The Alienist - Die Einkreisung beschert euch Albträume auf Netflix

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© TNT/Netflix
The Alienist - Die Einkreisung
19.04.2018 - 09:00 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
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Nachdem The Alienist Anfang des Jahres in den USA auf TNT ausgestrahlt wurde, bringt Netflix die Serienkiller-Serie nun zu uns nach Deutschland. Ob sich ein Blick ins verschneite New York des Jahres 1896 lohnt, verraten wir in unserem Serien-Check.

Ende des 19. Jahrhunderts liegt New York City in Schnee vergraben. Wir schreiben das Jahr 1896 und eine eigenartige Friedlichkeit liegt über der Stadt, die für gewöhnlich niemals schläft und in alltäglichen Geschäftigkeiten zu ersticken droht. Von all dem Tumult ist in den ersten Minuten von The Alienist - Die Einkreisung allerdings nichts zu merken. Der Winter hat die Einwohner fest im Griff und sorgt dafür, dass vereinzelte Schneeflocken in aller Seelenruhe und Erhabenheit auf den Boden fallen. Nach und nach türmen sie sich dort auf, verdecken den Schlamm und Matsch in den Straßen. Das Grauen, das im Inneren der unersättlichen Metropole schlummert, können sie trotzdem nicht verbergen. Schon bald tropft Blut auf das unschuldige Weiß und offenbart das Tor in eine finstere Gasse, aus der es kein Entkommen gibt. Ein Kind wurde getötet, auf grausamste Weise. Nicht einmal die Kälte der Nacht weiß dieses Verbrechen zu verstecken.

The Alienist dringt in den Schlund des dreckigen New Yorks vor

Wenn euch an diesem Punkt die Neugier gepackt hat, könnte The Alienist sehr gut eure nächste Serien-Obsession werden, denn die Verfilmung von Caleb Carrs gleichnamigen Bestseller aus dem Jahr 1994 setzt komplett auf die einnehmende Stimmung der faszinierenden Kulisse. Über zwei Dekaden hat es gedauert, um die Jagd auf einen geheimnisvollen Serienkiller zu adaptieren. 2018 ist es endlich so weit - allerdings nicht in Form eines aufwendigen Kinofilms, sondern als zehnteilige Dramaserie mit Daniel Brühl, Dakota Fanning und Luke Evans in den Hauptrollen. Bestellt von TNT, wo die 1. Staffel Anfang des Jahres in den USA ihre Premiere feierte, bringt Netflix das verstörende Ungetüm nun nach Deutschland und schockt mit dem Mord an einem Jungen, der sich als männliche Prostituierte verdingte. Die nachfolgenden Entwicklungen entfalten sich in einer Mischung aus Gangs of New York, The Knick und der 1. Staffel von True Detective.

The Alienist - Die Einkreisung

Die Vergleiche kommen nicht von ungefähr. The Alienist teilt sich hinsichtlich seines Settings viele Eigenschaften mit Martin Scorseses Gründer-Mythos und Steven Soderbergs fiebriger Krankenhausserie mit Clive Owen als unkonventionellen Chirurgen, von einer visuell vergleichbaren Ausrichtung ganz zu schweigen. Die Räume der Serie versinken in spärlichem Licht, was die unheimliche Atmosphäre steigert und stets einen Schleier der Ungewissheit über die Geschehnisse legt. Cary Fukunaga, seines Zeichens inszenatorische Kraft hinter besagter 1. Staffel von True Detective, ist derweil als treibende Kraft im Autoren- und Produzenten-Team aktiv, während ihm talentierte Regisseur vom Schlag eines Jakob Verbruggen zur Seite stehen. Dieser verwandelt die ersten drei Episoden von The Alienist in ein unterkühltes Unterfangen, wie er es bereits im Zuge von The Fall, London Spies und House of Cards getan hat.

Sich im Angesicht des Verbrechens entfremden

Was bei The Alienist dennoch auffällt: Trotz des mitunter majestätisch einfallenden Lichts will sich die Serie nie mit einer makellosen Oberfläche zufriedenstellen. Wie in der eingangs beschriebenen Eröffnungssequenz das Blut durch die schneeweiße Fassade dringt und vom verdorbenen Kern dieser Welt berichtet, findet The Alienist immer wieder Bilder, die den rohen Stein der Straße spürbar machen. Selbst wenn die Freiheitsstatue mit ihrer Fackel noch über die Häuser ragt, um die Dunkelheit zu erleuchten, offenbaren sich die unebenen Straßenzüge als Schluchten, in denen ein Sturzbach aus Schmutz und Dreck fließt. Kein Wunder, dass der Mensch - konkret in Form von Dr. Laszlo Kreizler (Daniel Brühl) - alles daran setzt, um sich in diesem Wirrwarr zu erkennen, zu definieren und vor allem gegenüber dem Anderen abzugrenzen. Schlussendlich ist er sich aber nur fremd und kann sich nicht darüber hinwegsetzen.

The Alienist - Die Einkreisung

Eigentlich ist es Dr. Kreizler, der in seiner Eigenschaft als Alienist die Menschen, die an mentalen Krankheiten leiden, von ihrer eigenen Natur entfremden soll, um eine möglichst erfolgreiche Heilung durchzuführen. Wenn sich Kreizler allerdings mit dem hedonistisch lebenden Illustrator John Moore (Luke Evans) auf die Suche nach dem Killer begibt, bewegt er sich - ähnliche wie zuletzt Jonathan Groff in Mindhunter - auf sehr dünnem Eis hinsichtlich seiner eigenen Verfassung: Wie tief kann er in den Verstand des Mörders eindringen, ohne sich selbst in diesem zu verlieren? Während sich The Alienist auf der einen Seite am brodelnden Amerika jener Zeit labt, entwirft die Serie auf der anderen einen psychologischen Thriller, der die Seelen seiner Figuren auf knarzenden Holzbalken in schwindelerregenden Höhen balancieren lässt und nur darauf wartet, dass eine endlich das Gleichgewicht verliert und in die dunkelste Grube der Hölle fällt.

Die 1. Staffel von The Alienist feierte am 21.01.2018 in den USA auf TNT ihre Premiere und ist seit dem 19.04.2018 komplett auf Netflix verfügbar. Als Grundlage für den Serien-Check dienten die ersten vier Episoden.

Habt ihr schon einen Blick in The Alienist - Die Einkreisung geworfen?

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