Das MCU verliert Spider-Man: Wir erklären den Disney-Sony-Streit

Spider-Man ist raus aus dem MCU - aber warum?
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Spider-Man ist raus aus dem MCU - aber warum?
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Stellvertretende Chefredakteurin bei Moviepilot, schreibt am liebsten über Game of Thrones und Filme, die in Hongkonger Nudel-Restaurants spielen.

Wer trägt die Schuld, Sony oder Disney? Tom Hollands Spider-Man ist vorerst raus aus dem Marvel Cinematic Universe, nachdem die Verhandlungen der Studios über die Zukunft von Spidey scheiterten. Fans rufen bereits zum Boykott von Sony-Produkten auf, während andere die Gier von Disney kritisieren. Doch warum wurde der Deal nicht verlängert, und gibt es die Möglichkeit für Spider-Mans Rückkehr ins MCU?

Die Kurzfassung lautet: Bisher hat Sony den Großteil der Box Office-Einnahmen für Spider-Man-Filme erhalten, doch laut Disneys neuem Vorschlag wären es nur noch 50 % gewesen. Da Spider-Man ein Gewinnbringer für Sony ist, hat Sony das Angebot abgelehnt. Damit wird Marvel Studios' Kevin Feige als Produzent der Spider-Man-Filme abgezogen und ein Einsatz von Spidey in Disney-Filmen ausgeschlossen.

Warum Sonys Entscheidung nachvollziehbar ist - und trotzdem ein großer Fehler sein könnte, erfahrt ihr hier.

Spider-Man im MCU: Der ursprüngliche Deal

Sony besitzt die Filmrechte für Spider-Man seit 20 Jahren. Nachdem die Reboot-Filme mit Andrew Garfield als Amazing Spider-Man zur Sackgasse wurden, ging Sony 2015 einen Deal mit Marvel Studios/Disney ein, der Spider-Man ins erfolgreiche MCU brachte:
  • Sony trug die Kosten für die Produktion der Spider-Man-Filme Homecoming und Far From Home, erhielt aber auch das Gros der Einspielergebnisse.
  • Disney erhielt 5 % des First-Dollar-Grosses, also 5 % des Einspielergebnisses am ersten Tag. Darüber hinaus gingen alle Merchandising-Einnahmen an Disney.
  • Marvel Studios konnte Spider-Man in Disney-Filmen einsetzen, als erstes in The First Avenger: Civil War, dann in Avengers 3: Infinity War und Avengers 4: Endgame.
  • Kevin Feige, Chef von Marvel Studios, erhielt einen Produzenten-Credit und damit kreativen Einfluss bei Sonys Spider-Man-Filmen.

Der neue Deal für Spider-Man: Disneys Forderungen

Zwei Solofilme und mehrere MCU-Auftritte später ist Spider-Man: Far From Home der erfolgreichste Film in Sonys Studiogeschichte.

Die Forderungen von Disney/Marvel Studios sahen Deadline zufolge so aus:

  • Disney wollte für zukünftige Spider-Man-Filme ein 50:50-Finanzierungsmodell. Laut dem hätten sich Disney und Sony die Finanzierung entsprechend geteilt, aber auch die Gewinne an den Kinokassen.
  • Darüber hinaus wären die Merchandising-Einnahmen weiter an Disney geflossen.

Sony hat das Angebot von Disney abgelehnt. Laut Quellen von Deadline hat Sony daraufhin alternative Finanzierungsmodelle vorgeschlagen, doch Disney war dagegen.

Nach monatelangen Diskussionen zwischen Marvel Studios' Chef Kevin Feige und Sonys Filmboss Tom Rothman wurde keine Einigung erreicht. Stattdessen zog Disney Kevin Feige als Produzent zukünftiger Spider-Man-Filme ab. Sony ist nun allein für Spider-Man verantwortlich.

Warum Disney den Deal wollte - und Sony ablehnen musste

Disney, so eine Quelle von Deadline, war überhaupt nicht daran interessiert, den alten 5%-Deal unter gleichen Bedingungen fortzuführen. Sony wiederum war dagegen, 50 % seines größten Franchise aufzugeben. Die Fronten sehen nun wie folgt aus:

  • Disney und Marvel Studios sind wesentlich am Erfolg der Spider-Man-Filme beteiligt, etwa durch die Integration in die MCU-Storys oder durch die Leihgabe von Figuren wie Tony Stark und Nick Fury. Vor diesem Hintergrund wirkt die bisherige Gewinnbeteiligung aus der Perspektive Disneys klein.
  • Sony hätte durch den Disney-Deal wesentlich weniger Geld eingenommen als nach den alten Abmachungen.
  • Die gesparten Kosten bei der Finanzierung hätten die potenziell verlorenen Einnahmen für Sony wohl nicht ersetzt.

