Spektakulärer Netflix-Test: Virtual Reality macht Transformers zum neuen Erlebnis

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© Paramount/Warner
Transformers mit VR-Brille: Wie ist das?
04.07.2020 - 14:00 UhrVor 1 Monat aktualisiert
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Wir haben bei Netflix den Action-Blockbuster Transformers mit einer Virtual Reality-Brille geschaut. Funktioniert das? Wir verraten zudem, warum die Oculus Quest für Filmfans optimal ist.

Ich habe zwei neue Falten auf der Stirn, meine Nase schwitzt und mir ist etwas schwindelig. Das Gefühl, eine Virtual Reality-Brille abzusetzen, ähnelt tatsächlich jenem, einen Kinosaal nach zwei Stunden wieder zu verlassen und ins Licht zu blinzeln: Du verlinkst dich wieder mit der Welt, die Pixel der Realität kehren an ihren angestammten Platz zurück, es ist ein bisschen wie wach werden.

Transformers mit Virtual Reality-Brille gucken - aber warum?

Ich wollte wissen, ob eine Virtual Reality-Brille das Kino zumindest teilweise ersetzen kann. Ausgesucht habe ich mir dafür Transformers aus dem Jahr 2007. Der allererste Transformers-Film machte mich zum Fan der Reihe. Die Spielberg-Vibes in Kombination mit Michael Bays eleganter Brachial-Action, das gab es danach eigentlich nicht wieder im Franchise (bis Bumblebee kam).

13 Jahre alter Transformers-Trailer mit Megan Fox und Shia LaBeouf

Transformers - Trailer 2 (Deutsch)
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Ich habe den ersten Transformers-Film aber nie im Kino gesehen und das lastete so schwer auf mir wie ein Haufen Dinobot-Schrott. Transformers gehört auch nicht zu der Art Film, die im Rahmen einer Retrospektive nochmal ins Kino kommt. Eine 3D-Konvertierung gab es bisher ebenfalls nicht. Das Heimkino muss ausreichen.

Ältere Blockbuster mit Netflix zu Hause schauen - in Leinwandgröße

Als während der Beschränkungen durch die Corona-Pandemie in den Kinos dann gar nichts mehr lief, erzählte mir unser Social-Media-Manager Hardy von seiner kleinen VR-Brillen-Sammlung.

Er lieh mir für diesen Artikel seine Playstation VR, eine VR-Brille, die auf den Gebrauch mit der Konsole optimiert ist. Hardy kennt sich mit der Technik der Brille besser aus als ich, er hat mich mit einigen technischen Fakten und seiner Einschätzung versorgt.

Exkurs: Das müsst ihr über die Playstation-Virtual Reality-Brille wissen

Playstation-VR-Brille
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VR-Brille für Filmfans
  • Spiele-Fokus: Trotz Kabelsalat und veralteter Komponenten: Der große Vorteil der Playstation VR-Brille ist selbstverständlich der Zugriff auf die Spielbibliothek der Playstation 4.
  • Keine Blu-rays, nur Netflix und Co.: Der Game-Fokus von Sonys Virtual Reality-Erlebnis schlägt sich in den recht begrenzten Funktionen der VR-Bereiche von Streaming-Apps wie Netflix und YouTube nieder. Für den Einsatz von eigenem Content ist der interne Mediaplayer der Playstation oft nicht kompatibel, sodass auf mittlerweile kostenpflichtige Alternativen zurückgegriffen werden muss.
  • Hardys Fazit: Abseits des bisher nicht vergleichbaren Spiele-Katalogs kann die PSVR nur andeuten, was im Bereich von VR-Medienkonsum möglich ist - für Einsteiger ist jedoch auch der erste Schritt in die virtuelle Realität ein unvergleichlicher. Die aktuelle Version der Playstation VR wird außerdem auch mit der angekündigten Playstation 5 kompatibel sein.

VR-Brille: Die ersten Schritte bei Netflix

Ich schraube mir also die VR-Brille an den Kopf (ihr müsst tatsächlich überraschend viel schrauben), die sich wie ein Fahrradhelm mit Sichtschutz anfühlt. Das Wohnzimmer um mich herum verschwindet und ich bin plötzlich in einem neuen virtuellen Raum. Um mich herum nur Schwärze und natürlich die Netflix-App, in der ich Transformers auswähle.

Weil die Soundeffekte bei Transformers mindestens genauso wichtig sind wie die Bilder, habe ich mir schalldichte Kopfhörer umgeschnallt, bin also komplett von der Außenwelt abgeschnitten. Ich liefere mich der Technik aus, würde Michael Bay neben mir einen Hubschrauber explodieren lassen, ich würde es nicht merken.

Ich fühle mich etwa so:

Super Bowl-Brille in How I Met Your Mother

Das Spektakel auf dem "Bildschirm" wirkt dafür umso intensiver. Vor meinem Gesicht breitet sich tatsächlich eine Art Leinwand aus, die leicht gebogen ist. Ich muss meinen Kopf neigen, um in die Ecken zu sehen, so riesig ist sie. Es ist auch egal, wo oder wie ich mich hinsetze. Selbst wenn ich mich aufs Sofa lege und an die Decke gucke, ist die Leinwand immer direkt vor mir, ich muss die Position des Bildes lediglich hin und wieder zentrieren. Das geht mit einem Knopfdruck.

