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Der kleine Horrorladen - Ein Meisterwerk der praktischen Effekte

Little Shop of Horrors - Trailer (Englisch)
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© Warner Bros.
Der kleine Horrorladen
31.07.2018 - 09:15 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Wenn Filmliebhaber von den besten praktischen Effekten in Filmen sprechen, bleibt dieses Comedy-Grusical von Muppet-Meister Frank Oz noch viel zu oft unerwähnt.

Wer den Namen Frank Oz hört, denkt wahrscheinlich in erster Linie an die von ihm gespielten Handpuppen aus der Muppet Show, insbesondere natürlich an die hysterische Schweinedame Miss Piggy oder an seine Rolle als Meister Yoda in der Star Wars-Reihe. Der Brite war jedoch, vor allem in den 1980er und 1990er-Jahren, häufig auch als Regisseur tätig. Er schuf mit seinem Freund und Kollegen Jim Henson und dessen Creature-Shop unter anderem die Kinderfilme Der Dunkle Kristall und Die Muppets erobern Manhattan. Sein bis dato bestes Werk, die Musicalkomödie Der kleine Horrorladen entstand ebenfalls durch Mitwirken zahlreicher Puppen-Experten aus der berühmten Effektschmiede. Diese lieferten mit der Konstruktion und Animation der sprechenden Pflanze Audrey II ihr Meisterstück ab und schufen gleichzeitig einen der einzigartigen Film.

Der kleine Horrorladen - B-Movie, Broadwaystück und bester Film von 1986

Der kleine Horrorladen (OT: Little Shop Of Horrors) ist die Verfilmung des Off-Broadwaymusicals gleichen Namens, das wiederum auf einem in Schwarz-Weiß gedrehten Roger-Corman-Film von 1960 basiert. Die Geschichte dreht sich um den Floristen-Gehilfen Seymour Krelborn (Hollywood-Aussteiger, Grammy-Gewinner und Comedy-Genie Rick Moranis), der im mickrigen Blumenladen von Mr. Mushnik (Vincent Gardenia) ein erbärmliches Dasein fristet. Er hat kein Geld, keine Perspektive im Leben und ist mehr oder weniger heimlich in seine Kollegin Audrey (Musical-Star Ellen Greene) verliebt, die allerdings in einer unglücklichen Beziehung mit dem sadistischen Zahnarzt Orin Scrivello (Steve Martin) feststeckt.

Rick Moranis, Ellen Greene und Vincent Gardenia in Der kleine Horrorladen

Seymours Leben ändert sich schlagartig, als er in einem chinesischen Laden eine mysteriöse außerirdische Pflanze erwirbt, die er aus Liebe zum Original Audrey II nennt. Diese will statt mit Wasser mit Blut ernährt werden und fängt bald an, mit ihm zu sprechen und immer größere Mengen des roten Saftes zu fordern. Sie schlägt Seymour einen faustischen Pakt vor: Wenn er ihr Menschenfleisch besorgt, verhilft sie ihm im Gegenzug zu Ruhm und Reichtum. Widerwillig stimmt Seymour zu und schon bald wird Mushniks Laden durch die immer höher wachsende Pflanze zu einer landesweiten Sensation.

Der Effekt-Zauberer Frank Oz

Der unbestrittene Star von Der kleine Horrorladen ist natürlich die am Ende gigantische Pflanze, die für den Horror im Titel verantwortlich ist. Gesprochen und gesungen von Soul- und R’n’B-Sänger Levi Stubbs ist das Geschöpf nicht nur ein Meisterwerk der Handwerkskunst (bis zu 60 Crewmitglieder steuerten gleichzeitig ihre Bewegungen), sondern auch eine der unterhaltsamsten Schurkinnen in der Geschichte der Filmmusicals. Auch der Rest der Besetzung nimmt zu keiner Zeit den Fuß vom Gas: Die wunderbare Ellen Greene schmeißt sich in ihre Rolle wie ein Kamikaze-Flieger auf den Feind und sorgt mit ihrer Stimmgewalt erwartungsgemäß für offene Münder. Der liebenswerte Rick Moranis und der diabolische Steve Martin sind als Gegenspieler perfekt besetzt und geben die beste Performance ihrer Karriere. Selbst in den Nebenrollen tummeln sich die Stars: Bill Murray gibt ein gnadenlos enthemmtes Gastspiel als masochistischer Zahnarztpatient, John Candy spielt einen belämmerten Lokal-Radiomoderator und sogar Christopher Guest schaut zu Beginn auf eine Mini-Stippvisite in Mushniks Laden vorbei.

