Vor diesem Tarantino-Fake-Film zittert Hollywood immer noch: Er hat Nicolas Cage, Werwölfe und spielt im Zweiten Weltkrieg

19.11.2023 - 17:35 UhrVor 12 Tagen aktualisiert
Werewolf Women of the SS
Universum Film/Senator
Werewolf Women of the SS
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Werwölfe, Nazis und Dr. Fu Manchu in einem Film? Seit Jahren warten Tarantino-Fans auf die Langfilm-Version eines abgefahrenen Fake-Trailers aus dem Grindhouse-Projekt.

Nach der Vollendung seines Rache-Epos Kill Bill leitete Quentin Tarantino eines der besten Projekte seiner Karriere in die Wege. Gemeinsam mit dem befreundeten Regie-Kollegen Robert Rodriguez wollte er das Grindhouse-Kino der 1970er Jahre zu neuem Leben erwecken und konzipierte ein blutiges Double-Feature, das sich aus dem Action-Thriller Death Proof und dem Zombie-Film Planet Terror zusammensetzt.

Um die Hommage zu perfektionieren, wurden fünf Trailer gedreht, die weitere Exploitation-Filme anteasten, obwohl diese 2007 zum Kinostart gar nicht existierten. Der Zuspruch war so groß, dass diese Woche mit Thanksgiving der inzwischen dritte Fake-Trailer einen richtigen Film erhält. Zuvor erschienen Machete und Hobo with a Shotgun. Um einen der Trailer wird aber ein großer Bogen gemacht: Werewolf Women of the SS.

Werewolf Women of the SS verspricht Naziploitation mit Nicolas Cage als Dr. Fu Manchu

Es ist der mit Abstand bizarrste Fake-Trailer, der im Zuge von Grindhouse entstanden ist. Regisseur Rob Zombie, der damals absolut verdorbene Horror-Filme wie Haus der 1000 Leichen und The Devil's Rejects vorweisen konnte und sein Halloween-Remake ins Kino brachte, zeichnet für das rund fünfminütige Video verantwortlich, das in den Zweiten Weltkrieg entführt und von finsteren Nazi-Experimenten werden erzählt.

Udo Kier als Franz Hess in Werewolf Women of the SS

Im Mittelpunkt der Geschichte von Werewolf Women of the SS befindet sich der von Udo Kier gespielte Kommandant Franz Hess, der im Death Camp 13 alles daran setzt, um den Übermenschen zu schaffen. Zwischen Lichtblitzen im Labor und einer Cabaret-Vorstellung gibt es reichlich Gewalt und Sex, gemischt mit einer ordentlichen Portion Sadismus und Folter – alle markanten Merkmale eines sogenannten Naziploitation-Films vereint.

Der Titel des Trailers benennt das große Vorbild in der Kinogeschichte ganz klar: Ilsa, She Wolf of the SS aus dem Jahr 1975. Das Subgenre des Exploitation-Films wurde von verwegenen Autorenfilm-Meisterwerken wie Die Verdammten, Der Nachtportier und Die 120 Tage von Sodom inspiriert. Als wäre Naziploitation nicht genug, mixt Rob Zombie eine von rassistischen Vorurteilen geprägte Figur dazu: Dr. Fu Manchu, gespielt von Nicolas Cage.

Werewolf Women of the SS würde als Kinofilm die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten

In Werewolf Women of the SS kommt alles zusammen, was man im Kino nicht ohne Bedenken zeigen kann. Genau das macht den Fake-Trailer in Hinblick auf das popkulturelle Vermächtnis von Grindhouse so interessant. Wo Machete, Hobo und Thanksgiving in perfekt auf Tarantino-Fans zugeschnittene Filmprojekte umgewandelt wurden, ist hier 16 Jahre später immer noch ein Widerstand zu spüren.

Nicholas Cage als Dr. Fu Manchu in Werewolf Women of the SS

Mit Dead Snow, Iron Sky und Frankenstein's Army hat es in den vergangenen Jahren zwar durchaus Filme gegeben, die von der Ästhetik des Naziploitation-Kinos inspiriert wurden. Keine der genannten Weiterentwicklungen des Genres hat sich jedoch ansatzweise an die Grenzüberschreitungen gewagt, die in Rob Zombies Fake-Trailer brodeln. Genau diese schamlose Provokation war aber der größte Reiz des Projekts.

Wie weit gehen sie wirklich?

Trotz der Erfolgsgeschichte, dass aus fünf Fake-Trailern drei abendfüllende Spielfilme geworden sind, muss diese Frage bis dato mit einem "nicht sehr weit" beantwortet werden. Es ist bezeichnend, dass neben dem kreativen Mastermind Edgar Wright (Fake-Trailer: Don't) genau der Regisseur nie seine Film-Version drehen konnte, der mit seinen Filmen wirklich schon in die verdorbene Seele des Kinos geblickt hat: Rob Zombie.

Die Fake-Trailer-Maschine produziert fleißig weiter, ohne sich auf das Abseitige ihres Ursprungs einzulassen

Bei Machete und Co. sind Filme herausgekommen, die dem rohen, rauen Charakter ihrer Kino-Vorbilder kaum das Wasser reichen können. Zombie hat dagegen bewiesen, dass er selbst in einer der ikonischsten Slasher-Reihen einen richtigen Ausreißer inszenieren kann. Halloween II aus dem Jahr 2009 entfaltet sich jenseits von Gut und Böse in verstörenden Albtraumbildern, die man nicht mehr so schnell vergisst.

Ob Werewolf Women of the SS ein guter Film werden könnte, ist natürlich fraglich. Der entscheidende Punkt ist aber: Das Risiko, ihn umzusetzen, ist offenbar zu groß. Aus der Liebeserklärung an das Grindhouse-Kino in seiner gesamten Abwegigkeit ist ein Quasi-Franchise geworden, das genauso wenige Wagnisse wie Marvel und Co. eingeht. Die Marke wird gepflegt, aber niemand traut sich, die ursprüngliche Idee konsequent zu Ende zu denken.

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