Deshalb hat Quentin Tarantino noch immer keine Lust auf Netflix & Streaming

26.11.2017 - 11:00 Uhr
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Quentin Tarantino
© Sony
Quentin Tarantino
Star-Regisseur Quentin Tarantino hat seinen Unmut über den neuzeitlichen Heimvideo-Konsum bekräftigt. In einem Interview erklärt er, wieso er noch immer keinen Bock auf Netflix & Co. hat.

Als ehemaliger Vi­deo­the­kar hat sich Quentin Tarantino schon immer für die Bewahrung von Heimkino-Traditionen eingesetzt. Bereits vor zwei Jahren, also lange bevor überhaupt die Debatte um Kinoauswertungen von Netflix-Eigenproduktionen ihren vorläufigen Höhepunkt erreichte, äußerte der Regisseur persönliche Kritik an Streaming-Modellen. Er sei überhaupt nicht davon begeistert, sagte er. "Ich mag es, etwas Greifbares in meiner Hand zu halten. Ich kann mir keinen Film auf einem Laptop anschauen." Er nutze Netflix tatsächlich gar nicht, hieß es damals. Und obwohl Tarantino das Streaming-Angebot von Netflix seither nicht ausprobiert hat, erneuerte und präzisierte er in einem Interview (via Slash Film ) sein Unverständnis.

Ich bin nicht bei Netflix, also kann ich auch nicht genau sagen, wie es funktioniert. Aber wenn du, wie ich, all diese Filmkanäle in meinem Pay-TV-Paket hast, und in den Katalog gehst und die Liste durchforstest, um dir etwas anzuschauen oder es aufzunehmen, dann kommst du vielleicht nie dazu, es dir anzusehen. Oder du siehst es dir tatsächlich an, und dann tust du das für zehn oder zwanzig Minuten, und dann machst du etwas völlig anderes und entscheidest: Nein, das gefällt mir nicht. An diesem Punkt sind wir gerade.

Der Konsummodus des Streamens selbst missfällt Quentin Tarantino hier gar nicht unbedingt. Es geht ihm eher darum, dass die schiere Auswahl die Wertschätzung für den einzelnen Film untergräbt. Der nächste Film, und davon gibt es im Streaming-Zeitalter tausende, ist immer der interessantere. Darum, um Wertschätzung und Hingabe, geht es auch im zweiten Teil von Tarantinos Einlassung mit dem Streaming-Zeitalter, die der Regisseur über den Vergleich mit Videotheken aufzieht.

In einer Videothek war das ganz anders. Du hast dich umgesehen, dir eine Filmhülle ausgesucht, dir den Klappentext durchgelesen. Du hast eine Wahl getroffen, und vielleicht hast du mit dem Typen hinter der Kasse gesprochen und vielleicht hat er dir eine Empfehlung gegeben. Und er hat dir nicht einfach irgendwas in die Hand gedrückt, er hat dir den Film vorgestellt [...]. Aber worum es geht ist, du hast dich der Sache verpflichtet auf eine Weise, die mit moderner Technologie bei Filmen nicht möglich ist. Natürlich, wir haben damals drei Filme ausgeliehen und den dritten vielleicht nicht geschafft, aber es gab doch eine größere Hingabe an das, wofür du dich entschieden hast.

Quentin Tarantino ist nicht der einzige bekannte Regisseur, der sich gegen Streaming und damit Einzug haltende Vertriebsmodelle ausspricht. Auch etwa Dunkirk-Regisseur Christopher Nolan kritisierte die Direct-to-Netflix-Strategie des Streaming-Dienstes.

Könnt ihr Quentin Tarantinos Unverständnis nachvollziehen?

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