Endlich: Mortal Engines holt das Herr der Ringe-Feeling zurück ins Kino

Mortal Engines hat Herr der Ringe im Blut
© Universal / Warner
Mortal Engines hat Herr der Ringe im Blut
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"I am what I am and I do what I can."

Mit Mortal Engines: Krieg der Städte rollt seit diesem Donnerstag nach der Herr der Ringe-Trilogie und den Hobbit-Filmen endlich wieder eine große Produktion aus Neuseeland über die deutschen Leinwände. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber für mich war das definitiv ein Anlass zur Freude. Es ging also ab ins Kino - 3D, IMAX, das volle Programm - und als ich den Saal nach über zwei Stunden wieder verließ, konnte ich tatsächlich behaupten, im Kinosessel einige Momente erlebt zu haben, die dieses schwer zu beschreibende Herr der Ringe-Gefühl wieder in mir wachgerufen hatten.

Herr der Ringe und Mortal Engines: Die Parallelen der Produktionen

Dass gerne der Vergleich zwischen Mortal Engines: Krieg der Städte und den Herr der Ringe- bzw. Hobbit-Filmen gezogen wird, dürfte inzwischen niemanden mehr verwundern. Zum einen ist der Schauplatz Neuseeland mit seinen atemberaubenden Landschaften inzwischen fast schon ein eigenes Cast-Mitglied, zum anderen wurde im Vorfeld auf Postern und in Trailern derart vehement mit dem Namen des Herr der Ringe-Regisseurs hausieren gegangen, dass bald alle glaubten, Peter Jackson hätte bei Mortal Engines Regie geführt. Dabei hatte der neuseeländische Filmemacher das Projekt zwar ursprünglich angestoßen, dann jedoch in die Hände seines langjährigen Mitarbeiters und Freundes Christian Rivers übergeben, wodurch dieser sein Solo-Regiedebüt bestreiten konnte.

Jedem Kenner des herrlich ausufernden DVD-Bonus-Materials auf den Herr der Ringe- und Hobbit-Special Extended Editions dürfte Christian Rivers Gesicht hinreichend bekannt vorkommen. Somit ist es ganz selbstverständlich, dass die lange Zusammenarbeit mit Peter Jackson ihre Spuren hinterließ, als Rivers nun seinen ersten eigenen Blockbuster drehte (Details folgen weiter unten). Auch bei der restlichen zurückkehrenden Film-Crew gibt es viele Überschneidungen, was nur logisch ist, wenn Filmschaffende sich den gleichen Freundes- und Kollegenkreis teilen: Das Drehbuch zu Mortal Engines stammt zum Beispiel aus der Feder des alteingesessenen Mittelerde-Trios Fran Walsh, Philippa Boyens und Peter Jackson. Für die Ausstattung zeichnete abermals Dan Hennah verantwortlich und auch die neuseeländische Effektschmiede Weta Digital wurde erneut ins Boot geholt. Vor der Kamera kehrte (nicht als alleiniger, aber als einziger wiedererkennbarer Darsteller) Hugo Weaving zurück - nun nicht mehr als Elrond, sondern als Bösewicht Valentine.

Dass auch Mortal Engines der erste Band einer Romanreihe ist, die als schwer verfilmbar galt, ist eine weitere nicht unbedeutende Parallele. (Auch wenn das Buch diesmal nicht von J.R.R. Tolkien sondern von Philip Reeve stammt.) Schließlich will heutzutage jeder ambitionierte Blockbuster schon das Potenzial einer Fortsetzung in sich tragen.

Mortal Engines teilt seine epische Erzählung und Detailliebe mit der Ring-Trilogie

Eigentlich gehören die Sci-Fi-Geschichte Mortal Engines und die Fantasy-Erzählungen aus Mittelerde verschiedenen Genres an. Doch es ist vor allem die Herangehensweise an das Kinogefühl, welche sich die neuseeländischen Filme teilen. Mortal Engines will ein Epos sein und das bekommt der Zuschauer zu spüren: Der Film scheut vor Bombast nicht zurück und das ist auch gut so.

