Kapitalismuskritik, Delfinblut und Co.

Filme sind schlechte Weltverbesserer

13.11.2009 - 15:10 Uhr
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© montage by moviepilot
Michael Moore präsentiert sich mal wieder als Kämpfer fürs Volk; in Die Bucht bluten Delfine medienwirksam von der Leinwand; Al Gore macht Warnen zum Sport. Stoische Gemüter fragen: Bringt das was?

“Was hoffen Sie, nimmt das Publikum aus Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte mit?” wurde Michael Moore anlässlich des Kinostarts seines neuen Dokumentarfilms gefragt. Seine knappe Antwort lautete: “Popcorn und Mistgabeln”. Dieses Statement bringt ein Dilemma vieler Filmemacher auf den Punkt, denn einerseits wollen sie Missstände anprangern und die Durchschnittsbürger zum Handeln animieren. Andererseits will das Publikum natürlich auch unterhalten werden. Wir liefern Euch an dieser Stelle einen kleinen, nicht um Vollständigkeit bemühten Aus- und Rückblick darauf, wie Regisseure ihr weltverbesserndes Anliegen ans Publikum verkaufen.

Agitation: Filme, die anstacheln sollen
Der Film ist vorbei, leere Popcorntüten verschmutzen den Teppichboden, die Lichter gehen an – und die Zuschauer ballen die Fäuste. Am liebsten würden sie aus dem Saal stürmen, sich einen Reisebus mieten, die Mistgabeln einpacken und irgendwo jemanden an der Laterne aufhängen. Doch die Wut verraucht schnell wieder, denn am nächsten Morgen ist auch noch ein Tag. Zur Zeit handelt es sich bei Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte von Michael Moore um einen Kandidaten für das Prädikat “Große Klappe, nichts dahinter”. Denn diverse Filmkritiker attestiertem dem Dokumentarfilm über böse Raubtierkapitalisten einen dumpfen Agitationswillen ohne Substanz. Kapitalismus: 1 – Michael Moore: 0.

Autosuggestion: Filme, die sich selbst nicht glauben
Drei junge Menschen bekämpfen das System, dazu entführen sie einen Großverdiener in die Alpen. Bald stellt sich heraus: So doof ist der Mann mit der S-Klasse gar nicht – im Gegenteil, er hat sogar sein Kreuz früher auf dem Wahlzettel ganz links gemacht. Am Ende kann nur ein holpriges Drehbuch-Manöver die Verhältnisse gerade rücken, und der Entführte verrät seine drei neuen jungen Freunde an die Polizei. Dem Zuschauer bleibt die traurige Gewissheit: Die fetten Jahre sind vorbei vertraut seiner eigenen politischen Agenda nicht.

Aula-Projektion: Filme, die auch gerne mal in der Schule gezeigt werden

“Wir sehen uns heute im Klassenverband einen Film an.”
“Jippie!”
“Es geht um böse Nazis.”
“Och, schon wieder?”

Szenen wie diese dürfte jeder Schüler einer deutschen Bildungsanstalt schon mal erlebt haben. Meistens fiel die Wahl auf Filme wie Schindlers Liste und Sophie Scholl – Die letzten Tage. Nur einmal hatte ich Glück: Wir durften vor den Ferien Starship Troopers sehen. Mein Lehrer verließ nach 5 Minuten kopfschüttelnd den Klassenraum. Er hat wohl nicht bemerkt, dass es in der Käfer-Jagd von Paul Verhoeven um nichts anderes als böse Nazis geht.

Depression: Filme, nach denen wir uns irgendwie schlecht fühlen
Jeder kennt sie, fast keiner mag sie: Filme des Irgendwie. Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte gehört zu dieser Gattung. Während des Sehens fühlen sich die Zuschauer irgendwie schlecht, sie finden irgendwie nicht gut, was da passiert, sie sind danach irgendwie deprimiert, aber wissen nicht, was sie dagegen machen können. Irgendwie doof.

Aufmerksamkeitsreproduktion: Filme mit globalen Warnsportlern
Al Gore leidet am Live Aid-Syndrom: Was Bob Geldof für die Hungerhilfe in Afrika war, ist der langweiligste Vizepräsident aller Zeiten seit Eine unbequeme Wahrheit für die Klimaerwärmung. Wenigstens wurde Al Gores tapferer Einsatz mit einem Osca… äh … Friedensnobelpreis honoriert. Chapeau!

Inversion: Die Anti-Antis
Trey Parker und Matt Stone sind die Vorzeige Anti-Antis, denn sie haben Southpark erfunden und torpedieren seit nunmehr 13 Staffeln alle scheinheiligen Weltverbesserungs-Versuche, die ihnen unter die Finger kommen. Kostproben gefällig? Hier sind ein paar Links zu kompletten Episoden von Southpark – und da die Macher der Serie mit der Zeit gehen legal und kostenlos:
Tierschützer sind auch nur Mediennutten
Al Gore und das Mannbärschwein
Bono ist ein Haufen Scheiße

Zukunftsvision: Filme, in denen sowieso schon alles zu spät ist
In den Mad Max-Filmen ist der Sprit alle, trotzdem denkt jeder nur ans Autofahren. In Planet der Affen will die Menschheit die Absonderlichkeiten des Universums erforschen, dabei hätte sie dazu einfach zu Hause bleiben können. In Children of Men gehen die Kinder aus, dennoch müssen sich junge Mütter vor Gott und der Welt fürchten. Am Ende ist nur noch Zeit für Endzeit, denn es ist doch sowieso schon alles zu spät.

Was bleibt unterm Strich übrig? Veränderung ist nicht messbar, aber sie geschieht. Daran haben nicht zuletzt auch Filme ihren Anteil. Doch niemand weiß, welche Werke tatsächlich einen positiven Einfluss auf die Entwicklung des Menschen haben. Was denkt Ihr? Hat Euch jemals ein Film zum Besseren bekehrt? Oder sympathisiert ihr mit den Anti-Antis?

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