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Eine Frau der Extreme

Ausnahmetalent Susanne Lothar ist tot

26.07.2012 - 09:30 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Susanne Lothar als psychisch kranke Mutter in Fleisch ist mein Gemüse
© Universal
Susanne Lothar als psychisch kranke Mutter in Fleisch ist mein Gemüse
Susanne Lothar war nicht nur die Witwe von Ulrich Mühe und die Tochter von Hanns Lothar, denn vor allem durch ihr eigenes großes Talent ragte sie aus der deutschen Schauspielriege heraus. Jetzt verstarb sie viel zu früh im Alter von nur 51 Jahren.

Wenn ein schauspielerisches Ausnahmetalent stirbt, ist das immer tragisch und hinterlässt eine klaffende Lücke in der Film- und Fernsehlandschaft. Wenn diese Person aber auch noch viel zu früh von uns geht, dann ist der Schock umso größer. Die deutsche Filmbranche muss jetzt den Tod der ebenso fragilen wie kämpferischen Charakterdarstellerin Susanne Lothar betrauern, die mit 51 Jahren verstarb. Eine Todesursache wurde bislang nicht genannt und wir wollen an dieser Stelle nicht über das Wie und Warum spekulieren. Wie die Berliner Zeitung berichtet, trat Christian Schertz, der Anwalt ihrer Familie, gestern in Berlin an die Öffentlichkeit und gab die traurige Nachricht bekannt.

Susanne Lothar wurde die Schauspielerei in die Wiege gelegt, denn nicht nur ihr ebenfalls sehr früh verstorbener Vater Hanns Lothar (bekannt aus Filmen wie Die Buddenbrooks oder als Assistent Schlemmer in der Satire Eins, zwei, drei) übte diesen Beruf aus, sondern auch ihre Mutter Ingrid Andree (Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull). Die Hamburgerin Susanne Lothar studierte ihr Handwerk an der Hochschule für Musik und Theater und machte sich auch zuerst am Theater einen Namen, bevor sie ins Film- und Fernsehfach wechselte.

Bekannt wurde sie dann vor allem durch ihre große schauspielerische Vielseitigkeit und die oft extremen, intensiven Rollen, die sie mit viel Leidenschaft verkörperte. Vier Mal arbeitete sie dabei mit dem preisgekrönten Regisseur Michael Haneke zusammen (Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte, Die Klavierspielerin, Funny Games, Das Schloß), auch in mehreren Tatort-Folgen trat sie auf. Zu ihren letzten Kinofilmen gehört Anna Karenina, der im Oktober in unsere Kinos kommt und in dem sie die kleine Rolle der Prinzessin Scherbatsky übernahm.

Christiane Peitz vom Tagesspiegel lobt vor allem Susanne Lothars Wagnis, Unsympathinnen zu spielen, Verhärmte. Auch Matthias Matussek vom Spiegel trauert: Das Theater und der Film wird künftig nicht mehr wissen, wem es die Zerrissenen, die Mutigen, die unendlich Verletzlichen, die Grenzgängerinnen anvertrauen soll. Die all das sind, und die darin leuchten.

Susanne Lothar musste bereits den Tod ihres Mannes und hochkarätigen Schauspielkollegen Ulrich Mühe (Das Leben der Anderen) verkraften, der 2007 an Krebs starb. Die beiden hinterlassen zwei Kinder, denen jetzt ganz besonders unser Mitgefühl gilt.

Wie werdet ihr Susanne Lothar in Erinnerung behalten?

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