Mein Herz für Klassiker

Ich, die blaue Dahlie und der Film noir

25.08.2015 - 08:50 UhrVor 6 Jahren aktualisiert
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The Blue Dahlia - nightview scene
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Alan Ladd und William BendixAbspielen
© Koch Media
Alan Ladd und William Bendix
Die blaue Dahlie ist ein düsterer Krimi aus den 40er Jahren, der wegweisend für das Film noir-Zeitalter war. Besonders die hochspannende Geschichte, die gestochen scharfen Dialoge und die Beimischung von Tabuthemen tragen zur unvergesslichen Atmosphäre bei.

Die blaue Dahlie gilt als einer der berühmtesten Ableger des Film noir und setzte im Jahr 1946 Maßstäbe. Er thematisierte Tabus wie den Alkoholismus und die Traumata von Kriegsveteranen und besticht gleichzeitig durch einen sehr wendungsreichen Plot, der mich bei der ersten Sichtung mehr als vom Hocker riss. Dem Drehbuchautor Raymond Chandler gelang eine herausragende Arbeit, noch bevor er für Alfred Hitchcock das Drehbuch zum Roman Der Fremde im Zug von Patricia Highsmith schrieb.

Warum ich der blauen Dahlie mein Herz schenke:

Da ich es insgesamt sehr interessant finde alte Filme anzusehen, stieß ich vor einem Jahr unweigerlich auf den Klassiker Die blaue Dahlie von George Marshall. Solche ausgewählten Klassiker sind oft nicht ganz einfach zu bekommen und so kam es mir ganz recht, als er schließlich im Spätabend-Programm im TV lief. Bereits die ersten Klänge und Aufnahmen in schwarz-weiß ließen mein Nostalgie-Herz höher schlagen und als zu Beginn der Kriegsveteran Johnny Morrison (gespielt von Alan Ladd) nach seiner langen Abwesenheit wieder auf seine Ehefrau trifft, zog mich der Film endgültig in seinen Bann. Im Laufe des Gesprächs entpuppt sich bereits der wahre Charakter des Films, denn diese Geschichte ist anders. Es wird weder Rücksicht auf Gewohnheiten des Kinos noch auf die Zuschauer genommen. Die blaue Dahlie traut sich etwas.

Doris Dowling als Ehefrau Helen Morrison

Die Themen, die Raymond Chandler in diesen Film packt, sind Tabus, die es zur damaligen Zeit oft noch zu brechen galt. Von dem durch Alkoholismus verursachten Tod eines Kindes bis hin zur Einschränkung der geistigen Gesundheit wegen der unsagbaren Gräuel des Krieges verschließt der Film und so auch ich als Zuschauer vor nichts die Augen. Doch nicht nur der Skandalfaktor hob Die blaue Dahlie in meinen Filmehimmel, denn auch die Kulissen der amerikanischen 40er Jahre ist großartig. Die großen Straßen, die Nachtclubs, die Hotels, die großen Gartenanlagen und insgesamt das warme und zugleich kalte Großstadtleben der Schönen und Reichen, das durch einen Mord aus den Fugen gerissen wird, werden für mich immer den Film noir definieren.

Warum auch anderer die blaue Dahlie lieben werden:

Veronica Lake als Joyce Harwood

Der Bezug zur Realität ist trotz der Fiktionalität nicht völlig verloren, wenn auch unfreiwillig und äußerst grausam. Nachdem der Film 1946 in die amerikanischen Kinos kam, geschah im Jahr darauf der brutale Mord an Elizabeth Short. Sie wurde zerstückelt aufgefunden und in perfider Anlehnung an den Mord im Film Die blaue Dahlie wurde ihr Fall mit dem Namen 'The Black Dahlia' belegt. Nicht nur für mich dürfte es interessant sein, sich mit Filmen zu beschäftigen, die Einfluss auf die Realität nahmen und nicht nur deshalb noch heute von Bedeutung sind. Der Mörder im Black Dahlia-Fall konnte nie ermittelt werden und sogar der Meisterregisseur Brian De Palma beschäftigte sich in Black Dahlia ausgiebig mit diesem Thema. Die allgemein herrschende morbide Faszination für berühmte Todesfälle lassen für mich oft eine nähere Beschäftigung mit dem Thema zu und so ist es auch mit der blauen Dahlie. Er fängt die Atmosphäre der damaligen Zeit so gut ein wie kein anderer Film und wir können uns so ausmalen, wie es damals um den Fall Elizabeth Short stand. Thematisch gibt es zwar nicht sehr viele Parallelen, doch der Film wird trotzdem umso interessanter und jeder, der sich für Kultur und Sitten des damaligen Amerikas im Allgemeinen interessiert, sollte sich Die blaue Dahlie unbedingt ansehen.

Warum die blaue Dahlie die Jahrzehnte überdauern wird:

Die blaue Dahlie hat schon einige Jahrzehnte überdauert und wird es noch weiter tun, denn auch die Schauspieler waren damals Größen und sind heute Leinwand-Legenden. Das Traumpaar Alan Ladd und Veronica Lake wird immer schön anzusehen sein und besonders die Leistung von William Bendix ist zu loben. Koch Media listet den Film auf Nummer eins seiner Film noir-Reihe und das spiegelt auch meine Meinung wieder. Ein herrliches Stück Krimigeschichte im Schwarz-Weiß-Look, das bei mir immer gute Erinnerungen hervorrufen wird und mich trotz seiner Spannung irgendwie entspannen kann. Ich lege Die blaue Dahlie jedem Filmliebhaber ans Herz, denn er wird eure kommenden Jahrzehnte bereichern!

Habt ihr Die blaue Dahlie schon gesehen? Wie gefällt er euch und was haltet ihr vom Film noir der 40er und 50er Jahre?

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