Der Name der Rose: Die neue Sky-Serie hat Game of Thrones-Vergleiche nicht nötig

Der Name der Rose
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Berichtet am liebsten über Gangsterstreifen und Werke, in denen sich Literatur und Filmkunst vereinen. Weiß, wo Leute hinkommen, die guten Scotch verschwenden.

Zugegeben, Der Name der Rose von Umberto Eco ist kein einfaches Terrain und nicht jedermanns Sache. Im Grunde ist das Buch eine literaturwissenschaftliche, historische und philosophische Abhandlung vor dem Hintergrund einer mysteriösen Mordserie in einer abgelegenen Abtei. Die wirkungsmächtige Verfilmung mit Sean Connery konzentrierte sich dementsprechend auch vor allem auf die düstere Kriminalgeschichte.

Der Name der Rose öffnet sich

Die neue Serienadaption Der Name der Rose auf Sky, eine deutsch-italienische Kooperation, grenzt sich vom Film in vielerlei Hinsicht ab. Vor allem, in dem sie ihr erweitertes Format nutzt, um all die Elemente der Geschichte näher zu beleuchten, die im Originalfilm aus Zeitmangel keinen Platz gefunden haben. Dies umfasst insbesondere die politischen, religiösen und sozialen Hintergründe des historischen Settings.

Besonders gut klappt das, wenn dadurch die Handlung in einen reichen und nachvollziehbaren Kontext gestellt wird. So versteht der Zuschauer die Dynamik zwischen der Hauptfigur William von Baskerville und dem Großinquisitor Bernardo Gui besser, da ihm Hintergrundszenen zuvor die politische und religiöse Sprengkraft ihres Disputs zuvor verdeutlicht haben.

Neue Atmosphäre und Struktur

Zudem ist die gesamte Serie heller gehalten als der dunkle, beklemmende Film aus dem Jahr 1986. Der Nachteil dieser Erweiterung ist dafür der Verlust des klaustrophobischen Gefühls, das die abgelegene Abtei beim Zuschauer hervorgerufen hat. Die Welt ist nicht auf die Klostermauern zusammengeschrumpft. Leider nimmt das den zentralen Kriminalermittlungen viel an Spannung und Bedrohlichkeit.

Auch kommt der Zuschauer nicht drum herum, zu bemerken, wie sehr sich die Serienmacher unpassenderweise in Sachen Vorspann, nackter Haut und Schlachtszenen an Game of Thrones orientiert haben. Das ist für eine gute Historienverfilmung einfach nicht nötig.

Noch enger verzahnt

Der Name der Rose umfasst grob gesagt drei Handlungsstränge: Die Mordermittlungen William von Baskervilles, den religiösen und politischen Disput im Kloster und die Liebesgeschichte zwischen Williams Novizen Adson und einem mysteriösen, namenlosen Mädchen.

Die Serie schafft es jedoch sehr gekonnt, diese drei Handlungsstränge nicht wie im Original nebeneinanderher laufen zu lassen, sondern sie noch enger zu verzahnen. Was mehr als beeindruckend und ein großer Pluspunkt ist. Auch wenn es manchmal nervt, dass jede Figur dadurch im Verlauf der Handlung ähnlich wie bei Agatha Christie einmal unter Mordverdacht gerät.

Glaubhaftere Charaktere

Die Erweiterung der Handlung ermöglicht zudem, die einzelnen Mönche, ihre Vergangenheit und ihre Motive näher zu beleuchten. Bei vielen Charakteren ist das im Vergleich zum unklar gehaltenen Original ein definitiver Gewinn. Hier stechen insbesondere die politischen Ansichten des Abts und die ketzerische Vergangenheit von Remigio und Salvatore positiv hervor.

Merkwürdigerweise klappt diese Methode jedoch gerade bei den beiden Hauptfiguren überhaupt nicht. In Buch und der ersten Verfilmung werden William und Adson einfach ohne weitere Hintergründe als Meister und Schüler eingeführt. Ihre Beziehung zueinander wird im Laufe der Handlung erklärt. Die Serie gibt ihrem ersten Treffen und dem Beginn ihres Verhältnisses hingegen eine fast lieblose und letzten Endes unnötige eigene Szene.

