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Aufreger der Woche

Keine Sterne für Stars auf dem Walk of Fame

04.02.2012 - 07:00 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Nicht jeder Star hat einen Stern
© CBS/moviepilot
Nicht jeder Star hat einen Stern
Es ist schon toll, was hinter einer kleinen Nachricht alles stecken kann. Zum Beispiel ein richtig schöner Grund sich aufzuregen. Die Verleihung eines Sterns auf dem „Hollywood Walk of Fame“ bietet bei genauer Betrachtung ordentlich Angriffsfläche.

Tagtäglich trampeln Tausende Menschen auf populären Persönlichkeiten herum. Genauer gesagt schlurfen die Touristen auf dem weltbekannten „Hollywood Walk of Fame“ über Sterne, auf denen die Namen der Promis stehen. Vor kurzem hat Marg Helgenberger dort auch ein solches Ehrensymbol bekommen – im Gegensatz zu zahlreichen bedeutenderen Schauspielgrößen, die noch immer Stars ohne Stern sind.

Die Gründe dafür und wie die Attraktion durch Marketingmissbrauch und Desinteresse langsam vor die Hunde geht, sind der Aufhänger für den Aufreger der Woche.

Ein unvollständiger Weg
Was hat sie sich gefreut, die mittlerweile von Botox ramponierte Marg Helgenberger: Seit ein paar Tagen ist unter der Adresse 6667 Hollywood Blvd. ein prächtiger Stern mit dem Namen des Stars aus CSI: Den Tätern auf der Spur zu finden. Durch ihr langjähriges Mitwirken in der erfolgreichen Krimiserie hat sie es sich in der Kategorie Fernsehen auch bestimmt verdient. Ohne CSI: Den Tätern auf der Spur wäre ihr Name wohl auch kaum auf dem prestigeträchtigen Boulevard gelandet, denn Werke wie Species, Mord auf hoher See oder Fire Down Below prädestinieren einen nicht für eine Ehrerweisung in der Filmkategorie. Die ist vor allem richtigen Stars wie George Clooney, Al Pacino, Robert De Niro, Francis Ford Coppola oder Leonardo DiCaprio vorbehalten… nur ist von denen nicht einer auf dem „Walk of Fame“ mit einem Stern vertreten! Und etliche andere Stars fehlen ebenso. Wie kann es sein, dass diejenigen, die die Filmlandschaft in den letzten Jahren nachhaltig geprägt haben, keinen Stern bekommen? Bei allem Respekt: Mark Wahlberg hat einen, Renée Zellweger auch, sogar David Spade ist zu finden – aber kein Woody Allen, keine Kathryn Bigelow, kein Mel Gibson?

Kauf der Sterne
Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Es fängt beim Prozedere an: Ein Star muss nominiert werden. Ob Fans, Studios oder Manager das machen, ist egal. Voraussetzungen, damit diese Nominierung angenommen wird, sind 1) berufliche Errungenschuften in der jeweiligen Kategorie (Sterne werden in den Bereichen Film, Fernsehen, Theater, Musik und Radio verliehen), 2) mindestens fünfjährige beständige Präsenz im Showgeschäft, und 3) gemeinnützige Beiträge. Dazu muss noch ein Lebenslauf, ein Foto sowie ein positives Gutachten eingesendet werden. Aber am Wichtigsten ist die Bewerbungsgebühr von schlappen 25.000 Dollar. Wenn ein Star die nicht selbst entrichtet oder aber einen lieben Onkel mit offener Brieftasche hat, dann wird das nichts. Die Praxis, sich einen Stern praktisch kaufen zu können, führte in den letzten Jahren dazu, dass vor allem große Studios die Zeremonie als Marketingkampagne ausnutzten, um für Filme oder Serien, in denen der Geehrte mitwirkt, Werbung zu machen. Und da die zu erfüllenden Voraussetzungen reichlich dehnbar sind, kamen vermehrt zweifelhafte Nominierungen zustande.

Stars statt Sternchen
Scheinbar haben einige auch schlicht keine Lust, sich anzubiedern. Warum sollte Robert Redford bei der zuständigen Handelskammer von Hollywood anklopfen? Auch Clint Eastwood hat das nicht nötig, ebenso wenig Julia Roberts. Deren Namen glänzen auch ohne Stern, da sind weitere Investitionen gar nicht nötig. Dass der „Walk of Fame“ durch eine solche Entwicklung zusehends an Faszination verliert und immer mehr zur Werbeplattform für Sternchen verkommt, ist allerdings traurig. Wer den Weg abschreitet, der freut sich doch besonders, wenn er die Sterne der echten Größen wie Jack Nicholson, Audrey Hepburn oder Johnny Depp entdeckt.

Ohne Kohle funktioniert in Hollywood bekanntlich ja nichts. In diesem Fall ist das sogar verständlich, denn die Sterne müssen ja auch gepflegt werden. Aber vielleicht sollten die Mega-Stars wirklich wieder etwas mehr hofiert und ihnen die Bewerbungssumme erlassen werden. Eine richtige Attraktion ist der „Walk of Fame“ doch nur, wenn die richtig bedeutenden Filmschaffenden vertreten sind. Auf diejenigen, die einen Stern aus Werbezwecken nötig haben, kann der Großteil der Besucher eh verzichten.

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