Game of Thrones: Jons bittersüßes Ende erinnert an Frodo aus Herr der Ringe

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RobertMuldoon Dennis Meischen
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Volontär bei moviepilot. Berichtet am liebsten über Gangsterstreifen und Werke, in denen sich Literatur und Filmkunst vereinen. Weiß, wo Leute hinkommen, die guten Scotch verschwenden.

Diesmal haben mich die Macher der erfolgreichen Fantasyserie Game of Thrones wirklich positiv überrascht. Nachdem die vorherigen Episoden der 8. und letzten Staffel einen - erzähltechnisch ziemlich simplen - Kampf um den Eisernen Thron zwischen dem guten Jon (Kit Harington) und der bösen Daenerys (Emilia Clarke) heraufbeschworen haben, kam es schlussendlich nicht zur angedeuteten Krönung Jons zum Herrn der Sieben Königslande.

Die drei wichtigsten Punkte zu Jons Ende

  • Jons primäre Geschichte und sein primärer Konflikt finden im Norden statt, nicht in Königsmund oder auf dem Eisernen Thron.
  • Das schmerzende Opfer ist ein zentraler Aspekt für Heldentum in der Welt von Westeros.
  • Nur hinter der Mauer kann Jon seine wahre Identität annehmen.

Gute Entscheidung für Game of Thrones

Das ist meiner Meinung nach eine sehr gute Entscheidung für Game of Thrones, die den Thematiken und Stärken der Romanvorlage von George R.R. Martin mehr als gerecht wird. Statt der Königskrönung opfert Jon Schnee durch einen Tyrannenmord seine Freiheit und seine Ansprüche, um zur Mauer und zu den mittlerweile verbündeten Wildlingen dahinter zurückzukehren.

Diese Entscheidung tut uns weh und kommt uns ungerecht vor. Gleichzeitig hat sie jedoch auch etwas Versöhnliches, Friedliches und Hoffnungsvolles. Vor allem entspricht diese Lösung vier zentralen Thematiken und Elementen des Lieds von Eis und Feuer: der Thematik des Opfers, des Kampfes des menschlichen Herzens mit sich selbst, der Identität und den bittersüßen Enden, die der Autor für seine Serie versprochen hat.

Bittersüßes Ende für Game of Thrones

George R.R. Martin fühlte sich stets mit dem tragischen Ende von Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs verbunden: Frodo ist - obwohl er Mittelerde von dem Bösen befreit hat - durch seine Mission gezeichnet und findet keinen Platz mehr im Leben des Auenlandes. Während er Mittelerde verlässt, bleibt sein bester Freund Sam zurück, dem im Gegensatz zu ihm eine hoffnungsvolle und erfüllte Zukunft bevorsteht.

Und genauso bittersüß fühlt sich auch dieser Show-Abschluss für Jon Schnee an. Auf der einen Seite wird er ans Ende der Welt verbannt und wird viele der Figuren, die ihm ans Herz gewachsen sind, niemals wieder sehen. Auf der anderen Seite kehrt er hoffnungsvoll mit seinem Freund Tormund und den Wildlingen, die er schätzen gelernt hat, in das Land jenseits der Mauer zurück - begleitet von einem Grashalm, der auf den Frühling deutet.

Wahrlich, A Dream of Spring.

Jon opfert sich und seine Liebe

Jon Schnee wird tragischerweise für eine gute Tat verdammt, so wie einst Jaime (Nikolaj Coster-Waldau), als er Königsmund vor dem Irren König rettete. Das Opfer ist zentral in der Welt von Game of Thrones. Nur durch das ehrliche Opfer, das auch wehtut, kann (vor allem in der magischen Sphäre) in dieser Geschichte Großes erreicht werden.

Deswegen Brans "Sturz", Daenerys Opferung von Ehemann und Kind und nicht zuletzt Melisandres Forderungen gegenüber Stannis. Die ganze Legende von Azor Ahai baut auf dieser Thematik auf. Jon Schnee ist durch sein Ende wahrlich zum Prinz, der verheißen wurde, geworden, als er seine große Liebe Daenerys für das Schicksal von Westeros und seine eigene Krone opferte. Seine Gefühle nach dem Mord beweisen dies deutlich.

Jons Kampf mit sich selbst

Damit hat Jon auch seine Ansprüche auf den Eisernen Thron verwirkt, obwohl er der Erbe von Rhaegar Targaryen ist. Seine Krönung wäre für die verschiedenen Seiten zum Politikum geworden und hätte keinen Frieden gebracht. Jons Schicksal und sein Kampf mit sich selbst, mit seiner Identität, ziehen sich dabei bereits durch die gesamte Serie, weswegen das Ende auch so passend ist.

Begonnen hat alles mit seiner Verbitterung, ein Bastard zu sein und kein ehelich geborener Sohn von Eddard Stark. Bei der Nachtwache versuchte sich Jon folglich, eine neue Identität abseits von seiner Familie aufzubauen, geriet jedoch immer wieder in einen Zwiespalt zwischen seiner Pflicht an der Mauer und seiner Pflicht gegenüber den Starks, die im Süden bedrängt wurden.

Jon und die Pflicht

Kaum hatte er sich mit seiner Rolle bei der Nachtwache arrangiert, kam eine neue Versuchung: Ygritte und das süße, freie Leben bei den Wildlingen. Erneut entschied sich Jon schweren Herzens für die Pflicht und gegen seine Liebe, was schon damals ihren Tod zur Folge hatte. Jon entschied sich darauf wieder für die Nachtwache und nicht für Stannis' Angebot, zum Herrn von Winterfell ernannt zu werden. Und zum Dank dafür hat Jon einige Messer in die Rippen bekommen.

Als (warum auch immer) Wiedergeborener sah Jon seine Pflicht im Süden, um von dort aus die Menschen gegen die Weißen Wanderer zu sammeln und verließ die Mauer. Er wurde nicht aus eigenem Handeln heraus König des Nordens, entschied sich aber (hier gibt es ein Muster!) für seine Pflicht für die Menschheit und unterstellte sich und sein Königreich Daenerys für den Kampf gegen die Weißen Wanderer.

Und nun hat Jon zum Abschluss wieder seine Pflicht getan, die Reiche der Menschen geschützt, seine Liebe Daenerys getötet und dadurch auf seine Identität als Rhaegar Targaryens Sohn verzichtet. Jon hat es verdient, endlich die Identität anzunehmen, von der ihn seine Pflicht immer ferngehalten hat.

Rückkehr zu den Wildlingen

Jons Rückkehr an die Mauer ist dabei thematisch keine charakterliche Rückentwicklung wie etwa Jaimes Beziehung zu Cersei. Jon kehrt zu einer ganz anderen Nachtwache als noch in Staffel 1 zurück, die er durch seine Politik erst möglich gemacht hat. Er unterdrückt seine Wildlingsseite nicht mehr, wie er es noch in der 2. und 3. Staffel tat, sondern er lebt sie voll aus. Jon akzeptiert endlich seine wahre Identität.

Vergessen wir nicht, dass sie Starks Wildlingsblut in sich tragen. Jons Geschichte war in all den Staffeln immer schon die Geschichte der Mauer, des wilden Nordens und die von Winterfell, nicht jene vom Eisernen Thron. Seine heldenhafte Tat besteht nicht darin, der nächste König von Westeros zu sein, sondern liegt darin, ein friedliches Zusammenleben im ganzen Norden erreicht zu haben. Ein gelungener Abschluss.

Was haltet ihr von Jons Ende in Game of Thrones?

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