Sei es nun die fast schon übertrieben im Bauchfell widerhallende Erzählerstimme am Anfang (Galadriel wäre stolz) oder der erste Flug über das gewaltige heranrollende London: Mortal Engines hat keine Angst vor Größe, wie schon der epischen Trailer und die ersten vielversprechenden Konzeptzeichnungen versprachen. Dieses erhabene Gefühl, etwas Gigantisches mitzuerleben, findet sich in den tief in die Landschaft eingegrabenen Spurrillen der Raubstädte ebenso wie in den Feuersbrünsten explodierender Luftsiedlungen - und ist im Kino trotz Superhelden-Effektschlachten für mich in letzter Zeit viel zu selten geworden. Hier bekommt der Kinogänger noch fantastische Schauwerte für sein Geld geboten, die fast mit der Ehrfurcht vor Moria mithalten können.

Neben den großen (digitalen und realen) Kulissen ist es darüber hinaus die Detailverliebtheit, mit der Mortal Engines punkten kann: Es gibt vieles zu entdecken, was sich in der Schnelle des Gefechts leicht übersehen lässt, beim genauen Hinsehen jedoch Staunen lässt. Sei das nun eine Brille mit unterschiedlich großen Gläsern oder eine ausschließlich aus Knöpfen gefertigte Jacke. Wenn Der Herr der Ringe seinen unverwechselbares Fantasy-Look in Ausstattung und Kostümen fand, dann gilt ein ähnlicher Ansatz für Mortal Engines, nur dass hier Skurriles und kaputte Technik die Gangart vorgeben.

Zuletzt sollten außerdem die thematischen Parallelen bestimmter Momente in den Erzählungen sowohl von Mortal Engines als auch dem Herrn der Ringe nicht außer Acht gelassen werden:

  • Im großen Rahmen ist das die Schlacht als Höhepunkt (Helms Klamm, vor den Toren von Mordor, am einsamen Berg im Hobbit und nun an der Mauer von Shan Guo).
  • Dazu gehört das schon in Mittelerde sehr markante Rüsten zum Kampf, also Szenen, in denen die Bewohner panisch durch schmale Gassen eilen, Jung und Alt mit Waffen ausgestattet werden und der nahende Feind bereits spürbar ist.
  • Auch mit Hesters und Toms Sturz in den Abgrund hätte Gollum seine Freude gehabt.
  • Gleiches gilt für die kleinen aber wichtigen Artefakte (Ring vs. Kettenanhänger), die maßgeblich die Handlung lenken.
  • Und fühlt sich noch jemand vom fahrenden London mit seinen "Piers" an Minas Tirith als eine Stadt mit vielen Ebenen erinnert?

Warum Mortal Engines gerne das neue Herr der Ringe wäre, es aber (noch) nicht ist

Nur weil ich zuweilen epische Gefühle beim Schauen von Mortal Engines hatte, muss abschließend allerdings gesagt werden, dass das den Krieg der Städte nicht automatisch zum neuen Der Herr der Ringe werden lässt. Denn trotz der beeindruckenden Schauwerte fehlt Mortal Engines das menschliche Herz, das Der Herr der Ringe noch im Übermaß besaß.

In Mittelerde konnte ich mich mit Hobbits, Elben, Zwerge und Menschen gleichermaßen identifizieren, in Mortal Engines hatte ich hingegen sogar schon bei den Hauptfiguren Schwierigkeiten, eine echte Charakter-Bindung aufzubauen - weder zum wehleidigen Tom (Robert Sheehan) noch zur abweisenden Hester (Hera Hilmar). Späte heldenhafte Taten und Rückblenden in eine dramatische Kindheit reichten da nicht aus, um den selben Sog der Figuren zu entwickeln, den der Herr der Ringe zusätzlich zu seiner epischen Erzählung so unvergleichlich heraufbeschwor. Aber falls Mortal Engines fortgesetzt wird, kann das ja in Sequels nachgeholt werden.

Hattet ihr beim Schauen von Mortal Engines dieselben Herr der Ringe-Gedächtnismomente?
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