Leider keine Frauen im Kloster

Seien wir ehrlich: Eine Geschichte, die in einem mittelalterlichen Mönchskloster angesiedelt ist, lässt keinen großen Platz für starke Frauenrollen. Das ist für ambitionierte Serienmacher natürlich ein Problem. Der Name der Rose geht mit diesem Problem zum Glück größtenteils clever um.

Die Serie gibt dem namenlosen Mädchen aus dem Original eine nachvollziehbare, eigene Geschichte. Das nimmt zwar viel von ihrer symbolischen Mystik, funktioniert aber im gegebenen Kontext sehr gut. Eine weitere, im Buch nur erwähnte Frau erhält eine prominente und interessante Rolle in Rückblenden.

Einzig die für die Serie komplett neu erfundene weibliche Figur, die Der Name der Rose-Version von Arya Stark, trägt nicht viel zur Handlung bei. Obwohl angemerkt werden muss, dass ihre Einführung sehr gelungen einen Handlungsstrang aus dem Buch aufgreift. Die Macher kennen ihre Vorlage!

Schwierige Schauspielkonkurrenz

Wie bereits angedeutet, wird Der Name der Rose von seinen Figuren getragen. Unweigerlich werden die Schauspieler daher den Vergleich zu ihren Vorgängern aushalten müssen. Und dieser Vergleich mit Sean Connery, Christian Slater und F. Murray Abraham ist natürlich kein einfacher.

William von Baskerville, diese Mischung aus Sherlock Holmes, Bruder Cadfael und Father Brown, ist definitiv die Hauptfigur der Serie. Der Franziskanermönch, der wie ein moderner Detektiv Mordfälle aufklärt, wird in der neuen Adaption von John Turturro verkörpert. So sehr sich Turturro auch bemüht, seine Figur kommt einfach nicht sympathisch rüber.

Zugegeben, auch im Originalfilm ist Baskerville überheblich und besserwisserisch. Sean Connery konnte wir mit seinem jungenhaften Charme und dem einnehmenden Lächeln einfach alles vergeben. Im Gegensatz dazu ist die Darstellung des Bösewichts Bernardo Gui gelungener.

Während F. Murray Abraham den Großinquistor als das pure Böse verkörperte, verleiht Rupert Everett der Figur erfolgreich mehr Tiefe. Auch Damian Hardung spielt seine Rolle Adson von Melk aktiver und selbstbestimmter, als es der scheue Christian Slater getan hat.

Der Name der Rose ist eine gute Erweiterung

Der Name der Rose ist eine Serie, kein Film und kein Buch. Daraus ergeben sich simpel gesagt und wie dargelegt alle Vor- und Nachteile dieser Adaption von Umberto Ecos Meisterwerk.

Auf der einen Seite erweitert die Serie unser Verständnis der historischen Hintergründe und gibt uns mehr an Handlung aus der literarischen Vorlage. Auf der anderen Seite lenkt gerade dieser Blick vom zentralen Geheimnis und seiner spannenden und einzigartigem Auflösung ab.

Der Name der Rose ist für alle zu empfehlen, die einen neuen Blick auf Originalfilm und Buch erhalten wollen. Die Serie kann gerade zum Ende hin mit ihren Ideen erfolgreich für sich allein stehen. Jedem, der sich nicht intensiv mit mittelalterlicher Politik und Religion beschäftigen möchte, sei jedoch eine andere Serie ans Herz gelegt.

Die Miniserie Der Name der Rose umfasst 8 Episoden, die ab dem 24.05.2019 bei Sky veröffentlicht werden. Als Grundlage für diesen Seriencheck dienten alle 8 Episoden.

Werdet ihr euch Der Name der Rose auf Sky ansehen?

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Berichtet am liebsten über Gangsterstreifen und Werke, in denen sich Literatur und Filmkunst vereinen. Weiß, wo Leute hinkommen, die guten Scotch verschwenden.
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