Person of Interest: Die Krimiserie, die viel mehr ist, als ihr glaubt

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Person of Interest
09.08.2018 - 09:30 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Auf den ersten Blick sieht Person of Interest wie eine 08/15-Krimiserie aus. Mit der Zeit belehrt uns die Serie jedoch eines Besseren und beweist, dass noch viel mehr in ihr steckt.

Früher habe ich immer mal wieder Krimiserien gesehen. Hierzu zählte auch Person of Interest, die bei hierzulande bei RTL lief. Schnell habe auch ich die Serie als eine dieser 08/15-CBS-Krimiserien wie NCIS oder Hawaii Five-O abgestempelt. Wenige Jahre später gab ich der Produktion jedoch erneut eine Chance - wieso, das weiß ich nicht mehr. Bereits nach kurzer Zeit merkte ich, dass sich meine investierte Zeit lohnte und mein erster Blick mich tatsächlich getrübt hat. Falls auch ihr Person of Interest zu schnell (vor)verurteilt habt, dann soll euch dieser Artikel in unserer Rubrik mein Herz für Serie die Augen öffnen.

Worum geht es in Person of Interest?

Grob gefasst geht es in der Serie um einen intelligenten Informatiker - Harold Finch (Michael Emerson bekannt aus Lost) - der für die Regierung eine Maschine programmiert hat und deren Fähigkeiten nun selber nutzt. Im Grunde erfasst und analysiert sie jedes technische Gerät der Welt auf bevorstehende Verbrechen. Hierbei macht sie sich die Aufzeichnungen der Unmengen an Überwachungssystemen der Regierung und anderer Institutionen zunutze. Da die Regierung jedoch nur Terrorangriffe und keine am "normalen" Menschen interessieren, nahm Finch die Sache selber in die Hand und suchte sich einen Mann, der ihm dabei helfen kann, diese Taten aktiv zu verhindern. Er fand den ehemaligen Special Forces-Soldaten John Reese (Jim Caviezel), der wieder eine Aufgabe im Leben brauchte und diese mit seiner neuen Tätigkeit fand. Das alles ist jedoch nur die Grundthematik für eine komplexe und gut durchdachte Kriminalserie.

Komplexe und dynamische Handlungsstränge erwarten euch

Zu Beginn von Person of Interest können Fans von komplexen Storylines sich noch reichlich über die Serie beschweren. Wenn ihr jedoch etwas durchhaltet, werdet ihr schnell belohnt. Zunächst erwartet einen pro Folge ein sogenannter "Fall der Woche". Diese dienen erstmal dazu, die Figuren einzuführen und miteinander agieren zu lassen. So sehen wir John und Harold bei ihrer täglichen Arbeit und wie sie sich kennenlernen. Dadurch wird das elementare Grundgerüst für die nächsten Staffeln gebaut. Regelmäßig werden einem Brotkrumen hingeworfen, die im ersten Moment nicht besonders bedeutend erscheinen mögen, aber schnell an Wichtigkeit gewinnen. Das können sowohl scheinbare "Fall der Woche"-Figuren oder nebensächliche Infos zu Ereignissen sein. So werden, ohne dass es der Zuschauer vielleicht selber mitbekommt, die Grundsteine für folgenübergreifende Handlungen gelegt. Durch diese tolle Expositionsarbeit laufen die daraus resultierenden Geschichten reibungslos.

Person of Interest

Hierbei wird nicht nur an ein oder zwei folgenübergreifenden Handlungen gearbeitet. Stattdessen stehen gleich mehrere Storylines in den Startlöchern, die es in sich haben. Diese sind intensiv, hochspannend, actionreich und komplex. Die Spannweite dieser Handlungsstränge reicht von Polizeikorruption über künstliche Intelligenz bis hin zum organisierten Verbrechen. Indem diese verschiedenen Elemente zusammengenommen werden, erreicht Person of Interest ihre Komplexität. Das alles zusammengenommen ergibt eine extrem nervenaufreibende und dynamische Geschichte, die es in dieser Art in kaum einer anderen Serie zu sehen gibt. Dabei entwickelt das Drama mit der Zeit einen immer stärker werdenden Sog, aus der sich der Zuschauer nur sehr schwer befreien kann.

