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Interview

Von Köchen und Herrschern Lippels Traum von Produzent Ulrich Limmer

07.10.2009 - 12:00 Uhr
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© Universum Film
Vier Mal hat er bereits mit Paul Maar zusammengearbeitet und dessen Bücher auf die Leinwand gebracht. Jetzt bringt Ulrich Limmer auch Lippels Traum in die deutschen Kinos. Wir haben für Euch ein Interview mit dem Produzenten.

Ulrich Limmer brachte uns nicht nur die Sams-Filme oder andere Kinderfilme wie Herr Bello und Räuber Hotzenplotz. Er war auch Produzent von gänzlich erwachsenen Filmen wie Schtonk! von 1992, Bella Martha von 2001 und Gripsholm von 2000. Dieses Jahr produzierte er für uns den Familienfilm Lippels Traum. Hier spricht Ulrich Limmer über seine neueste Arbeit.

Sie arbeiten schon zum vierten Mal mit Paul Maar zusammen. Worin liegt das Geheimnis Ihres erfolgreichen Teamworks?

Wir beherzigen das Motto von Billy Wilder, dessen Drehbücher ja auch immer im Autorenduo entstanden sind. Wenn einem der beiden Autoren die Szenenidee des Anderen nicht gefällt, wird sie sofort fallengelassen und eine neue Idee gesucht. Andernfalls gibt es Streit. So ist es uns gelungen, uns in den neun Jahren, die wir schon gemeinsam schreiben, kein einziges Mal gestritten zu haben. Wir sind im Gegenteil gute Freunde geworden. Außerdem: bei unseren mehrwöchigen Klausuren hat sich Paul Maar als hervorragender Koch herausgestellt. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Haben Sie in Moritz Bleibtreu zuerst den alleinerziehenden Koch oder den orientalischen Herrscher erkannt?

Tatsächlich verbindet man mit Moritz Bleibtreu eher den orientalischen Herrscher, als den alleinerziehenden Koch. Er hat noch keinen Vater eines frühpubertierenden Jungen gespielt. Für ihn also eine Premiere. Aber das ist genau der Grund, warum er die Idealbesetzung ist: Wir wollten die ausgetrampelten Wege verlassen und von einem jungen Vater erzählen, der sich auch als Meisterkoch unkonventionell gibt – so wie beispielsweise Jamie Oliver. Übrigens hat Moritz Bleibtreu einmal eine Kochlehre begonnen – und ist dann lieber Schauspieler geworden. Zu unserem Glück!

Was macht Karl Karl-Alexander Seidel zum perfekten Lippel?

Als wir ihn auf dem Castingband gesehen haben, stand er für uns sofort als Besetzung fest. Er ist kein kleines Kind mehr, aber noch kindlich genug, um seinen Vater ungern auf Reisen zu schicken. Alexander ist ungemein sympathisch, freundlich und offen. Und trotzdem umweht ihn etwas Geheimnisvolles, was vermuten lässt, dass auch er ein Träumer ist. Und all diese Eigenschaften gepaart mit einem großen schauspielerischen Talent machen ihn zu einem perfekten Lippel. Und wenn man sich die Zeichnungen von Paul Maar im Kinderbuch anschaut, glaubt man, er hätte Alexander als Vorbild gehabt.

Sie sind einer der Mitbegründer der Welle erfolgreicher deutscher Familienfilme, von Räuber Hotzenplotz bis zum Das Sams. Wo liegen für Sie die weiteren Entwicklungsmöglichkeiten des Genres?

Nach den großen Erfolgen dieses Genres war man der irrigen Meinung, man hätte nun ein Patentrezept für Markterfolg gefunden. Natürlich ist das nicht der Fall. Patentrezepte gibt es nicht. Der Kinomarkt wurde in den beiden letzten Jahren von deutschen Familienfilmen überschwemmt. Und manch ein Film ist unter den Erwartungen geblieben. Und das in einen Umfeld, das gerade auch in diesem Genre von den amerikanischen Majors beherrscht wird. Das hat nun zu einer großen Vorsicht diesem Genre gegenüber geführt. Unberechtigterweise.

Ich habe mich sehr früh in diesem Genre bewegt und werde ihm auch weiterhin, neben meinen anderen Projekten, treu bleiben. Aber natürlich eignet sich nicht jede Idee für einen Film. Man muss sich bei jedem Projekt die gleichen Fragen stellen: Wie schafft es unsere Geschichte in diesem heiß umkämpften Markt zu überleben? Wie unterscheidet sich unser Film von den amerikanischen Großfilmen? Wie unterscheiden wir uns von dem, was man täglich im Fernsehen zu sehen bekommt? Wenn man sich diese Fragen vor Augen hält, kommt man sehr schnell auf die Idee von Literaturverfilmung, auf die Idee von Exotik, auf die Idee von Poesie. Und in unserem konkreten Fall: auf Lippels Traum.

Lippels Traum startet am 8. Oktober 2009 in den deutschen Kinos.

Mit Material von Universum Film.

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