Mr. Vincent Vegas Film-Ecke

Zombiefilm zwischen Amateurquatsch und Meisterwerk

Dawn of the Dead
Astro Distribution
Dawn of the Dead
27.06.2013 - 08:50 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Mit World War Z kommt am Donnerstag das teuerste Zombiespektakel aller Zeiten in die Kinos. Wir erstellten anhand der Nutzerbewertungen eine Top 50 der besten Filme über Untote. Und auch Mr. Vincent Vega hat natürlich etwas zum Thema zu sagen.

Das Wichtigste zu Beginn. Die ersten 20 bis 25 Minuten von World War Z gehören zum Besten, was es jemals in einem Zombiefilm zu sehen gab. Und dass sich so etwas noch über einen Zombiefilm sagen lässt, ist nicht selbstverständlich. Das große Chaosszenario, die beginnende Eskalation, zeigte schon George A. Romero in den ersten Minuten von Zombie – Dawn of the Dead sehr eindrücklich, nun wird es sozusagen auf Blockbuster-Größe gebracht: Brad Pitt und seine All-American-Familyreißt es in einen brutalen, mit größtmöglicher Wucht inszenierten Überlebenskampf. Da gibt es feinsinnige Bilder zu sehen, wie sie beispielsweise Zack Snyder in seiner ebenfalls furiosen Exposition von Dawn of the Dead nicht gelingen wollten: Der entsetzte Blick Pitts, als er das erste Mal töten muss. Das Hochheben der Hände, als ein Polizist naht und doch nur vorbeirauscht, um sich im Supermarkt einzudecken. Die Beine über dem Wolkenkratzerabgrund. Das Abzählen der 10sekündigen Infektionsdauer, um eventuell springen und der Familie viel Leid ersparen zu können.

The Walking Dead

Das erste Viertel World War Z ist nahe am Meisterwerk. Dann geht es nach Jerusalem, dann kommt Moritz Bleibtreu. Aber ich bin dankbar, solche Bilder in einem Zombiefilm, zumal in einem so teuren, sehen zu dürfen. Um die Untoten steht es ja im gegenwärtigen Kino wirklich nicht sehr gut, auf dem DTV-Sektor schon gar nicht. Was da immer noch jede Woche an Amateurquatsch und halbprofessionellem Schlock die Regale besetzt, ist nicht mal der runterhängenden Hautlappen irgendeines Snyder-Zombies würdig. Die Horde, Devil’s Playground, Mutants – Du wirst sie töten müssen! und anderer liebloser Quatsch stellen den Zombiefilm-Freund nachhaltig auf die Probe. Ein Ausweichen ins Fernsehen ist zwar möglich, aber sinnlos: The Walking Dead fällt, jedenfalls in den zwei bisher gesendeten Staffeln, auch nichts anderes ein, als die bald 50 Jahre alten Romero-Klischees nachzubuchstabieren und TV-gerecht, also schlecht geschrieben und gespielt, aufzubereiten (vielleicht wird es noch was).

George A. Romero, der Zombiepapa

Wenn in der Top 50 der besten Zombiefilme jetzt tatsächlich Zombieland auf dem ersten Platz steht, weil er das höchste Community-Rating erhielt, kommentiert sich das von selbst. Kanon hin oder her: Etwas anderes als Die Nacht der lebenden Toten oder der 78er Dawn of the Dead hat dort nicht zu stehen. Und so anerkannt die bis heute irritierend konsequent plagiierten Zombiefilme von George Romero auch sind, gilt es zumindest seine zweite Trilogie der wiederkehrenden Toten zu verteidigen. Im Gegensatz zu zahllosen Zombie-Vehikeln der vergangenen Jahre ist es nur Romero gelungen, den eigenen ästhetischen Entwurf weiterzuentwickeln. Sein spätes Meisterwerk Land of the Dead präsentiert die Zombies als organisierte Revoluzzer und Antikapitalisten, denen schlussendlich sogar eine Koexistenz mit den Menschen in Aussicht gestellt wird. Survival of the Dead nutzte die Untoten geschickt als Ablenkungsmanöver der letztlich um den US-amerikanischen Ursprungsmythos kreisenden Besitzansprüche seiner menschlichen Figuren. Und Diary of the Dead ist mindestens der bessere [REC] – wenn schon Found Footage, dann wenigstens in klug.

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