Spider-Man mit Tom Holland bei Sony: Nie wieder im MCU?

Wird Spider-Man also gar nicht mehr im MCU auftauchen? Bisher gibt es widersprüchliche Angaben. So sagte ein Sony-Vertreter gegenüber io9 aus, dass die Verhandlungen sich nur um den Produzenten-Credit von Kevin Feige drehen - und noch am Laufen sind. Im offiziellen Statement von Sony heißt es (via Hollywood Reporter):

Wir sind enttäuscht, aber respektieren Disneys Entscheidung, [Kevin Feige] nicht mehr als leitenden Produzenten des nächsten Spider-Man-Live-Action-Films zu führen.

"Wir hoffen, dass sich das in der Zukunft ändert", heißt es weiter in dem Sony-Statement. Demgegenüber klingen die Quellen von Deadline sehr final. Eine endgültige Antwort zur Zukunft von Spider-Man im MCU haben wir nicht, auch weil es von Seiten Disneys noch keine Stellungnahme zum Thema gibt.

Spider-Man 3 und 4 mit Tom Holland sind in Planung

Zwei weitere Filme mit Tom Holland als Spider-Man sind derzeit bei Sony in Planung. Für die könnte auch Homecoming- und Far From Home-Regisseur Jon Watts zurückkehren, allerdings ist Watts Engagement noch nicht sicher.

Sony steht ein großer Pool an Figuren zur Verfügung, die sie für weitere Spider-Man-Filme nutzen könnten. Auftritte von MCU-Gestalten wie Nick Fury, Maria Hill oder Happy Hogan wären dabei ausgeschlossen.

Sony steht im Superheldenbereich wesentlich besser da als vor vier Jahren. Far From Home hat die Milliarde geknackt. Der MCU-freie Venom spielte weltweit über 800 Millionen Dollar ein, Venom 2 ist in Arbeit und der oscarprämierte Animationsfilm Spider-Man: A New Universe langte mit 375 Millionen ebenfalls kräftig zu.

Auf Basis dessen könnte Sony nach dem Bruch mit Disney einen weiteren Anlauf für ein eigenes Marvel-Universum anstrengen - inklusive Venom, Spider-Man, Morbius mit Jared Leto und vielen mehr. Mit Phil Lord und Christopher Miller (A New Universe) stünden kreative Köpfe bereit, die schon Marvel-TV-Serien für Sony planen.

Die Zukunft von Spider-Man bleibt unsicher

Sonys eigenes Marvel-Universum könnte auf Basis der populären Spider-Man-Version von Tom Holland Erfolge feiern. Viel würde davon abhängen, ob die Budgets derart explodieren wie bei The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro, der selbst mit 700 Millionen Dollar Einspielergebnis als Misserfolg gilt.

Andererseits hing der Erfolg von Spider-Man: Homecoming und Spider-Man: Far From Home mit der nahtlosen Verbindung zum MCU zusammen. Zuschauer, die nicht gerade jede News zum MCU aufsaugen, haben wahrscheinlich kaum mitbekommen, dass die Filme nicht von Disney sind.

Marvel Studios war das verbindende Element. Robert Downey Jr.s Tony Stark tauchte im ersten Film auf, der immerhin rund 180 Millionen Dollar mehr einspielte als The Amazing Spider-Man 2 (und wesentlich günstiger war). Far From Home drehte sich wiederum um den Verlust Tonys, die Folgen der Dezimierung und Peters Rolle in den Avengers. Sogar Nick Fury war prominent auf den Postern vertreten.

Es ist letztlich sehr gut nachvollziehbar, dass Sonys Filmsparte sich nicht die Hälfte der Einspielergebnisse ihrer größten Marke entgehen lassen wollte. Fällt jedoch die MCU-Verbindung weg, stehen nicht nur die Autoren vor der Herausforderung, Peter Parker ohne Input von Erfolgsgarant Kevin Feige weiterzuschreiben. Vielmehr muss Tom Holland die Filme zum ersten Mal allein tragen. Die Zukunft von Spider-Man ist alles andere als sicher.

Was sagt ihr zum Konflikt zwischen Sony und Disney über Spider-Man?

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