Was wir von Ruby Rose und dem Batwoman-Backlash lernen müssen

Ruby Rose in John Wick: Kapitel 2
© Concorde
Ruby Rose in John Wick: Kapitel 2
14.08.2018 - 10:30 UhrVor 9 Monaten aktualisiert
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Nach einem kleinen Backlash, der Ruby Roses Casting als Batwoman im Visier hatte, löschte sich die Schauspielerin auf Twitter. Der Vorfall zeigt einmal mehr, dass wir noch viel zu lernen haben.

Wer denkt, dass es Vorurteile gegenüber dem Auftreten und der Sexualität nur unter Heterosexuellen gibt, liegt falsch. Ruby Roses Ausstieg von Twitter, nachdem ihr von ein paar Leuten aus der LGBTQ+-Community vorgeworfen wurde, "nicht lesbisch genug" zu sein, um Batwoman zu spielen, zeigt einmal mehr eine Herausforderung auf, vor der keine sexuelle Orientierung gefeit ist: die Unterrepräsentation.

Als Konsequenz dessen passiert es immer wieder, dass kaum gesehene Communitys wie beispielsweise Bi-, A-, Pan-, Homosexuelle und Transmenschen, die zu Recht fordern, gesehen zu werden, sich unter dem Stempel "LGBTQ+" (Lesbian, Gay, Bi, Trans, Queer, +) um den einzigen Platz am Hollywood-Tisch prügeln müssen.

Hier geht es um mehr als Batwoman

Ruby Rose wurde letzte Woche für die Rolle der neuen The CW-Heldin Batwoman gecastet, eine lesbische Superheldin mit dem bürgerlichen Namen Kate Kane. Geplant ist ein Auftritt in einem Arrowverse-Crossover und danach möglicherweise eine eigene Serie. Für Ruby Rose selbst geht damit ein Kindheitstraum in Erfüllung, wie sie bei Instagram schreibt:

Dafür, so etwas im Fernsehen zu sehen, wäre ich gestorben früher, als ich ein junges Mitglied der LGBT-Community war, das sich nie repräsentiert gefühlt hat im Fernsehen, sondern allein und anders als die anderen.

Abgesehen von homophoben Gegenstimmen zur Figur und möglichen Serie an sich sowie Zweifeln an ihren schauspielerischen Fähigkeiten gab es in der LGBTQ+-Community selbst ein paar Anmaßungen, Ruby Roses sexuelle Orientierung und Glaubwürdigkeit anzuprangern.

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Ein paar Stimmen, die sich gegen das Casting von Ruby Rose als Batwoman aussprachen, nannten unter anderem, dass die Schauspielerin keine Jüdin sei wie Kate Kane in der Vorlage. Warum sich Ruby Rose aber letztendlich von Twitter gelöscht hat, weil sie sich persönlich angegriffen fühlte, waren Vorwürfe "nicht lesbisch genug" zu sein. Etwas, dass die mit 12 geoutete Schauspielerin ihr bisheriges Leben immer andersrum vorgeworfen bekam: nicht hetero genug zu sein. Eine Twitter-Nutzerin fasst ihre enttäuschten Erwartungen zusammen:

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Nicht nur identifiziert sich Ruby Rose nicht als lesbisch, sie ist auch nicht jüdisch. Also ... haben sie quasi gelogen, dass sie eine Schauspielerin wollen, die Diversität repräsentiert, um Batwoman treu zu bleiben und stattdessen eine 'heiße' weiße Person genommen, die nicht allzu lesbisch ist, um Heterosexuelle zu vergraulen.

Unter dem Hashtag #RecastBatwoman  läuft bereits eine Kampagne gegen Ruby Rose als Batwoman, die lieber Schauspielerin Ashley Platz an ihrer Stelle sehen würde. Hier prallen zurecht frustrierte Individuen aufeinander, deren Stimme sich in der Öffentlichkeit und der Popkultur nie formen durfte, wie es bisher fast ausschließlich weißen Cis-Männern vorbehalten war. Doch Zeiten ändern sich.

Es darf immer nur eine anders sein

Die Marginalisierung großer Teile unserer Gesellschaft in den Medien ist im Wandel, sonst hätte sich eine Formierung wie Time's Up nicht öffentlichkeitswirksam zusammenfinden können. Sie steht jedoch erst am Anfang. Bittere Tropen wie das "Schlumpfinen-Prinzip", dass es nur eine Frau inmitten einer Gruppe an Männern geben kann, sind weiterhin gang und gäbe. Serien- und Film-Hits wie Stranger Things und Es zeigen, dass die Reduzierung der halben Menschheit auf den Personentyp "Frau" kein Kriterium ist, um nicht einzuschalten.

