Tatort Kritik

Tatort - Ein Feuerteufel geht um in Hamburg

28.04.2013 - 21:45 UhrVor 9 Jahren aktualisiert
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Tatort - Feuerteufel
© NDR/ARD
Tatort - Feuerteufel
Mit ausgebrannten Autos, einer Frauenleiche und Bürgern, die das Gesetz selbst in die Hand nehmen, bekommt es Kommissar Falke in seinem ersten Tatort zu tun und schlägt sich trotz privater Probleme wacker.

In seinem ersten Tatort muss Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke den Tod einer Frau aufklären, die in einem Hamburger Nobelviertel neben einem ausgebrannten Auto gefunden wurde. Viel härter trifft den Katzen- und Stones-Liebhaber die Entscheidung seines besten Freundes, sich in den Innendienst versetzen zu lassen. Tatort: Feuerteufel ist kein überragender Einstand, dafür bleibt er in einigen Punkten zu oberflächlich, aber ein selbstbewusstes Debüt mit einer genauen Vorstellung der Milieus, in denen sich seine Figuren bewegen. Der Neuzugang Wotan Wilke Möhring lässt die durchwachsenen bis katastrophalen Erst- und Zweiteinsätze der letzten Monate fast vergessen.

Lokalkolorit: Beschauliche Vorstadthäuschen, hinter deren Mauern sich Ehedramen abspielen, die pieksauberen Straßen in Blankenese, in denen brennende Autos stehen und die Sozialwohnungen von Jenfeld und Billstedt bilden die Quadranten, in denen sich Täter, Opfer und Zeuge dieses Krimis bewegen. Obwohl Tatort – Feuerteufel (glücklicherweise) jeden Anflug einer sonntäglichen Sozialkunde-Stunde aus dem Weg geht, beweist Regisseur Özgür Yildirim (Chiko) nicht zufällig ein sicheres Gespür insbesondere für die Lebenswelt von Auto-Anzünder Ruben (David Berton), der im selben Viertel wie Falke aufgewachsen ist, aber sich im Verlauf des Krimis nach und nach die Chancen verbaut, wie dieser auszubrechen. In einem Tatort, der sich vor allem mit den Nöten seines Kommissars befasst, ist dies eine vergleichsweise elegante Lösung, uns die möglichen Eckpunkte von dessen Jugend näherzubringen.

Plot: In Hamburg Blankenese brennt wieder ein Auto, doch aus der Sachbeschädigung wird dank einer Frauenleiche Mord. Der junge Ruben hat die Karre angezündet, um seine Freundin zu beeindrucken und die ganze Schose auch noch gefilmt. Kommissar Falke wird mit dem Fall betraut, doch der Vollmilchjunkie muss erfahren, dass sein Kumpel und Partner Katz (!) (Sebastian Schipper) sich wegen der Schwangerschaft seiner Frau in den Innendienst versetzen lässt. Stattdessen muss (der einsame) Falke mit der Hospitantin Lorenz (Petra Schmidt-Schaller) auskommen, die er naturgemäß unterschätzt, weil sie jung/blond/gutaussehend/eine Frau ist. Währenddessen fühlen sich die gut betuchten Hamburger Bürger von der Polizei vernachlässigt und organisieren sich in Bürgerwehren; mit fatalen Konsequenzen.

Unterhaltung: In Tatort – Feuerteufel ermittelt Wotan Wilke Möhring, als hätte er noch nie etwas anderes gemacht. Selbst die obligatorischen skurrilen Eigenheiten (die Milch, die Katze, die Stones) wirken bei einem natürlich agierenden Darsteller wie Möhring nicht aufgesetzt. Sein Falke ist endlich mal wieder ein bodenständiger Tatort-Kommissar, ein Einzelgänger mit Bindungsangst, klar, aber eben kein psychisch labiles Genie, das sein Büro mit einem Baseballschläger zusammenkloppt, oder ein Strahlemann mit traumatischer Vergangenheit. Vielleicht wird er in einer der kommenden Episoden den Sohn treffen, den er noch nie gesehen hat, und die ein oder andere Frau, die mit seinem Lebensstil nicht klar kommt. Vielleicht endet aber auch jede Episode am Lagerfeuer mit seinem besten Freund oder bei einem Gespräch über The Walking Dead im Späti um die Ecke. Thorsten Falke ist genau das geworden, was Nick Tschiller gerne wäre, und zudem ein würdiger Nachfolger von Cenk Batu. Einzig seine Partnerin Lorenz wirkt bislang wie Eye Candy, dessen Kompetenz kolportiert, aber nicht bewiesen wird.

Tiefgang: Die Lösung des Falls fällt (zu) simpel aus, aber in sich schlüssig. Dass sie funktioniert, liegt in erster Linie an Mintal-Darsteller Bernhard Schütz, der in einem Monolog Frust, Enttäuschung und Wut offenbart, die sich über die Jahre in seinem nach außen hin so feinen Heim angesammelt haben. Regisseur Yildirim findet im Flashback dafür ein eindrückliches Bild, wenn der Ehemann in der Nacht neben seiner psychisch kranken Frau kniet, sie erstickt, während im Hintergrund das Auto in Flammen steht.

Mord des Sonntags: Eigentlich will er nur zwischen ein paar Autos reiern, aber dann jagt ihn die aufgescheuchte Meute in den Tod.

Zitat des Sonntags: “Herr Falke, wissen sie, die letzten Tage, das waren die schönsten und entspannendsten Tage, die ich je erlebt habe.”

Ein guter Erstling von Wotan Wilke Möhring war das oder was meint ihr?

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