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Meuterei auf der Bounty – Eine filmische Naturgewalt

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© Warner Bros.
Meuterei auf der Bounty
09.01.2018 - 11:30 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Es ist nicht die erste und letzte Verfilmung der realen Ereignisse auf der Bounty. Doch die 1962er Version von Meuterei auf der Bounty mit Marlon Brando ist definitiv die beste.

Meuterei auf der Bounty von 1962 ist die erste Farbverfilmung der Ereignisse auf der HMS Bounty, auf der es im Jahr 1789 zur weltberühmten Meuterei kam. Das rund dreistündige Historien-Abenteuer ist der letzte Kinofilm von Lewis Milestone, der unter anderem 1930 die erste Adaption von Erich Maria Remarques Anti-Kriegs-Klassiker Im Westen nichts Neues inszenierte, wofür er dann auch völlig verdient mit dem Oscar als bester Regisseur ausgezeichnet wurde (die Trophäe für den besten Films gab es noch obendrauf). Und der 1980 verstorbene US-Amerikaner präsentiert uns gleich zwei Naturgewalten: Zum einen den unbändigen Ozean, den die Besatzung des Dreimasters zu bezwingen versucht, zum anderen Marlon Brando.

Lichtgestalt Marlon Brando

Schon 1951 übertrug der 1924 geborene Schauspieler in der Tennesse-Williams-Verfilmung Endstation Sehnsucht von Elia Kazan (Jenseits von Eden) die literarische Figur des polnischen Einwanderers Stanley Kowalski zu gleichen Teilen charismatisch und beängstigend impulsiv auf die Leinwand. Viele Jahre später pferchte er in Apocalypse Now (1979) – nun aufgedunsen und kahlgeschoren – die gesamte Manie der Menschheit in seinen Kurzauftritt als abtrünniger und zum Herrscher über sein eigenes zwielichtiges Dschungel-Reich aufgestiegenen Colonel Kurtz. Einen weiteren und oft unterschätzten Höhepunkt in seinem Schaffen brachte Marlon Brando 1962 in Meuterei auf der Bounty auf deren wankende Schiffsplanken.

Marlon Brando mit Filmpartnerin Tarita Teriipaia, mit der er auch viele Jahre zusammen war.

Ganz egal, wie verachtenswert Trevor Howard (Der dritte Mann) als sadistischer Captain Bligh über das Deck marschiert und seine Untergebenen unter brennender Sonne auspeitschen lässt; ganz egal, wie prächtig und farbenfroh die Leinwand erstrahlt, wenn die Bounty über den blauen Ozean schippert; ganz egal, wie stark die Sehnsucht nach exotischer und vom Mensch noch nahezu unberührter Natur anschwillt, wenn die Crew zum ersten Mal von den Einwohnern des Karibik-Paradieses Haiti empfangen wird – Brando reißt den Film an sich, ist als ebenso sympathischer wie hartgesottener Erster Offizier Fletcher Christian Lichtgestalt und Identifikationsfigur, ohne dabei seinen Schauspielkollegen (zu denen unter anderem auch "der erste" Professor Dumbledore Richard Harris gehört) den Platz zur Entfaltung zu nehmen.

Noch hält Fletcher Christian (Brando, mitte) zu seinem Kapitän (Trevor Howard).

Oh Glorious Technicolor!

Doch natürlich gibt es neben Marlon Brando noch viele weitere Gründe dafür, dass der epische Historienfilm auch heute noch so beeindruckt. Zum Beispiel seine opulente Pracht: Technicolor, das Farbfilm-Herstellungsverfahren, welches das gleichnamige Unternehmen in den 1910er Jahren entwickelte und das den gesättigten Farbstil der Hollywood-Filme bis in die späten 1960er hinein prägte, war die perfekte Arbeitsgrundlage für Regisseur Milestone und seinen Kameramann Robert Surtees (erhielt dreimal den Kamera-Oscar, unter anderem 1959 für Ben Hur). Auch die 1935er Verfilmung von Meuterei auf der Bounty mit Legende Clark Gable als Fletcher Christian sowie Die Bounty von 1984 mit dem jungen Mel Gibson in dieser Rolle und Anthony Hopkins als herrschsüchtiger Kapitän Bligh sind bildgewaltig, halten dem Vergleich mit Surtees' prunkvollen und farbenprächtigen Bildern dennoch in keiner Sekunde stand.

Schönste Technicolor-Farbpracht: Die Crew der Bounty auf Haiti.

Doch damit noch nicht genug in puncto Optik: Die Meuterei auf der Bounty ist einer der wenigen Filme, die mit dem aufwendigen und super-breitwinkeligen Aufnahmeverfahren Ultra Panavision 70 (bzw. dem identischen MGM Camera 65) hergestellt wurden. Durch die hohen Kosten wurden bis 1966 nur zehn Filme auf diese prächtige Weise gefilmt (der letzte war Khartoum - Der Aufstand am Nil mit Charlton Heston). Und erst Film-Connaisseur Quentin Tarantino brachte 2015 mit The Hateful 8 wieder einen Ultra-Panavision-Film in die Kinos. Durch die Nutzung der vollen Leinwandbreite wirken die Bilder noch einmal intensiver, katapultieren den Zuschauer mitten in das karibische Filmgeschehen. Leider ist es heutzutage wohl nur noch mit sehr viel Glück möglich, den eindrucksvollen Filmklassiker auf diese Weise auf einer Kinoleinwand zu erleben – aber zumindest nach 35mm-Vorführungen solltet ihr eure Augen offen halten und ihnen diesen Genuss gönnen, sollte sich die Möglichkeit bieten.

Ultra Panavision 70 nutzt die volle breite der Leinwand.

Auch wenn ich noch viele euphorische Absätze weiterschreiben könnte, möchte ich euch an dieser Stelle nur noch den epochalen, klassisch-orchestralen Soundtrack von Bronislau Kaper (Oscar 1954 für Lili) ans Herz legen, der das große Segelschiff durch Wind und Wellen treibt, die ausgelassenen Tänze der Eingeborenen untermalt und jede vom Leinwand-Geschehen erzeugte Emotion aufgreift, verstärkt und an den Zuschauer zurückschickt. Ouvertüre und Hauptthema könnt ihr euch in folgendem Video zu Gemüte führen.

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Ich hoffe, ich konnte verdeutlichen, wieso mir Meuterei auf der Bounty so am Herzen liegt, wieso ich bei jeder Sichtung erneut mit großen Augen staune und für drei Stunden ein dickes Lächeln auf meinem Gesicht prangt. Falls ihr den Brando-Klassiker also noch nie gesehen habt: Schaut ihn euch an, ihr werdet beeindruckt sein und in seinen Bann gezogen werden. Versprochen.

Was haltet ihr von Meuterei auf der Bounty? Ist Lewis Milestones Klassiker für euch ebenfalls ein absolutes Meisterwerk?

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