Diese Vereinfachung, die eine Frau bzw. dieser eine Nicht-Mann zu sein, erfahren ebenso sämtliche Mitglieder der LGBTQ+-Community. Nur selten ist Platz für mehr als eine Nicht-Heterosexuelle Person in einer Produktion, geschweige denn für überhaupt eine.

Ruby Rose in Meg
"Wenn Frauen und wenn Minderheiten sich zusammentun, sind wir unaufhaltbar", schrieb Ruby Rose auf Twitter, bevor sie sich löschte. Wie eine Studie der GLAAD von 2017 

zeigt, liegt diese oft fälschlicherweise als kleine Minderheit abgetane LGBTQ+-Community bei den 20-jährigen bei 20 Prozent, das ist jeder Fünfte. Umso älter die Personen der Studie sind, desto weniger identifizieren sie sich als LGBTQ+. Deshalb sind ältere Menschen prinzipiell nicht weniger queer als jüngere.

Stattdessen sind sie in einer Zeit aufgewachsen, in der es bedeutend schwieriger war, ihre Sexualität zu reflektieren. Geschweige denn, nicht das Gesetz zu brechen, indem sie ihren Gefühlen nachgehen. Gefühle, die sich bei solch einer Unterdrückung festigen, lassen sich nicht in einer einzigen Lebensspanne wieder ablegen. "[...] Wenn wir uns gegenseitig niederreißen, ist es weitaus schmerzvoller als von irgendeiner Gruppe", teilt Ruby Rose ihren Schmerz mit. Auch andere Twitter-Nutzer fühlen sich dadurch in ihrer Identität angegriffen.

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Ich bin schockiert von all dem Hass für Ruby Rose 'nicht lesbisch genug' zu sein für TERF (Trans-Exclusionary Radical Feminist) -Batwoman-Fans. Genderfluide Leute bekommen keine Pause von euch wütenden Puristen, oder?

Das Verständnis muss sich wandeln

Auch der letzte Backlash, dem sich Ruby Rose vor wenigen Jahre ausgesetzt sah, als sie in Orange Is the New Black als Affäre von Hauptfigur Piper einem breiteren Publikum bekannt wurde, war letztlich ein Symptom von Normierung und Unterrepräsentation. Viele Frauen, die sich als heterosexuell identifizierten, schrieben davon, dass Ruby Rose sie "lesbisch mache". Einige queere Frauen störten sich damals an diesem problematischen Verständnis, wie Buzzfeed  schrieb, da sexuelle Orientierung nicht "gemacht wird", sondern ist.

Vielmehr bestätigt es, dass sich zahlreiche Leute nicht genug mit ihrer Sexualität auseinandersetzen und sich mit genormten Kategorien abgeben, wie sie in den Medien fast ausschließlich zu sehen sind. Wenn dann etwas nicht in die Schublade passt, wie eine genderfluide Schauspielerin, die sie anziehend finden, ist die Verwirrung verständlicherweise groß. Ebendiese Angst, dass Menschen unreflektiert an das Thema Homosexualität herangehen, kam beim Casting von Roby Rose als Batwoman erneut hoch, schreibt Romper .

Ruby Rose (rechts) in Orange Is the News Black

Jetzt ist die Chance da für Repräsentation: die erste Superhelden-LGBTQ+-Hauptrolle im Zeitalter des Superhelden-Booms. Eine offen lesbische Superheldin kommt ins Fernsehen. Batwoman wäre nach Arrow, The Flash, Supergirl und Legends of Tomorrow die fünfte Serie des Arrowverse beim Sender The CW. Den ersten Auftritt in dieser Rolle hat Ruby Rose beim nächsten großen Crossover-Event der Serien im Dezember.

Ob die Serie Batwoman überhaupt gedreht wird, hängt sicherlich vom Erfolg und der Annahme der Fans ab. Batwoman ihre eigene Serie zu geben, ist ein weiterer wichtiger Schritt in der Repräsentation von LGBTQ+ in Film und Fernsehen. Anstatt die negativen Gefühle bei dieser TV-Adaption auszulassen, sollte Repräsentation jeglicher Minderheiten gefordert werden. Niemand sollte den Druck verspüren, gegeneinander um Sichtbarkeit kämpfen zu müssen.

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