WandaVision ist mit seiner phänomenalen Bösewichtin total überfordert

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13.03.2021 - 09:00 UhrVor 11 Monaten aktualisiert
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Das WandaVision-Finale leidet unter einem altbekannten Marvel-Problem. Das ist aber überhaupt nicht schlimm, denn Kathryn Hahn gibt uns tausend Gründe, um darüber hinwegzusehen.

Die Punktlandung hat WandaVision nicht vollbracht. Nach acht starken Episoden kam die erste Marvel-Serie auf Disney+ in den entscheidenden Minuten ins Schleudern und leistete sich einige ärgerliche Patzer. Dazu gehört auch der Umgang mit der Bösewichtin, die am Ende unerwartet schwach und austauschbar wirkt. Zum Glück haben wir Kathryn Hahn.

Achtung, es folgen Spoiler zu WandaVision.

WandaVision tappt in eine bekannte Marvel-Falle

Nach über zehn Jahren ist es kein Geheimnis: Richtig gute Bösewicht*innen sind im Marvel Cinematic Universe eine Rarität. Auf jeden Loki kommen zehn Malekiths und wenn ihr jetzt nicht wisst, wer das ist - keine Panik. Das ist ein Teil des Problems. Viel zu oft werden die Gegenspieler*innen in zweckdienliche Rollen gedrängt, obgleich hinter den Figuren durch die Bank großartige Schauspieler*innen stehen.

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Auch WandaVision tappt in die Falle und beschwört ein Finale, dessen Größe meist nur Behauptung ist. Darunter leidet besonders Agatha Harkness, die zuvor noch eine ganze Episode allein mit der Protagonistin der Serie für sich beanspruchen durfte. Beim Showdown muss sie jedoch um jede Sekunde Screentime kämpfen. Das hat nichts mit der Agatha aus den vorherigen Folgen zu tun.

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In einer Serie voller rätselhafter Ereignisse war Agatha bzw. Agnes von Anfang an eine der faszinierendsten Erscheinungen. Eingeführt als überschwänglich freundliche und neugierige Nachbarin, die einfach in die Wohnung platzt, wie es ihr passt, verwandelte sie sich in das unberechenbarste Element von WandaVision.

Und das, obwohl sich die Geschichte eigentlich um Kontrolle und Verdrängung dreht.

WandaVision: Kathryn Hahn lässt außer Rand und Band

Wanda erschafft ihre eigene Realität, um den Schmerz zu vergessen, den sie erlebt hat. Die Kleinstadt Westview verwandelt sie in eine Sitcom-Idylle, durch die kurzerhand auch Vision fliegt, obwohl er eigentlich tot ist. Wanda bestimmt über die Zeit, das Setting und jeden Handlungsstrang - jeden außer einen: den von Agatha. Ob sie will oder nicht: Kathryn Hahn ist immer da. Für uns Zuschauende ist es ein Segen.

Viele Dinge in WandaVision sind unmittelbar mit der MCU-Geschichte verknüpft. Avengers 2: Age of Ultron entpuppt sich als wichtigster Schlüsselfilm. Mitunter reichen die roten Fäden reichen noch weiter zurück - bis zum allerersten Iron Man. Von dieser gewaltigen MCU-Masse lässt sich Kathryn Hahn jedoch keineswegs beeindrucken. Sie sabotiert die Handlung im gleichen Maße, wie sie diese antreibt.

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Kein Wunder, dass das populärste Agatha-Meme auf jener Szene beruht, in der Kathryn Hahn die vierte Wand durchbricht und dem Publikum mit einem mehr als offensichtlichen Zwinkern verrät, dass nichts so ist, wie es scheint. Die MCU-Filme wurden schon immer von einer Tendenz begleitet, nicht alles ernst zu nehmen. Kathryn Hahn bringt den lockeren Umgang mit der Mythologie auf ein völlig neues Level.

Agatha All Along: Unterschätzt niemals Kathryn Hahn

Hahn platzt in WandaVision herein als jemand, der irgendwo schon mal etwas von diesem MCU aufgeschnappt hat, sich vor allem aber darauf freut, in den verschiedenen Sitcom-Kulissen der Serie auszutoben. Hexenkräfte? Kein Problem, immer gerne her damit! Hauptsache, es macht diesen Trip durch die Comicwelt noch verrückter. Im perfekt geordneten MCU ist Kathryn Hahn die hingebungsvollste Unruhestifterin.

Damit tritt sie als energiegeladene Gegenpol zu Elizabeth Olsens Scarlet Witch auf, deren Entscheidungen von Trauer und Schmerz beeinflusst sind. Kathryn Hahn kann es gar nicht erwarten, in den letzten Sekunden der siebten Episode ihren jetzt schon ikonischen Theme-Song Agatha All Along zum Besten zu geben. In diesem offenbart sie sich als ultrafieses Mastermind hinter all den schrecklichen Ereignissen in Westview.

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Sogar Sparky hat sie getötet! Ein herrlicher Twist, der sehr schön auf der Metaebene funktioniert und unmissverständlich eine Botschaft transportiert: Unterschätzt niemals Kathryn Hahn. Seit Jahren liefert sie absolut herausragende Arbeit ab, egal ob in Filmen oder im Fernsehen. Selten bekommt sie dafür die Aufmerksamkeit, die sie verdient. Ohne sie wären die meisten Projekte jedoch deutlich ärmer.

Marvel traut sich nicht, Kathryn Hahn komplett zu entfesseln

Im WandaVision-Finale darf sie keine ihrer Stärken ausspielen. Binnen weniger Minuten verwandelt sie sich von einem Loki, der uns mit jedem gespaltenen Wort aus seinem Mund in den Bann zieht, in einen austauschbaren Malekith, der zwischen tosenden CGI-Effekten lediglich als Stichwortgeber fungiert. Es fühlt sich an, als wäre Marvel überfordert, den Joker Kathryn Hahn richtig einzusetzen. Er wird einfach gespielt - und verpufft.

Viel zu oft haben wir das in der Vergangenheit im MCU erlebt. Zuerst entzückt ein unerwarteter Casting-Coup, dann werden die Talente an den Rand gedrängt und in Schablonen gepresst. Kathryn Hahn bleibt dieses Schicksal leider nicht erspart. Bevor es so weit ist, beweist sie sich acht Episoden lang als herrliche Szenendiebin, die furchtlos wie munter ihre Schauspielenergie im MCU entlädt.

Dabei beeindrucken nicht nur Dinge wie das ausgestellte Zwinkern. Hahn schöpft aus einem bemerkenswerten Fundus unterschiedlichster Comedy-Rollen, bei denen ebenfalls Platz für tragische Zwischentöne ist. Nicht zuletzt versteckt sich in ihrer Agatha die gleiche Einsamkeit, die Wanda verzehrt. Sie ist ihr allerdings nie entkommen. Das ist die famose Kathryn Hahn in WandaVision, die wir in Erinnerung behalten sollten.

Podcast: Ist WandaVision besser als die MCU-Filme?

Die Marvel-Serie WandaVision wurde so lang und intensiv diskutiert wie kaum ein anderes Projekt aus dem MCU. In dieser Folge von Streamgestöber dreht sich alles um die Besonderheiten der Serie.

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Was unterscheidet WandaVision von anderen Marvel-Projekten? Wo liegen die Stärken und Schwächen der Serie mit Elizabeth Olsen und Paul Bettany? Und ist sie vielleicht sogar besser als die Kinofilme aus dem MCU? Das alles erfahrt ihr im Podcast.

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