Brillanz (Malcolm Mittendrin) aus.

Das The Big Bang Theory-Finale bleibt hinter all diesen Serien zurück, weil es sich lustlos der Gefälligkeit ergibt. Eine der Hauptfiguren, der ängstliche Leonard, ist Experimental-Physiker. Die Sitcom selber wagte keine Experimente, auch nicht im Finale.

The Big Bang Theory ist trotzdem eine Sitcom für die Ewigkeit

Wie also wird The Big Bang Theory nun nach seinem Ende in Erinnerung bleiben? Ich tippe mal vorsichtig auf eine große Zukunft. The Big Bang Theory war in den letzten Jahren das beständige Hintergrundrauschen einer wildgewordenen Serienlandschaft, und das wird sich nach dem Ende kaum ändern, schon gar nicht in Deutschland.

The Big Bang Theory ist eine der wenigen Serien, die kaum Zuschauer eingebüßt hat. Sie läuft bei ProSieben rauf und runter. Auch große Streaming-Anbieter wollen nicht auf die Sitcom verzichten. Bei Netflix und Amazon Prime sind alle Staffeln bis auf die aktuelle verfügbar. Wer will, kann The Big Bang Theory als Begleiter des hektischen Alltags weiterhin um sich halten.

Auch das Finale von The Big Bang Theory wird in einen ewigen Wiederholungsstrudel einfließen.

Malt euch das mal aus

Bei ProSieben oder Netflix schaut ihr, sagen wir, in 3 Jahren an einem Dienstagnachmittag die letzte Folge The Big Bang Theory. Das Bild des letzten Abendmals im Wohnzimmer verblasst, das Universum mit der Big Bang-Clique erlischt.

Und sogleich kracht wieder der Urknall und alles geht von vorne los. "Our whole universe was in a hot, dense state ..." Leonard und Sheldon schlurfen mit asiatischem Essen durch das Treppenhaus in Pasadena, sie müssen die Treppen steigen. Denn der Fahrstuhl geht ja nicht.

Werdet ihr The Big Bang Theory vermissen?

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