In den wundervollen 50 Anfangsminuten ist der nervöse, ständig wegen irgendwas schwitzende Shia LaBeouf ganz allein mit sich, seinem Auto und seiner ersten Liebe Mikaela (Megan Fox). So richtig rein komme ich in den Film aber nicht, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt bin, über das VR-Erlebnis nachzudenken:

  • Hmm, an den Rändern verschwimmt das Bild aber ein bisschen ...
  • Verrutscht die Brille gerade oder kippt der Hubschrauber?
  • Wo ist meine Dose mit gerösteten Erdnüssen?

Der körnige Look des Films ergänzt sich optimal mit dem dezenten Gittermuster, das stets über dem Bild liegt. Bei Transformers fällt das gar nicht auf, bei neueren Filmen mit glatter Digital-Optik sieht das etwas anders aus.

Das Transformers-Spektakel entfaltet sich in der VR-Brille

Irgendwann merke ich, wie ich auf die Actionszenen hinfiebere, die das Franchise über Jahre geprägt haben: Die dynamischen Verwandlungen der Autobots und Decepticons, ihre krachenden Duelle, wenn Stahl auf Stahl trifft, die wuchtigen Verfolgungsjadgen. Für solche Momente wurde die VR-Brille erfunden. Das Spektakel wickelt sich um meinen Kopf, ich bin mitten in der Schlacht der Autobots gegen die Decepticons.

Am besten ist die VR-Brille, wenn ich vergesse, dass sie da ist, ich also mit Haut und Haar in diesen Film falle, meinen Körper vergesse und minutenlang gar nichts mehr spüre außer das Donnern der Schläge und den Dampf von Shia LaBeoufs Schweiß.

Die Probleme: Film schauen mit der Playstation-VR ist kompliziert

Aber diese Phasen der totalen Immersion sind selten, weil das Bild, zumindest bei mir, stets nach links driftete, sodass ich alle paar Minuten neu zentrieren musste.

Wie Hardy oben schon schreibt, hatte auch ich den Eindruck, eine Technik mit Kinderkrankheiten zu nutzen. Auf passives Zuschauen scheint die Brille nicht ausgelegt zu sein. Für ein Erlebnis, das mich aus der Flachbild-Fernseher-Routine reist, reicht die Playstation-VR aber aus.

Für eine purere Film- und Kinoerfahrung hat Hardy noch eine Empfehlung.

Alternative VR-Brille für Filmfans: Die Oculus Quest

Oculus Quest
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VR-Brille für Filmfans
  • Die Technik: Bessere Auflösung, mehr Komfort, freieres Erlebnis: Die wohl beste VR-Brille ihrer Preisklasse kommt als All-in-one-Paket, bei der künftig wahrscheinlich nicht einmal mehr die schlichten Controller zwangsläufig nötig sein werden. Die Kombination mit einem PC erweitert die Möglichkeiten zwar, ein Haufen Kabel, Ortsgebundenheit und externe Hardware gehören aber schon jetzt der Vergangenheit an.
  • Geeignet für Filmfans: Die Ausrichtung der Oculus Quest ist deutlich multimedialer als die Brillen der oft auf Gaming fokussierten Konkurrenz. Die führenden Streaming-Dienste Netflix und Amazon Prime Video haben ihre Oculus-Apps sogar mit eigenen Erlebnisräumen ausgestattet: Bei Netflix findet man sich beispielsweise in einem gemütlichen Wohnzimmer in den Bergen wieder, seltsamerweise mangelt es dafür an der Auflösung der Inhalte. Die wahren Schätze für den Serien- und Filmkonsum finden sich jedoch abseits der Streaming-Giganten.
Pikachu in der Bigscreen-App
  • Optimierte VR-Inhalte: Der VR-Player Skybox ermöglicht es, eigens auf die Brille geladene Inhalte in einem virtuellen Kino oder sogar auf dem Mond zu schauen. Von der Größe der virtuellen Leinwand bis zum Bildformat ist alles selbst konfigurierbar; 3D Filme werden unterstützt und das maximale aus der Auflösung herausgeholt.
  • Soziales Kinoerlebnis: Die App Bigscreen hat zwar Defizite in der Auflösung, an ihr soziales Erlebnis reicht jedoch nichts heran. Hier kann von Usern erstellten Räumen beigetreten oder ein Ticket für das aus älteren Blockbustern zusammengestellte Kinoprogramm gelöst werden. Im virtuellen Saal sitzen dann Leute aus der ganzen Welt. Die Zukunft ist spürbar, wenn ein Actionblockbuster über die virtuelle Kinoleinwand rauscht, eine Französin auf der linken Seite mit animiertem Popcorn wirft und der Schwede rechts von dir fragt, ob du schon Bloodshot gesehen hast.

VR-Brillen für Filmfans lohnen sich also trotz verschiedener noch nicht behandelter Schwächen, ihr müsst nur das richtige Modell für eure Bedürfnisse finden.

Habt ihr schon Erfahrung mit VR-Brillen gemacht? Welche Filme eignen sich besonders?

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