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The Greasy Strangler – Ein sehr fettiger Kannibalenfilm

The Greasy Strangler - Der Bratfett-Killer
© Tiberius Film
The Greasy Strangler - Der Bratfett-Killer
moviepilot Team
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Meint es gut mit den Menschen.

Big Ronnie (Michael St. Michaels) ist der schmierige Würger, ein etwa 70-jähriger Mann mit ausgeprägtem Verlangen nach Fett. Nicht genug kann ihm Sohn Brayden (Sky Elobar) davon auf den Frühstücks- und überhaupt jeden Teller kippen, gern hätte er sogar im Kaffee zwei, drei kräftige Spritzer Öl. Das eine führt zum wahrscheinlich konsequent anderen: Verweigert jemand Ronnies triefende Extrawünsche, stranguliert er ihn zu Tode und brutzelt sich des Opfers Augen in der Pfanne. Jagd auf unliebsame Menschen macht der schmierige Würger vorzugsweise nackt und von oben bis unten in Bratpampe getränkt. Für ständigen Nachschub sorgt eine Ölmaschine aus dem heimischen Schlafzimmer, zur porentiefen Reinigung geht es in die örtliche Autowaschanlage. Der dortige Betreiber ist glücklicherweise blind und schöpft unglücklicherweise keinen Verdacht, wenn Ronnie ihm gebasteltes Geld vor die Füße wirft. Das alles erzählt The Greasy Strangler in wenigen Minuten. Sie wollen zeigen, dass die Dinge hier etwas anders laufen, meist neben der Spur und ziemlich aus dem Ruder. Ein Film ohne Vergleich, wertfrei gesagt.

Das Langfilmdebüt von Jim Hosking gibt wundersame Rätsel auf. Schnell beantwortet wird einzig die Frage nach der Identität des vom deutschen Verleih zutreffend betitelten Brattfett-Killers – ein Whodunit ist The Greasy Strangler bei allem, was zu sein er angesichts zahlreicher deliranter Genreabzweigungen in Aussicht stellt, am wenigsten. Das Offensichtliche gerinnt zum wiederkehrenden Gag: Big Ronnie, an dem mit eindrücklich vorgeführter Prothesenarbeit tatsächlich manches sehr big ist, bringt seine mörderische Lust immer wieder selbst ins Gespräch, um sie energisch zu verneinen. Das ist ausgesprochen lustig, jedenfalls schön beknackt, und liegt ganz auf Linie der sowieso stets ungefragten Einblicke in die Figur (beziehungsweise: ihrer Anblicke). Als scheinbar nur den Kuriositäten des Drehbuchs verpflichteter Witz auf zwei Beinen wird der mit selbstverständlichem Realismus gespielte Charakter kein Stück begreifbar. Big Ronnie ist pure Idiosynkrasie. Und eine reizvolle Figur auch deshalb, weil sie sich irgendwie über die amüsanten Zweckdienlichkeiten des Films hinwegsetzt.

Ihr Gegenstück, sehr wörtlich zu verstehen, ist Sohnemann Brayden (bei ihm hatten die Prothesenmacher ungleich weniger zu tun). Ronnie kostet die Minderwertigkeitskomplexe seines Zöglings genüsslich aus, daheim hat die Hosen an, wer ständig ohne zu sehen ist. Gemeinsam organisieren die beiden eine rundum sonderbare Disco-Tour mit pinken Klamotten, bei der Brayden sich in die robuste Janet (Elizabeth De Razzo) verliebt. Weil der empfindsame Sohn dem virilen Ronnie aber vor allem sexuell unterlegen ist, findet seine neue Freundin zügig Gefallen am ranzigen Charme des Vaters. Da stehen dann zwei splitternackte Menschen im Raum und singen "Hootie Tootie Disco Cutie", es fallen denkwürdige Sätze wie "I am the Spider-Man of Cock Town and the Tarzan of Cum Jungle". Nicht aus derben visuellen Gags, sondern unwahrscheinlichen Dialogen und der Art ihrer Darbietung gewinnt The Greasy Strangler seine groteske Vergnüglichkeit. In die deutsche Synchronisation werden Beschimpfungen wie "Bullshit-Artist", "Colonel Crapper" oder "Sergeant Shizzly" kaum hinüberzuretten sein.

Es gibt freilich Filme, deren absurder Humor zur Masche gerinnt, wenn randomisierte Komik den entscheidenden Unterschied zwischen Willkür und Widerspenstigkeit verkennt. Oft heften sie sich das Label "Kult" vorsorglich selbst an und bemühen einen Surrealismus, der genauso schranken- und uferlos wie beliebig und austauschbar scheint. The Greasy Strangler ist kein solcher Film, obschon er alle Voraussetzungen dafür mitbringt (es hängt vom persönlichen Geschmack ab, ob die gezogenen Vergleiche mit Regisseuren wie John Waters oder Quentin Dupieux ihm zur Ehre gereichen). Jim Hosking interessiert sich auf die ihm eigene, also unterhalb der Gürtellinie gelegene Art für eine Verfremdung von Wirklichkeit, deren chauvinistische Skurrilitäten eigentlich nur männliche Unsicherheit und tief sitzenden Frauenhass freilegen. Im noch einmal besonders wüsten Schlussakt purzelt das Vater-Sohn-Gespann die Evolutionsleiter spektakulär herunter, nachdem "Hootie Tootie Disco Cutie" Janet das plötzlich gar nicht mehr so ulkige Vater-Sohn-Gespann kräftig durcheinander gebracht hat.

Gewissermaßen manövriert The Greasy Strangler sein Publikum in eine Sackgasse. Beim auf Schmalzproduktionen ganz anderer Art abonnierten Sundance Film Festival, wo er Anfang letzten Jahres uraufgeführt wurde, sollen die Zuschauer mehrheitlich noch vor Ende aus dem Kinosaal geflüchtet sein – weitgehend ratlos oder demonstrativ unbeeindruckt waren anschließend auch die meisten Kritiken. Das ist verständlich angesichts der "betäubend-monotonen Entschlossenheit zu nerven" (Variety) und dem Verzicht aufs "Momentum" (Hollywood Reporter), zugleich aber auch ein mögliches Indiz für den gerade nicht konsumerablen oder gefallsüchtig-absurden Humor des Films. Es braucht jedenfalls nicht viel, um sich intelligenter als ein Furzwitz zu fühlen, und doch manches, um sich 90 Minuten in die Hände eines offenbar durchgeknallten Geschichtenerzählers wie Jim Hosking zu begeben. Trash, im gewöhnlichen Sinne des gemeinhin überstrapazierten Begriffs, ist The Greasy Strangler nicht. Ein gewöhnungsbedürftiger, ziemlich gekonnter Spaß schon eher. "Kultkino" gibt es woanders.

The Greasy Strangler ist ab sofort auf DVD und Blu-ray erhältlich. Zum Gewinnspiel geht es auf der nächsten Seite.

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