Steve Martin und Bill Murray

Auch wenn die Geschichte auf den ersten Blick nicht allzu originell erscheint, reichert Oz seinen Film mit so vielen schrägen und kreativen Einfällen an, dass daraus etwas vollkommen Einzigartiges wird - außerdem ist die Musik endlos hörbar und über alle Maßen groovy. Wer die wahre Vision des Puppenspielers erleben will, sollte sich aber auf jeden Fall das Original-Ende zu Gemüte führen, das nie im Kino veröffentlicht, aber für die Blu-ray-Fassung restauriert wurde. Welches Ende jeder Zuschauer bevorzugt, ist natürlich Geschmacksache, ich finde jedoch, dass nur die Originalversion in ihrer ganzen nihilistischen Pracht dem Film wirklich gerecht wird. Das liegt vor allem daran, dass es kompromisslos ist und im Vergleich zum nachgedrehten Happy End die Aussage des Werkes nicht verfälscht.

Im kleinen Horrorladen gibt es kein Happy End für Kapitalisten

Achtung, Spoiler zum Ende von Der kleine Horrorladen: Im Gegensatz zur Kinoversion sterben Audrey und Seymour in der Originalversion, die damit dem Ende des Musicals treu bleibt. Ihr ganzes Leben lang liefen sie einem Traum hinterher, der ihnen von Figuren in mächtigeren Positionen eingeimpft wurde, seien es Geizhals Mushnik, die fleischfressende Pflanze oder der Marketing-Fuzzi Patrick Martin (im Original von Paul Dooley, in der Kinoversion von Jim Belushi gespielt), der die Welt durch die Vermarktung und den Verkauf von Audrey-II-Setzlingen letztendlich in den Untergang stürzt. Wenn die frühere Stripperin Audrey von ihrem perfekten Leben träumt, ist dieser Traum nur gefüllt mit Plunder, den sie im Fernsehen gesehen hat. Sie stellt sich vor, eine perfekte hörige Hausfrau mit Kindern zu sein und besingt Gegenstände aus der Werbung. Auch Seymour wird gelockt von der Vorstellung, eine Harley Davidson zu besitzen und cool zu sein wie James Dean, was ihn letztendlich dazu treibt, den Pfad der Tugend zu verlassen.

Bild aus dem restaurierten Original-Ende

Die Mächtigen füttern absichtlich die Träume der Armen mit leeren Versprechungen, nur um sie dann auf perfide Art zu manipulieren und für sich arbeiten zu lassen. Der geschickteste Manipulator, der dieses Prinzip sofort verstanden hat, ist dabei die außerirdische Pflanze, die die Gier der Menschen ausnutzt, um sie am Ende alle zu vernichten. Und in dem Moment, in dem Seymour bemerkt, dass er nur benutzt wurde, hat er bereits alles verloren und keine Möglichkeit mehr, das Unvermeidbare abzuwenden.

Diese Tragik der Figuren macht den eigentlich angedachten Schluss von Der kleine Horrorladen (die Zerstörung der Welt durch Audrey II und ihre Sprösslinge) gleichermaßen tragisch, furchterregend und durch die Inszenierung herrlich schwarzhumorig. Eine verrückten, einzigartige Mischung. Aber genau das ist Der kleine Horrorladen: einzigartig.

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