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Ride with Norman Reedus – Die neue AMC-Serie im Pilot-Check

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Ride with Norman Reedus: Wo Männer noch Männer sein dürfenAbspielen
© AMC
Ride with Norman Reedus: Wo Männer noch Männer sein dürfen
13.06.2016 - 14:10 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
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Ride with Norman Reedus begleitet den aus The Walking Dead bekannten Schauspieler auf einen persönlichen Streifzug durch die USA. Für Motorradfreunde ist das Pflichtprogramm, für Zombiefans weniger. Sympathisch finden kann man die Show allemal.

Der US-Kabelsender AMC bemüht sich redlich, Fans seines Quoten-Hits The Walking Dead das Warten auf die nächste Staffel der Zombie-Serie zu verkürzen. Neben dem nicht ganz so populären Spin-off Fear the Walking Dead hat er nun ein Reality-Format auf den Weg gebracht, das Norman Reedus beim Motorradfahren quer durch die Staaten begleitet. Als verschlossener Hinterwäldler Daryl Dixon ist Reedus innerhalb der Serie zu einem Publikumsliebling gereift, der gefühlt kaum mehr tut, als mit seinem Bike von A nach B zu fahren (und bestimmte Gefahrensituationen on the road zu klären). Dass sich die Figur dabei großer Beliebtheit erfreut, ist bemerkenswert, weil es sie in der Comic-Vorlage gar nicht gibt. Reedus hat The Walking Dead und ihr einen eigenen Stempel aufgedrückt.

Das hat sicherlich auch mit den Verschränkungen zwischen einer oft unergründlichen Figur und der Persönlichkeit ihres nicht minder unnahbaren Darstellers zu tun. Ride with Norman Reedus wirkt, als sei Daryl Dixon nach einer guten Dusche (und mit sauberen Klamotten) aufgebrochen, um fernab des alltäglichen Zombie-Trubels sein Hobby zu pflegen. So tritt Reedus, wie Daryl Dixon Motorradenthusiast, hier zwar als er selbst auf: In einem Format, das ihm augenscheinlich eine Herzensangelegenheit ist (im Englischen gibt es dafür den nicht immer schmeichelhaft gemeinten Begriff "Vanity Project"). Andererseits stellt er bewusst eine Nähe zu jener Figur her, ohne die es selbiges gar nicht geben würde – ganz unironisch düst Norman Reedus durch diese Show als ein Zitat auf zwei Beinen. Oder eben zwei Rädern.

Wie interessant oder gar spannend man so eine Serie findet, hängt natürlich von den Sympathien zu ihrem zweifellos charismatischen Star, vor allem aber zu anmutigen Bikes und einer – nennen wir es mal – Philosophie des freien Motorradgeistes ab. Im Gegensatz zum seriellen Reisebericht Long Way Round, der Ewan McGregor und Charley Boorman auf Motorrädern um die Erde schickte, geht es in Ride with Norman Reedus nicht um weltenbummlerische Entdeckungsfreude, sondern eine Suche nach Spuren des American Dream: Bilder scheinbar endloser High- und Freeways waren schon immer Ausdruck seiner romantischen Sehnsucht nach Freiheit – und diese Bilder werden in Ride with Norman Reedus mit Sonnenuntergängen und einem tagebuchartigen Voice-Over veredelt.

Zu hören sind da gelegentlich alberne, aber auch ausgesprochen niedliche Sätze ("The machine fits your body like a glove."/"It's almost like yoga"). Und wenn Norman Reedus Motorradfreaks über die Zusammensetzung getunter Bikes ausfragt, macht der sonst so entspannte Schauspieler eine sympathisch aufgeregte Figur – manche der Leute, die er besucht, könnten durchaus seiner Zombie-Hitserie entsprungen sein. Um dem vielleicht entgegenzuwirken, hat er für die Pilotfolge das Model Imogen Lehtonen als Begleitung engagiert. Ihre gemeinsame Route führt entlang der Kalifornischen Pazifikküste, deren bekannte Orte Santa Barbara, Santa Cruz und der Redwood-Nationalpark hier mit Archivaufnahmen kombiniert werden (und so noch einen leicht touristischen Anstrich erhalten).

In unterschiedlichen Konstellationen (unter anderem mit Robert Rodriguez und Peter Fonda) wird Norman Reedus für die weiteren Ausgaben durch verschiedene Bundesstaaten reisen, um Einblicke in lokale Biker-Kulturen zu gewinnen. Er wird Motorradsammler besuchen und Handwerkern über die Schulter schauen, wird zwischendurch Pausen einlegen in Tattoo-Läden und echten Selchereien, wo Männer noch Männer sein und bestes Fleisch genießen dürfen. Gewiss: Das hat eine Markigkeit von vorvorgestern, die ganz selbstverständlich ihren Platz in der Welt behauptet. Doch Norman Reedus verkauft sie immerhin nicht über Gebühr. Er scheint zu wissen, dass sein Format nichts anderes ist als eine Privatveranstaltung, mit der sich die Sommerpause von The Walking Dead füllen lässt.

Einen deutschen Starttermin hat Ride with Norman Reedus bislang nicht. Denkbar (obgleich rechtlich unwahrscheinlich) wäre es, die sechs Episoden umfassende Doku-Reihe hierzulande ins Programm des sogenannten "Männersenders" DMAX zu nehmen. Wann immer man dort einschaltet, gibt es von Tätowierungen übersäte, nicht selten glatzköpfige Kerle zu sehen, die an irgendwelchen Autos und Motorrädern herumschrauben. Sie sitzen in Werkstätten, schlachten Fahrzeuge aus und fachsimpeln schlecht synchronisiert über alles, was das Männerherz angeblich begehrt. Das ist eine völlig eigene, in ihrer betont maskulinen Abgeschirmtheit durchaus faszinierende Welt, in die Norman Reedus' kleine gemütliche Personality-Show thematisch gut reinpassen würde – wenn sie dafür nicht eigentlich viel zu lieb wäre.

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