Fear The Walking Dead: Ein winziger Lichtblick nach den Totalausfällen

11.09.2018 - 09:05 UhrVor 5 Jahren aktualisiert
Fear The Walking DeadAMC
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Während Morgan mit seinen neuen Freunden in der 13. Folge der 4. Staffel von Fear The Walking Dead weiterhin nach seinen alten Weggefährten sucht, kämpfen diese mit einem Alligator um ihr Überleben oder versuchen alten Männern das Sterben zu erleichtern. Es war ganz okay.

Es ist Halbzeit und die Messlatte liegt ziemlich niedrig. Nach vier Episoden haben die Autoren von Fear the Walking Dead immer noch keinen roten Faden für die zweite Staffelhälfte parat. Dazu passt auch der Titel dieser 13. Folge der 4. Staffel: Blackjack. Das Kartenspiel ist ein pures Glücksspiel und ob die siegreiche 21 erreicht wird, ist - sofern es sich nicht um Mathegenies handelt - schwer abzuschätzen. Entweder man schießt weit übers Ziel hinaus oder es fehlen Karten. In der Serie fehlt jedoch weiterhin so ziemlich alles. Trotzdem kann die Folge, auch weil sie jede Figur mit einbindet und unterschiedliche Handlungsstränge updatet oder vereint, mehr überzeugen als die vorangegangen Episoden. Das ist nach den Totalausfällen in letzter Zeit aber auch nicht viel wert.

Zombiefressende Alligatoren in Fear The Walking Dead

Endlich sehen wir John (Garret Dillahunt) und Strand (Colman Domingo) wieder! Das ungleiche Duo hat es auf eine Insel verschlagen, die vor dem Sturm keine Insel war. Dort sitzen sie nun fest. Ihre Unterkunft ist von Wasser umgeben, da in der Nähe anscheinend ein Damm gebrochen ist. Die zusammenbrechende Infrastruktur ist ein interessantes Thema, das diese Staffelhälfte von Fear The Walking Dead bisher durchzieht und durchaus realistisch abbildet. So gesehen entsteht ein spannendes Szenario, denn die beiden müssen irgendwie zurück auf die andere Seite. Das alleine wäre schon angesichts der Walker-Problematik schwierig genug, hinzu kommt jedoch noch ein Alligator. Das Tier verlässt nie die Stelle, frisst gefühlt dutzende Walker am Tag und verschlingt alles, was das Wasser berührt - nur kommt es eben nie an Land. Die Animation würde wohl das Budget sprengen.

Fear The Walking Dead

Es ist wieder bedauerlich, dass ein so simpler Ansatz durch ein übernatürlich anmutendes, protziges Merkmal ruiniert wird. Das Zusammenspiel der Männer und das Hindernis wären groß genug, um eine dramaturgisch zufriedenstellende Folge zu schreiben. Der Alligator wirkt daher wie ein Fremdkörper, den die Serie nicht nötig hat und der ihr schadet. Insgesamt wirkt die Insel jedoch weniger wie ein echtes Hindernis, auch wenn ein klarer Ausweg bisher nicht klar ist, sondern vielmehr als ein Hochofen für die beginnende Bromance von Dorie und Strand. Aktuell könnten die beiden Figuren nicht unterschiedlicher sein, doch die notwendige Zusammenarbeit wird sicher einige Kanten glätten. Garrett Dillahunt ist weiterhin sehr bemüht, seinem verliebten, tugendhaften Cowboy Gewicht zu verleihen, während Colman Domingo nach seinem Regiedebüt wieder sichtlich Spaß am Schauspiel hat. Wenn seine großen Sprüche auf Dorie aufprallen, weiß man, was der Serie in den letzten Folgen fehlte.

