Doctor Strange 2 steuert auf eine große Enttäuschung zu

Benedict Cumberbatch als Doctor Strange
© Disney
Benedict Cumberbatch als Doctor Strange
Moviepilot Team
MrDepad Patrick Reinbott
folgen
du folgst
entfolgen
Junior Redakteur bei Moviepilot. Kann mit dem DCEU so einiges anfangen, aber noch mehr mit David Lynch. Meist im Kino oder beim Essen anzutreffen.

Überraschend wurde gestern verkündet, dass Doctor Strange 2: In the Multiverse of Madness-Regisseur Scott Derrickson aus dem Marvel-Projekt ausgestiegen ist. Als offizielle Begründung gab er über Twitter selbst kreative Differenzen an, auch wenn er weiterhin als ausführender Produzent beteiligt ist.

Ganz so überraschend ist Derricksons Ausstieg mit einem genaueren Blick auf die jüngsten Entwicklungen rund um den MCU-Blockbuster aber dann doch nicht. Vielmehr ist der Rücktritt des Regisseurs ein weiterer bedenklicher Beweis dafür, dass wirklich risikofreudige Marvel-Projekte wohl auch in Zukunft weiterhin ein Wunschtraum bleiben werden.

Marvel-Chef Kevin Feige hat Doctor Strange 2 anscheinend die Zähne gezogen

Vor gut einem halben Jahr stieg die Spannung rund um Doctor Strange 2 plötzlich an. Auf der Comic-Con in San Diego kündigte Scott Derrickson das Sequel persönlich als den ersten gruseligen MCU-Film an. Aufgrund der Vergangenheit des Regisseurs erschien dieser Ansatz nicht abwegig. Vor Doctor Strange inszenierte Derrickson fast ausschließlich Horrorfilme, darunter Der Exorzismus von Emily Rose, Sinister und Deliver Us from Evil.

Vor einer Woche ruderte Marvel-Chef Kevin Feige aber schon merklich zurück, was die Einordnung von Doctor Strange 2 als Horrorfilm angeht. Seiner Aussage zufolge würde der Blockbuster ein großer MCU-Film mit gruseligen Sequenzen werden. Für ihn sollte der Film vor allem im Dienste eines berauschenden Gefühls beängstigend sein und weiterhin den Spaß an dieser Art von Angst in den Vordergrund rücken.

Womöglich musste das Drehbuch von Doctor Strange 2 auch Überarbeitungen unterzogen werden, seitdem angekündigt wurde, dass die kommenden Disney+-Serien WandaVision und Loki entscheidend für das Doctor Strange-Sequel sein sollen und gewissermaßen auf den Film hinführen werden.

Die konstante Vernetzung sämtlicher MCU-Produktionen, ob Filme oder Serien, könnte das Schicksal von Scott Derricksons Horror-Ansatz ebenso gut besiegelt haben. Feiges aktuelle Aussagen decken sich wiederum mit dem allgemeinen Konzept des Marvel Cinematic Universe, in dem seichte Familienfreundlichkeit und unkomplizierte Massentauglichkeit an oberster Stelle stehen.

Außerdem ist es nicht das erste Mal, dass das Studio risikofreudige Filmemacher mit eigenwilligen Vision verschreckt.

Auch Edgar Wright ist an den Grenzen des MCU abgeprallt

Einer der bekanntesten Konfliktfälle innerhalb des MCU betraf beispielsweise die Produktion von Ant-Man. Damals war Edgar Wright fest als Regisseur für den Blockbuster vorgesehen. Was als Herzensprojekt von Wright begann, der eigenwillige Filme wie die der Cornetto-Trilogie (Shaun of the Dead, Hot Fuzz, The World's End) geschaffen hat, endete in einem unübersichtlichen Chaos kreativer Differenzen.

Da das ursprüngliche Drehbuch von Wright und seinem Co-Autor Joe Cornish angeblich mehrfach verändert wurde, stieg der Regisseur schließlich aus dem Marvel-Projekt aus, wonach Peyton Reed übernahm. Auch wenn der finale Film durch vereinzelte Sequenzen besticht, in denen mit unterschiedlichen Größenverhältnissen experimentiert wird, ist Ant-Man weit von der markanten Stilwut eines Edgar Wright entfernt.

Scott Derrickson bleibt an Doctor Strange 2 beteiligt - was nicht viel wert ist

Dass Scott Derrickson nun zumindest weiterhin als ausführender Produzent an Doctor Strange 2 beteiligt ist, wirkt schon jetzt wie ein schwacher Kompromiss. In Hinblick auf den kommenden MCU-Blockbuster dürfte Derrickson am Ende kaum noch mit dem Projekt in Verbindung gebracht werden, was dem Regisseur selbst vielleicht auch ganz recht ist.

Wenn selbst Regisseure eine völlig untergeordnete Rolle in dem von strengen Franchise-Vorschriften geprägten Marvel-Filmuniversum einnehmen und ihren eigenen Stil anpassen (also aufgeben) müssen, sind ausführende Produzenten kaum mehr als ein schwaches Flackern im Hintergrund, gerade im Schatten von Kevin Feige.

Während Scott Derrickson immerhin den ersten Doctor Strange-Film noch mit genüsslich ausgekosteten LSD-Trip-Sequenzen versehen durfte, wird der kommende Doctor Strange 2 wohl doch wieder nur ein austauschbarer Marvel-Film statt Marvel-Horror.

Findet ihr den Verlust von Scott Derrickson als Doctor Strange 2-Regisseur auch so schade?

Moviepilot Team
MrDepad Patrick Reinbott
folgen
du folgst
entfolgen
Junior Redakteur bei Moviepilot. Kann mit dem DCEU so einiges anfangen, aber noch mehr mit David Lynch. Meist im Kino oder beim Essen anzutreffen.
Deine Meinung zum Artikel Doctor Strange 2 steuert auf eine große Enttäuschung zu
Ab 27. Februar im Kino!Der Unsichtbare
116591763171459da4a86e94f6bbf863