In Person of Interest kämpfen knallharte Figuren für die Gerechtigkeit

Ich habe meine Zeit gebraucht, um mit den Charakteren und deren ungewöhnlichem Umgang miteinander klar zu kommen. Der Humor ist eher trocken und die Interaktion der Figuren ist gerade zu Beginn eher etwas spärlich gesät. Indem jedoch der Cast mit der Zeit erweitert wird, kommt etwas mehr Dynamik in die Figurenkonstellationen, sodass Person of Interest schnell an Intensität gewinnt. Dabei gehen manchmal die Handlungsmotive der einzelnen Figuren nicht miteinander konform, sodass diese oftmals nicht das sind, was sie nach außen hin zu sein scheinen bzw. zu sein vorgeben. Als Beispiel kann man hier die undurchsichtige Root, gespielt von der wunderbaren Amy Acker, nennen. Die meisten Charaktere, wie Reese, Root und Shaw wirken mehr wie Antihelden statt pure Helden, wodurch man sich in einer moralischen Grauzone wiederfindet. Des öfteren müssen sie moralische Grenzen überschreiten, um das Richtige zu tun und Menschenleben zu retten. Indem ihre Weste aber nicht ganz so weiß ist, kommen Root und Co. aber auch menschlicher und natürlicher daher. Insgesamt wird ihnen ein stärkerer Schliff verliehen.

Sarah Shahi und Amy Acker in Person of Interest

Zu Beginn von Person of Interest besteht die Serie hauptsächlich aus John Reese, Harold Finch, Lionel Fusco (Kevin Chapman) und der von Taraji P. Henson gespielten toughen Polizistin Joss Carter. Dieser Mangel an weiblichen Figuren wirkt im ersten Moment erst mal unattraktiv - auch ich wurde davon etwas abgeschreckt. Zum Glück wird dies jedoch nach und nach korrigiert. So werden die zwei Charaktere, die ihr im obigen Bild zu Gesicht bekommt, hinzugefügt. Root und Shaw entwickelten sich für mich schnell zu meinen Lieblingen des technischen Krimithrillers. Das rührt daher, dass die beiden nicht nur mehr Charakter als ihre männlichen Pendants besitzen, sondern auch, dass sie in meinen Augen schlichtweg komplexer sind und mehr Tiefe bieten. Außerdem sind sie extrem tough und können genauso wie der Rest der Mannschaft ordentlich austeilen. Für mich zählen sie zu den stärksten - sowohl im mentalen als auch im physischen Sinne - Frauenfiguren im aktuellen Film und Fernsehen. So eine Darstellung ist zudem extrem erfrischend, da sie eben so selten zu sehen ist.

Jonathan Nolans unverkennbare Note in Person of Interest

Wie ich auch schon in meinem Vorstellungsartikel geschrieben habe, bin ich ein sehr großer Fan von (dem Stil von) Christopher Nolan. Ohne es zu wissen bin ich zeitgleich ein sehr großer Fan der Serie seines Bruders - Jonathan Nolan - geworden. Doch nicht nur das. Dadurch lernte ich auch seinen unverkennbaren Stil zu schätzen und zu lieben, wodurch ich mich nun als Fan beider Nolan-Brüder bezeichnen darf. Dabei ist Jonathan Nolans Stil stets eng mit Technik verbunden. In Person of Interest gestaltet sie regelmäßig das Aussehen aber auch die Handlung des Krimis. Auch in seinem neuesten Werk, dem HBO-Sci-Fi-Drama Westworld, spielt Technik eine immense Rolle.

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