Realismus oder Rasanz? Fear The Walking Dead will sich nicht entscheiden

Seit Beginn der Spin-offs steckte ein gewisser Realismus in der Serie. The Walking Dead beginnt mit Ricks Erwachen aus dem Koma und wie er passt der Zuschauer sich schnell an die Zombieapokalypse an. Fear The Walking Dead hingegen wollte sich den Details des Untergangs widmen. Zunächst erste Fälle in den Krankenhäusern, später Staus auf den Autobahnen, dann schließen die Schulen und schon bald wandern die ersten Walker in den Gärten der Vorstädte. Da passen auch die kleinen Momente ins Bild, wie zum Beispiel als Luciana (Danay García) in dieser Folge auf einen Mann trifft, der nach einem Unfall in seinem Auto eingeklemmt ist. Ihre Suche nach dem letzten Bier für den sterbenden Mann ist vorhersehbar, doch die Motivationen verständlich und nachvollziehbar. Stephen Henderson verleiht seiner Rolle zusätzlich eine für die Serie ungewohnte Würde sowie eine Ruhe, die begeistert und selten für Fear The Walking Dead geworden ist. Hier wird sehr deutlich, dass die Autoren uns diese Figuren als tatsächliche Menschen begreifen lassen wollen. Die The Walking Dead-Autoren geben superheldenähnlichen Charakteren mit Plot-Armor wie Daryl oder Michonne natürlich auch Tiefe, doch Fear The Walking Dead widmet sich zunächst nur dem täglichen Überlebenskampf. Bis die Rationen wieder ausgehen und die Suche von Neuem beginnt und sich somit eine menschliche Postapokalypse mit echten Emotionen herausbildet.

Fear The Walking Dead

Gleichzeitig driftet die Serie aber wieder in einen Konflikt der Hauptfiguren mit einer Frau ab, die die Zuschauer bisher nur als "Filthy Woman", also schmutzige Frau, kennen und die davon überzeugt ist, dass es falsch ist, Menschen zu helfen. Sie stiehlt Altheas SWAT-Truck, recherchiert Morgans Vergangenheit in den Aufzeichnungen im Rekordtempo und macht Jagd auf die bösen Figuren, die Schwäche zeigen. Zwischendurch tötet sie Menschen und malt sie dann als Zombies mit Sprüchen an. Wie passt das zusammen? Morgan darf im Jesus-Modus wieder bedeutungsschwangere Prognosen äußern, die auf eine friedliche Lösung mit der offensichtlich psychisch erkrankten Frau hoffen dürfen, doch bei der schmutzigen Frau stößt er auf taube Ohren. Sie findet ganz ähnlich wie all unsere Figuren in Texas Morgan auf der einzigen anscheinend noch existierenden Landstraße und eröffnet das Feuer auf den LKW der Überlebenden.

Ich möchte gar nicht so sehr auf die lächerliche Komik von Altheas übermächtigen Truck eingehen, jedes Wort wäre hier nach wie vor zu viel, und mir ist es auch relativ egal, wer von den neuen Figuren lebt oder stirbt. Der Cliffhanger bereitet mir zumindest keine Sorgen um Morgan oder Luciana. Vielmehr ist es völlig verrückt, wie sich alles auf dieser einen Straße in Texas abzuspielen scheint. Texas ist immens! Es ist nervig, wenn die Serie sich keine Mühe macht, ihr Setting vernünftig anzunehmen - ganz ähnlich wie The Walking Dead - oder die Autoren tonale Sprünge machen, die einfach nicht funktionieren wollen. Schlussendlich aber spielt es auch keine große Rolle. Seit dem Midseason-Finale ist die Show ohne Hauptcharakter orientierungslos und scheint sich erneut nur um das gegenseitige Finden der Freunde zu drehen. Das ist nicht neu, früher hatten The Walking Dead-Staffeln unter Scott M. Gimple nur die Scham, das Ganze nicht ohne einen übergeordneten Plot zu machen.

Was bisher ins der 4. Staffel von Fear the Walking Dead geschah:


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