Yakimono

Wir schauen Hannibal - Staffel 2, Folge 7

13.04.2014 - 08:50 UhrVor 8 Jahren aktualisiert
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Pünktlich zur Halbzeit der zweiten Staffel präsentiert uns Bryan Fuller ein spektakuläres Mini-Finale, das die Münder offen stehen lässt. Yakimono dürfte so einige Zuschauer aus unerwarteter Richtung ziemlich überrumpelt haben.

Wir haben die Halbzeit der zweiten Hannibal -Staffel hinter uns und wie erwartet, wird dieser Zeitpunkt von Bryan Fuller mit einem ordentlichen Knall markiert. In gewohnt wunderschöner Bebilderung wird Dr. Hannibal Lecter vor unseren Augen immer mehr zum allwissenden, omnipotenten Teufel. Logik-Verfechter werden auch in Yakimono einiges finden, woran sie sich stören können, doch unterm Strich haben wir es hier mit einem weiteren famosen Beitrag zu einer ohnehin herausragenden Staffel zu tun.

Wie erwartet hat Miriam Lass (Anna Chlumsky) nicht direkt zu handfesten Beweisen geführt, die Hannibal (Mads Mikkelsen) als Chesapeak Ripper entlarven würden. Im Gegenteil: Sie entlastet Dr. Lecter und ist schlussendlich sogar davon überzeugt, dass Dr. Chilton (Raúl Esparza) für den Verlust ihres Armes verantwortlich ist, was sie dazu bringt, ihm im Affekt ins Gesicht zu schießen. Jack (Laurence Fishburne) lässt sich von ihrer felsenfesten Überzeugung jedoch nicht allzu sehr beeinflussen und behält weiterhin ein Auge auf Hannibal. Dieser zeigt seine scheinbar grenzenlose Kraft, indem er Dr. Chilton auf gewohnt perfide Weise ein paar Morde anhängt. Der ganze Trubel hat jedoch zumindest für Will (Hugh Dancy) etwas Gutes – er wird aus der Haft entlassen und wirkt dementsprechend frischer und klarer als jemals zuvor. Natürlich ist er nach wie vor davon überzeugt, dass Hannibal Menschen schlachtet und isst und hat infolgedessen offensichtlich einen neuen Plan ausgeheckt, welcher damit beginnt, die Therapie bei Dr. Hannibal Lecter erneut aufzunehmen.

Dass sich Bryan Fuller und sein Autorenteam nicht gerade religiös an ihre Vorlage halten, haben wir spätestens mit dem Mord an Beverly Katz (Hettienne Park) gemerkt, die eigentlich auch später noch am Leben sein sollte. Da ihr Charakter dort aber ohnehin eher nebensächlich ist, war ihr Ausscheiden nicht besonders dramatisch. Sollte Frederick Chilton aber tatsächlich tot sein, wäre das ein enormer Eingriff in den bekannten Hannibal-Handlungsverlauf. Diesen Mut würde ich Bryan Fuller nicht nur zutrauen, sondern auch begrüßen, da es eine potentiell spannende Neuinterpretation des Stoffes bedeuten könnte, sollte die Serie nicht vorzeitig eingestellt werden. Wir erinnern uns, Bryan Fuller hat die Show ursprünglich mal für sieben Staffeln ausgelegt, was ihn chronologisch wohl auch bis zu der aus Das Schweigen der Lämmer bekannten Storyline führen würde. Diese dann einfach nur in Serienform nachzuerzählen, wäre denkbar unkreativ und würde auch gar nicht zu Bryan Fuller passen.

Ob Chilton tatsächlich tot ist, bleibt jedoch abzuwarten. In einem Interview reagierte Bryan Fuller auf den Versuch des Reporters, über Chiltons unerwarteten Tod zu reden, bloß mit “[Frank] Serpico hat einen Schuss ins Gesicht überlebt.” Es ist also nach wie vor alles offen im Hannibal-Universum. Meinetwegen darf Chilton ruhig noch ein paar Episoden mit uns verweilen, vor allem nachdem Raul Esparza in Yakimono nochmal ordentlich auftrumpfte. Der Gang durch seine blutdurchtränkte Wohnung und das anschließende Gespräch mit Will gehörten zu den Glanzlichtern der heutigen Episode. Wobei fairerweise dazu gesagt werden muss, dass Ersteres wohl vor allem auf das Konto der Kamera- und Ausstattungsarbeit geht, die einfach nicht genug gelobt werden kann. It’s theatre bemerkt Jack an einer Stelle und er könnte genauso gut über die Show als Gesamtes sprechen, wobei Oper wohl der passendere Begriff wäre. Pompös, poetisch, stets over-the-top und genau deshalb so verdammt reizvoll.

Da macht es auch überhaupt nichts aus, dass in Zuge von Hannibals Stilisierung als allmächtiger Dämon die Rücksicht auf irdische Logik über Bord geworfen wird. Natürlich darf mit der Stirn gerunzelt werden, wenn FBI-Agenten Hannibal gegenüber regelmäßig wie ein Haufen Praktikanten erscheinen. Auch Chiltons Reaktion auf die Leichen in seinem Haus ist fragwürdig. Schließlich haben wir es hier mit einem intelligenten Mann zu tun, der eng mit dem Gesetz zusammenarbeitet. Seine dämliche Flucht vor Jack und die damit einhergehende Festnahme wurde sichtlich gezwungen eingebaut, um den Handlungsverlauf voranzupeitschen. Das kann alles kritisiert werden, jedoch ist es eben auch ein leichtes, darüber hinweg zu sehen. Schließlich macht es einfach höllisch viel Spaß.

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