Artemis Fowl und die Angst, dass Disney den Antihelden meiner Jugend zerstört

Artemis Fowl: Fest in Disneys Griff?
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"I am what I am and I do what I can."

Der erste Teaser-Trailer zum episch angelegten Fantasyfilm Artemis Fowl ist erschienen. Der Film soll am 08.08.2019 in den deutschen Kinos starten. Als langjähriger Fan der Buchreihe von Eoin Colfer, die dem Film als Vorlage dient, konnte ich vor einem Jahr, als die Produktion gerade richtig anlief, noch viele Gründe finden, mich auf die Verfilmung zu freuen. Doch nach dem ersten Videomaterial ist meine Vorfreude nun etwas ins Wanken geraten, weil ich fürchte, dass Disney den Antihelden meiner Jugend in Kenneth Branaghs Verfilmung zu familienfreundlich und glatt gestalten könnte.

Artemis Fowl: Die hohen Erwartungen an einen prägenden Antihelden

Ich habe als Teenager die acht Bände der Artemis Fowl-Reihe des irischen Schriftstellers Eoin Colfer verschlungen. Artemis Fowl war als Jugendbuch anders, eckiger, düsterer und zugleich sarkastisch-lustiger als die Fantasy-Bücher, die ich sonst so zur Hand genommen hatte. Mit Begeisterung entschlüsselte ich die versteckten codierten Botschaften auf den Enden der Buchseiten und ließ mich vom kriminellen Genie des eigentlich als Gegenspieler der Fabelwesen-Welt eingeführten Artemis Fowl in seinen Bann schlagen.

Eine Verfilmung war seit 2001 im Gespräch, kam aber lange nicht zustande. Ohnehin war ich mir bei Artemis Fowl anders als bei anderen Lieblingsbüchern nie sicher, ob ich wirklich wollte, dass die Romane verfilmt würden. Zu sehr speisten sie sich aus Eoin Colfers Sprachwitz, als dass ich mir vorstellen konnte, sie in würdiger Weise auf die Leinwand übertragen zu sehen. Lange sah es auch so aus, als würden die Bücher nie ihren Weg ins Kino finden. Erst 2013 kam eine Verfilmung wieder ins Gespräch. Als schließlich 2015 Kenneth Brannagh als Regisseur verpflichtet wurde, schöpfte ich neue Hoffnung, dass diese Adaption doch noch gut werden könnte. Schließlich hatte der selbst als Schauspieler tätige Filmemacher schon einem eigentlich als Charakter wenig aufregenden Superhelden mit Hammer zu Größe und Eigenständigkeit verholfen. Ich warf meine Bedenken also vorläufig über Bord und gab der Verfilmung einen Vorfreude-Vertrauens-Vorschuss. Doch nach dem ersten Trailer sehe ich dem nächsten Sommer nun wieder etwas angstvoller entgegen, weil der Artemis Fowl auf der Leinwand dem Artemis Fowl in meinem Kopf überhaupt nicht gerecht werden könnte.

Artemis Fowl: Der grandiose Antiheld meiner Jugend wird disneyfiziert

Natürlich ist mir klar, dass kein Film jemals die genauen Erwartungen eines Lesers bedienen kann. Auch als Harry Potter-Fan musste ich mich schließlich einst an die fleischgewordenen Leinwand-Inkarnationen meiner Lieblingsfiguren "gewöhnen", um sie anschließend lieben zu lernen. Doch der erste Eindruck, den der Artemis Fowl-Teaser-Trailer bei mir hinterlässt, ist dennoch der, dass die Bilder zu sehr "Disney!" schrien. Disney mag der Verfilmung eine große internationale Bühne verleihen - zugleich aber droht die Marke Disney den Film zu erdrücken. Alles wirkt so oberflächlich schön wie im nichtssagenden Sci-Fi-Aufguss A World Beyond, und nun fürchte ich, dass an Artemis Fowl die so wichtigen Ecken und Kanten glattgebügelt werden, die die Geschichte erst zu etwas Besonderem machen. Der sphärische Trailersong von Artemis Fowl (Decks Dark von Radiohead) fängt für mich ebenfalls nicht so recht die Stimmung der Bücher ein, und der erste Blick auf den fast schon niedlichen Hauptdarsteller muss auch erst einmal mit meinem inneren Bild des blassen, humorlosen Jung-Genies in Einklang gebracht werden.

Versteht mich nicht falsch: Ich haben nichts gegen Disney-Filme per se. Ich brauche sogar regelmäßig meinen Heile-Welt-Fix von Disney. Aber Artemis Fowl darf als Disney-Film bitte nicht zur leicht verdaulichen Familienunterhaltung verkommen, in der Kinder mit futuristischen Waffen Jagd auf Elfen machen. Dass hier zwei Bücher in einem Film "abgearbeitet" werden, ist schon schlimm genug.

Als die Darsteller-Besetzung im Vorfeld viel Zeit in Anspruch nahm, hatte ich Hoffnungen, dass dort nichts überstürzt werden würde. Ein Pluspunkt ist für mich außerdem, dass (wie es im Moment aussieht) zumindest auf Schauspieler statt CGI-Elfen gesetzt wurde. Doch der ganze Cast wird bedeutungslos, wenn auf reine Schauwerte statt Figuren-Tiefe gesetzt wird, weil die Charaktere nun einmal die große Stärke der Buchreihe sind. Denn dann gerät Artemis Fowl in Gefahr, nur ein weiterer Eintrag in der Riege der zahlreichen gescheiterten Jugendbuch-Reihen zu werden, die im Kino über den ersten Teil nie hinauskamen.

Artemis Fowl: Immer ruhig mit den jungen Zentauren

Natürlich will ich hier nicht den paranoiden Zentaur Foaly markieren und gleich den Weltuntergang der Fantasy-Saga heraufbeschwören. Immerhin haben wir im Teaser-Trailer erst einen winzigen ersten Einblick in das noch Kommende gewonnen. Dieser lässt weder Aussagen über das schauspielerische Können des jungen Hauptdarstellers Ferdia Shaw treffen - mit dem die Verfilmung steigen oder fallen wird -, noch haben wir schon irgendwelche Hauptdarsteller-Elfen aus der Nähe gesehen.

Ich will mich also in Geduld üben und versuchen, meine hoffnungsvolle Vorfreude zu bewahren. Vielleicht lese ich auch einfach bis zum nächsten Sommer - oder bis zum ersten langen Trailer - nochmal die Bücher, bevor mir für immer der visuelle Disney-Stempel der Artemis Fowl-Kinoversion aufdrückt wird.

Hat ihr die Artemis Fowl-Bücher gelesen? Wie wirkt der Trailer auf euch?

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