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Mein Herz für Serie

Dawson's Creek - Coming of Age mit Tiefgang

29.05.2012 - 08:50 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Dawson? Oder doch lieber Pacey? Oder Dawson? Pacey...?
© The WB/The CW
Dawson? Oder doch lieber Pacey? Oder Dawson? Pacey...?
Heute kann sich vor allem die weibliche Fraktion unter euch an ihr Erwachsenwerden zurückerinnern. Mein Herz für Serie schenke ich nämlich Dawson’s Creek, der populären Clique rund um den Blondschopf Dawson Leery und seinen Seelenschmerz.

Wer Ende der 1990er-Jahre mitten in seiner heißen Teenie-Phase steckte, ist vermutlich nicht an Dawsons Creek von Kevin Williamson vorbeigekommen. Ich selbst erinnere mich noch sehr genau daran, wie ich mich in mein Zimmer verkrochen und die neuesten Episoden verfolgt habe. Gerade, als die Pubertät in vollem Gange war und das Gefühlsleben verrückt spielte, flimmerte eine Serie über unsere Bildschirme, die das mit viel Herz und Verstand umzusetzen verstand. Die Jugendlichen aus dem fiktiven Küstenort Capeside in Massachusetts haderten genau wie wir mit dem Erwachsenwerden und spiegelten unsere eigenen Unsicherheiten wider.

Wenn über Nacht die Hormone sprießen
Im Grunde geht es um die seit Jahren bestehende Freundschaft zwischen dem filmbesessenen angehenden Regisseur Dawson Leery (James Van Der Beek) – dessen Zimmer gepflastert ist mit Filmpostern von Steven Spielberg – der schüchternen Josephine ‘Joey’ Potter (Katie Holmes) und dem charmanten Chaoten Pacey Witter (Joshua Jackson). Die beiden 15-Jährigen Joey und Dawson gehen seit Ewigkeiten durch dick und dünn: Joey setzt regelmäßig mit einem kleinen Boot zu Dawson’s Haus über, um dann auf einer Leiter in sein Zimmer zu klettern und mit ihm Filme zu schauen. Übernachtungen bei Dawson sind selbstverständlich. Aber ganz plötzlich ist ein Unbehagen aufgetaucht, dass scheinbar proportional zum Anwachsen von Joeys Brüsten immer größer wird (Wir verändern uns und wenn wir jetzt nicht aufpassen, kommt diese Mann-Frau-Geschichte zwischen uns.). Sie findet es nicht mehr angebracht, bei ihm zu schlafen und dies ist der Beginn zahlreicher bohrender Fragen, die die Freunde nicht mehr loslassen. Empfindet Joey vielleicht mehr für Dawson als sie sich eingesteht? Was bedeutet das für ihre Freundschaft? Und was passiert, als mit Jennifer ‘Jen’ Lindley (Michelle Williams) auf einmal eine scheinbare Lolita in Capeside auftaucht, die den Jungs reihenweise die Köpfe verdreht?

Dawsons Creek begleitet die Heranwachsenden bei ihren Problemen während der High School und folgt ihnen schließlich bis zum College und ins Berufsleben. Im Mittelpunkt stehen dabei immer die sich laufend ändernden Beziehungsgeflechte, denn nicht nur Joey muss sich immer wieder zwischen Dawson und seinem Kumpel Pacey entscheiden, sondern auch die anderen Charaktere befinden sich in einem munteren Bäumchen-wechsel-dich-Spiel: Erst ist Dawson mit dem Neuankömmling Jen, der Verführung in Person, zusammen, dann bandelt er kurzzeitig mit seiner Seelenverwandten Joey an (keine Serie hat diesen Begriff vermutlich derart strapaziert wie Dawson’s Creek). Dann aber dreht sich das Liebeskarussell weiter und Joey kommt erstmals mit Pacey zusammen, kehrt wieder zu Dawson zurück, um schließlich doch wieder bei Pacey zu landen. Puh. Das geht natürlich auch an der Männerfreundschaft zwischen Dawson und Pacey nicht spurlos vorüber. Auf den ersten Blick scheint es so, als hätte die Serie nicht viel mehr zu bieten und deshalb macht sich auch Walter Stratford (Larry Miller) in 10 Dinge, die ich an Dir hasse über diese Dawson’s Creek-Typen lustig, die die Betten wechseln wie andere die Hemden.

Kleinstadt-Philosophen und wie sie die Welt sehen
Abgesehen von den problematischen Liebeleien thematisiert Dawsons Creek aber auch ernste Themen. Die in New York bereits mit Drogen in Kontakt gekommene Jen wird zum Beispiel pausenlos von ihrer Großmutter zu mehr Gottesfürchtigkeit angehalten – typisch für eine amerikansiche Kleinstadt. Außerdem müssen einige Schicksalsschläge verkraftet werden (Ehekrise der Eltern, Tod eines Elternteils, schwere Depressionen durch den Tod eines Familienmitglieds, etc.) und der Neuankömmling Jack McPhee (Kerr Smith) muss lernen, mit seiner neu entdeckten Homosexualität umzugehen. Was Dawson’s Creek aber wirklich von anderen Teenie-Soaps abhebt, sind zum einen Charaktere wie Pacey Whitter, die einem durch ihr permanentes Scheitern und die liebenswerte Draufgänger-Art direkt ans Herz wachsen. Zum anderen bleibt Dawson’s Creek vor allem durch die teils philosophisch angehauchten Dialoge in Erinnerung. Joey und Dawson reden über Filme, als hätten sie bereits ein wissenschaftliches Studium hinter sich und vor allem im zwischenmenschlichen Bereich wirkt die Clique aus Dawson, Joey, Pacey und Jen erschreckend larger than life. In ihren pubertären Körpern scheinen ungleich ältere, weisere Seelen zu wohnen, die aus ihnen eher kleine Erwachsene machen. Wir Teenies konnten da seiner Zeit nur staunen, wie hochtrabend und voll von Idealen sich Gleichaltrige scheinbar ausdrücken können (Joey: “Diese Filme, die du immer siehst, sind künstliche Bilder, die existieren nicht außerhalb der Grenzen von Hollywood!” Dawson: “Das ist nicht wahr, es sind Bilder, die auf der Realität der Fantasie beruhen.”)

Dawsons Creek ist also eine romantische, teils tragische und in jedem Fall sehr erwachsene Jugendserie, die sechs Staffeln lang mit tollen Charakteren begeistern konnte. Nicht umsonst bescherte sie der talentierten und momentan sehr erfolgreichen Michelle Williams ihren Durchbruch. Der Zuschauer wird auf eine emotionale Achterbahnfahrt mitgenommen und auch, wenn das ewige Hin und Her zwischen Joey, Dawson und Pacey unsere Nerven gut strapazierte – am Ende werden wir ja mit einem zufriedenstellenden Schluss belohnt.

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