Furchtlos: Toy Story 4 schreckt vor großen Menschheitsfragen nicht zurück

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Toy Story 4, ein neues Pixar-Meisterwerk
18.08.2019 - 08:10 UhrVor 11 Monaten aktualisiert
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Toy Story 4 läuft im Kino und hat mich mit seiner leichtfüßigen Tiefsinnigkeit zum Lachen, Weinen und Staunen gebracht. Genau so sollte ein Kinderfilm sein.

Pixar hat es schon wieder geschafft: Ich gehe mir im Kino einen Kinderfilm ansehen und bekomme grandiose Unterhaltung geboten, die zugleich zutiefst menschliche Fragen auf leichtfüßige Weise verhandelt. A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando kann das, einfach so.

Toy Story 4 sollte ein Vorbild für andere Animationsfilme sein, denn:

  • Pixar scheut nicht vor den großen Fragen der Menschheit zurück.
  • Statt den Nachwuchs zu unterschätzen, werden komplizierte menschliche Überlegungen von Toy Story 4 für Kinder verständlich gemacht.
  • Auf diese Weise erreicht der Film eine erzählerische und emotionale Tiefe, die wenige andere Familienfilme so bieten.

Pixar stellt in Toy Story 4 die menschlichste aller Fragen

Toy Story 4

Welches der beste Pixar-Film ist, muss jeder Filmliebhaber für sich selbst entscheiden. Doch die Animationsfilmschmiede schafft es immer wieder, den entscheidenden Schritt weiterzugehen als viele andere bunte Kinderfilme. Das geschieht zum Beispiel, indem Pixar in Alles steht Kopf das Gefühlsleben junger Menschen ins Auge fasst oder indem Coco nicht zurückschreckt vor sonst in Kinderfilmen häufig ausgeklammerten Themen wie Tod und Sterben.

In Toy Story 4, der nach seiner bewegten Produktionsgeschichte nun endlich ins Kino kommt, schneidet Pixar mit lebendigen Spielzeugen auf subtile, aber keineswegs verschleierte Weise menschliche Existenzfragen an: Trefft Forky, einen Göffel (also eine Plastik-Gabel-Löffel-Kombination), der eigentlich nur "Müll" ist. Das Kind Bonnie macht ihn mit angeklebten Augen, Armen und Beinen zum Spielzeug - und Forky erwacht zum Leben.

Forky in Toy Story 4

Nach drei Filmen stellt die Toy Story-Reihe auf Filmebene die Frage, wie es sein kann, dass Spielzeuge leben - und ab wann ein Spielzeug der Logik nach ein Spielzeug ist. Doch es braucht keine große Denkleistung, um dieses Dilemma auf eine der größten Menschheitsfragen zu übertragen: Warum leben wir und sind uns unserer selbst bewusst? Oder noch weitergedacht: Welchen Sinn hat unsere Existenz?

Toy Story zeigt, was am Leben wirklich wichtig ist

Nach dem runden Ende von Toy Story 3 zerstört das neuerliche Sequel zum Glück nichts aus den geliebten Vorgängerfilmen. Doch auch wenn es bislang der höchste Zweck von Spielzeugen war, dass Kinder mit ihnen spielten, ist das nun längst nicht mehr alles (Spoiler-Anfang):

Der Andy-fixierte Woody darf sich am Ende von Toy Story 4 von seiner neuen Besitzerin lossagen und erneut auf Sinnsuche begeben - wobei die Antwort auf die Sinnfrage weniger zählt als die Gemeinschaft anderer, die diesen Weg mit ihm gehen. (Bunny und Ducky können dafür ihre zusammengenähten Pfoten ins Feuer legen.)

Toy Story 4

Am Schluss, während einer der Abspannszenen von Toy Story 4, stellt das nächste selbstgemachte Spielzeug die Frage "Warum lebe ich?" - und bringt die Botschaft des Films damit auf denkbar einfache Weise auf den Punkt. (Spoiler-Ende)

Auch da gibt es darauf noch immer keine Antwort - doch das ist in Ordnung. Das einzig Menschliche, was wir tun können, ist, uns nicht allein solchen schwerwiegenden Fragen zu stellen. Egal, ob wir nun Kinder, Erwachsene oder Spielzeuge sind.

Toy Story 4 lehrt Jung und Alt wichtige Lektionen

Neben dieser Existenzfrage schneidet Toy Story 4 außerdem weitere Themen an, die ganz nebenbei behandelt und Kindern nahegebracht werden. Diese Botschaften hätten spielerisch leicht eigene Filmen füllen können, unterstreichen so aber nur einmal mehr das bewundernswerte Niveau von Pixar-Filmen.

Toy Story 4

In aller Kürze findet ihr hier einige Erkenntnisse für alle Altersstufen, die Toy Story 4 (und das Leben im Allgemeinen) bereithält (Achtung, Spoiler):

  • Wahre Bösewichte gibt es im Leben nur selten. Wer versucht, die Motivation von wahrgenommenen Gegnern wie Babypuppe Gabby Gabby zu verstehen, kann mit Kompromisslösungen (wie dem Tausch von Forky gegen Woodys Sprachbox) einen friedlichen Ausgang herbeiführen.
  • Für Spielzeuge und Menschen ist es gleichermaßen wichtig, gebraucht zu werden. Persönliches Glück besteht nicht zuletzt darin, eine Aufgabe und damit eine erfüllte Existenz zu haben. Woody durchlebt das am eigenen Leib. Der zuvor an seinem eigenen Werbe-Image gescheiterte Duke Caboom ebenso.
  • Wenn das Leben dich in eine angestaubte Ecke stellt, dann musst du wie Schäferin Boo Peep dein Schicksal selbst in die Hand nehmen und aus dem Alltagstrott (bzw. Antiquariat) ausbrechen.
  • Veränderungen im Leben lassen sich nicht vermeiden. Den Wandel zu akzeptieren, kann schwer sein. Doch am Vergangenen festzuhalten (für Woody: Besitzer Andy), ohne sich selbst weiterzuentwickeln, bringt auf Dauer keine Zufriedenheit.
  • Daraus ergibt sich: Manchmal sind Abschiede notwendig. Woodys und Buzz Lightyears Freundschaft kann auch auf Distanz bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter fortbestehen. Doch sie sind an unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben angekommen und müssen ihr eigenes Glück mit einem Neuanfang auf getrennten Wegen verfolgen. (Spoiler-Ende)
Toy Story 4

Manche der Lebenslektionen, die Toy Story 4 bereithält, mögen schwer zu verdauen sein. Doch die gut gelaunte Art und Weise, wie sie - immer wieder aufgelockert von Witzen - vorgetragen werden, nimmt diesen Botschaften mit Humor nicht ihre Kraft, wohl aber ihre Schwere.

Selbst wenn dann doch einmal ein Tränchen im Kinosaal die Wange herunterrollt, wissen wir spätestens seit Alles steht Kopf: Es ist in Ordnung, auch mal traurig zu sein. Danke, Pixar-Studios, dass ihr uns und unseren Kindern immer noch das Leben erklärt und leichter macht.

Was hat A Toy Story: Alles hört auf kein Kommando euch gelehrt?

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