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Zum Kinostart von Au Revoir Taipeh

Meine 7 ambitioniertesten Debütfilme

25.11.2010 - 08:50 Uhr
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Donnie Darko
© wallpaperbase.com
Donnie Darko
Mit Au Revoir Taipeh legt Arvin Chen ein eindrucksvolles Debüt hin, das die Erwartungen an folgende Filme schürt. Diese ganz persönliche Debütfilm-Top 7 zeigt, dass nicht jedes viel versprechende Jungtalent halten konnte, was es versprach.

Der erste abendfüllende Spielfilm. Das erste Mal auf großer Leinwand. Der eigene Name im Abspann, im Vorspann. Ein Traum wird wahr – der Debütfilm.

Arvin Chen gilt als viel versprechender chinesisch-amerikanischer Filmemacher. Auf der Berlinale gewann er den Silbernen Bären mit dem Kurzfilm Mei. Heute startet sein erster Langfilm Au revoir Taipeh, in dem wir Kai bei seinem Versuch begleiten, Taipeh zu verlassen, um seiner Freundin nach Paris zu folgen, ins romantische Paris, die Stadt der Liebe. „Wenn Paris die Stadt der Liebe ist – was ist dann Taipeh?“ Im Verlauf einer Nacht entdeckt Kai die eigene Heimatstadt neu. Auch Arvin Chen ist in Taipeh zuhause. Mit Au revoir Taipeh debütiert er mit einer „spielerischen Hommage an seine quirlige, bunte Wahlheimat“. Dabei scheint Arvin Chen, nur einen Bruchteil seines kreativen Potenzials angerissen zu haben. Ob ihm aber noch eine große Karriere bevorsteht, das kann jetzt wohl noch niemand vorhersagen.

Manche Debütfilme zeigen nur den kläglichen Ansatz dessen, wozu ein Regisseur in der Lage ist. Andere bilden zugleich Anfang, Höhepunkt und Ende einer Regie-Karriere. Es ist schwer, den weiteren Verlauf eines Regisseurs nur aufgrund seines ersten Films vorauszusagen. Oft entdecken wir die Qualität eines Erstlings erst, nachdem sich der Regisseur etabliert hat. Diese zehn Debütfilme waren zeitgleich die ersten Werke, durch die ich die jeweiligen Regisseure kennengelernt habe, und ihnen ohne lange zu überlegen eine glorreiche Zukunft prophezeien konnte. Nicht bei allen behielt ich Recht.

Verstörendes Psychogramm eines Teenagers – Donnie Darko
Teenager Donnie hat einen eingebildeten Freund, ein drei Meter großes, eingebildetes Kaninchen, das ihm die Zukunft voraussagt, auch, dass in 28 Tagen die Welt untergehen wird. Bei dem verstörenden Psychogramm des Teenagers handelt es sich um eine der originellsten Mischungen aus Teenie-Horror, SciFi und Psychodrama, die doch nichts von alledem ist. Auch wenn das Debüt von Richard Kelly kein finanzieller Erfolg war, so kann er sich doch glücklich schätzen, einen Kultfilm geschaffen zu haben.

Der etwas andere Heist-Film – Reservoir Dogs
Quentin Tarantino machte mit Reservoir Dogs gleich klar, dass von ihm Ungewöhnliches zu erwarten sein wird. Der etwas andere Heist-Film ist inszeniert wie ein Kammerspiel und schöpft all seine Spannung aus dem Schauspiel der und dem Psychospiel zwischen all seinen kultigen Charakteren von Mr. White bis Mr. Pink.

Das Märchenhafte-Surreale – Delicatessen
Es ist nicht die erste Zusammenarbeit von Marc Caro und Jean-Pierre Jeunet, wohl aber der erste Langfilm der beiden. Im selben Stil wie Die Stadt der verlorenen Kinder werden in Delicatessen die Figuren, das Setting, die Geschichte um den Menschen schlachtenden Fleischer Capet so makaber wie liebenswürdig gezeichnet. Das Märchenhafte, das Surreale ist es, das uns vor Delicatessen genauso zurückschrecken lässt, wie es uns fasziniert.

Sozialkritischer Drogen-Kommentar – Spun
Bam! Als ich Spun das erste Mal gesehen habe, glaubte ich mich auf demselben Drogentrip, auf dem sich seine Protagonisten gefühlte 100 Minute lang befunden haben. Dass Regisseur Jonas Åkerlund eigentlich aus dem Musikvideo-Bereich kommt, merkt der Zuschauer dem Film mehr als an. Ein sozialkritischer Kommentar auf den Lebensstil Meth abhängiger White Trash Leute ist zwar im Ansatz erkennbar, mit dem erhobenen Zeigefinger lässt Akerlund uns aber Gott sei dank zufrieden. Die Narration verliert gegenüber der visuellen Schlagkraft und der brillanten Musikauswahl zwar etwas an Bedeutung. Ich finde das allerdings verkraftbar.

Der Körper des Terroristen – Hunger
Auch ihm merkt der Zuschauer an, woher er kommt. Der Künstler Steve McQueen verarbeitet die Ereignisse während des Hungerstreiks der IRA-Anhänger im Belfaster H-Block in dem ihm eigenen Stil. Hunger verläuft in radikalen Wellen zwischen Ruhe und Ausbruch, Isolation und Aggression. Statt auf Politik, Polemik oder Propaganda konzentriert McQueen sich auf den unterdrückten und aufbegehrenden Körper des Terroristen.

Keine abgedroschene Liebesgeschichte – 500 Days of Summer
Der bisher einzige Film des Regisseurs Marc Webb überraschte als Independent-Produktion an den Kinokassen. Non-linear erzählt der Film die ungewöhnliche Liebesgeschichte von Tom Hansen (Joseph Gordon-Levitt) und Summer Finn (Zooey Deschanel), für deren Beschreibung jede Phrase zu abgedroschen klingt. Es geht um persönliches Glück, das wir nie in den Armen eines anderen, sondern nur in uns selbst finden können. A propos Marc Webb plant gerade das neue Spiderman 4 Reboot.

Paranoide Glanzleistung – Pi
Intelligent, bizarr und paranoid. In grobkörnigem kontrastreichem Schwarz-Weiß erzählt Darren Aronofsky in seinem Debütfilm vom Mathematik-Genie Max Cohen, der auf der Suche nach Struktur hinter den Dingen und der Mathematik hinter der Welt vollkommen paranoid wird. Mit Requiem for a Dream setzte Aronofsky auf einen ähnlichen visuellen Stil wie in Pi und deshalb wieder auf Kameramann Matthew Libatique, mit dem er auch für sein aktuelles Projekt Black Swan wieder zusammenarbeitet.

Wie sieht eure ganz persönliche Debütfilm-Top 7 aus? Steht ihr auf handwerkliches Geschick oder abenteuerliche Experimentierfreude?

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