Searching: Aneesh Chaganty will nie wieder einen Desktop-Film drehen

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Searching
20.09.2018 - 08:50 UhrVor 2 Jahren aktualisiert
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Mit Searching drehte Regisseur Aneesh Chaganty einen spannenden Desktop-Film. Zum deutschen Kinostart haben wir dem Filmemacher einige Fragen zum Thriller mit John Cho gestellt.

Einzig am Computerbildschirm entfaltet sich in dem Desktop-Film Searching das Drama rund um die verschwundene Tochter von David Kim (John Cho), der bei der erfolglosen Suche der Polizei nicht tatenlos zusehen kann und die Sache schließlich selbst in die Hand nimmt. Wir sehen also, wie er verzweifelt E-Mails und Kurznachrichten schreibt, Social Media-Profile durchscrollt und Überwachungsaufnahmen anschaut. Regisseur Aneesh Chaganty feierte mit Searching sein Debüt als Regisseur. Für uns hat sich der Filmemacher etwas Zeit genommen und ein paar Fragen zum Film beantwortet.

Wolltest du schon immer einen Desktop-Film drehen?
Aneesh Chaganty: Nein, das war nie wirklich ein Traum von mir. Die Produktionsfirma kam auf uns zu und zunächst haben [Drehbuchautor] Sev Ohanian und ich abgelehnt, weil wir nicht dachten, dass genug Potential da war. Wir haben einfach keinen Zugang gefunden. Schließlich hatten wir aber doch eine Idee für eine Eröffnungssequenz, die uns eine völlig neue Richtung ermöglichte. Im Gegensatz zu vorherigen Filmen dieser Art konnten wir hier einen Film erschaffen, der den Zuschauer vergessen lässt, dass sich alles nur auf dem Desktop abspielt. So konnten wir uns auf die Geschichte konzentrieren und die Tatsache, dass es sich bei Searching um einen Desktop-Film handelt, stand nur an zweiter Stelle. Wir nahmen eine klassische Struktur und haben sie in eine besondere Erzählweise eingebettet und hoffen, dass daraus etwas Magisches entstanden ist. Das dürfen jetzt die Zuschauer entscheiden.

Inwiefern unterscheidet sich der Prozess von einem "normalen" Film?
Aneesh Chaganty: Eigentlich unterscheidet sich jeder einzelne Aspekt von einem "normalen" Film. Wir haben immer Witze darüber gemacht, dass ein normaler Film in Vorproduktion, Produktion und Postproduktion eingeteilt ist, unser Film bestand aus Vorproduktion, Postproduktion und Post-Postproduktion.

Wir hatten zwei Cutter, Will Merrick und Nick Johnson, und beide haben eineinhalb Jahre gebraucht, um den Film zu schneiden. Tatsächlich hatten wir sieben Wochen bevor die Dreharbeiten überhaupt angefangen haben, eine erste Version des Films, in der ich alle Rollen verkörperte. Erst dann haben wir angefangen, mit den Schauspielern zu drehen. Diese erste Version brauchten wir, um die Szenen mit dem Cast in das Original einzufügen und so am Ende den fertigen Film zu kreieren. Das war so eine technisch komplexe Arbeit, dass ich wohl nie aufhören werde, die Cutter für den großartigen Job, den sie geleistet haben, zu loben.

Aneesh Chaganty und Debra Messing am Set von Searching

Hast du wirklich nur Handycameras und Webcams benutzt?
Aneesh Chaganty: Ja, wir haben den Film quasi mit jeder nur möglichen Kamera gedreht, die man auch im echten Leben benutzt. Wenn man sich heutige Filme oder TV-Serien ansieht, dann sind die Kameras alle so qualitativ hochwertig, dass das Ergebnis nie so aussieht wie im echten Leben. Wir wussten immer, dass sich der Film im Internet und auf einem Computer abspielen soll, den die Zuschauer wiedererkennen und alltäglich benutzen. Es sollte echt aussehen und das ging nur durch diese echten Geräte.

Hast du dir andere Desktop-Filme wie Unfriended und Profile angesehen? Haben sie dich beeinflusst oder war es dir wichtig, dass Searching anders wird?
Aneesh Chaganty: Profile haben wir noch nicht gesehen, da der Film erst während unseren Dreharbeiten fertig gestellt wurde. Unfriended haben wir angeschaut und wussten, dass er sehr erfolgreich gewesen ist. Das war einer der Gründe, warum wir zunächst nein gesagt haben, da diese Neuheit des Desktop-Films schon einmal dagewesen ist. Erst, als wir gemerkt haben, dass wir mit Searching dennoch etwas anderes machen konnten, haben wir uns in die Arbeit gestürzt. Von Unfriended haben wir sowohl gelernt, was wir wollten, als auch, was wir nicht wollten. Am Ende war es uns wichtig, dass Searching trotz der Desktop-Filme, die es davor bereits gab, einzigartig ist.

John Cho in Searching

Du hast vor den Dreharbeiten mit anderen Regisseuren gesprochen. Wer waren sie und wie haben sie dir geholfen?
Aneesh Chaganty: Sev Ohanian hat mich mit vielen Regisseuren bekannt gemacht, mit denen er bereits gearbeitet hat. Es war eine großartige Chance für mich, anderer Leute Gedanken über den Produktionsprozess zu erfahren. Ich hab mit vielen Indie-Regisseuren gesprochen, darunter Clea DuVall, die den Sundance-Film The Intervention realisiert hat. Da Searching mein erster Film ist, musste ich so vieles wissen, wie ich mich in Vorsprechen verhalte, wie ich mit meinen Cuttern rede, wie ich mich vorbereiten sollte. Dabei habe ich vor allem mit vielen über ihren ersten Film gesprochen, da das noch einmal eine besondere Herausforderung ist.

Wusstest du schon von Anfang an, dass John Cho die Hauptrolle spielen würde?
Aneesh Chaganty: Ja, wir haben die Rolle quasi für John Cho geschrieben, erstmal, weil er ein unglaublicher Schauspieler ist. Außerdem bin ich im Silicon Valley aufgewachsen und ich wollte eine Familie casten, die meine Familie zum Essen einladen oder mit der sie arbeiten würde. Weiterhin haben Sev und ich niemals uns selbst in dieser Art von Filmen gesehen, in diesen Thrillern oder Actionfilmen. Auf der einen Seite hatten diese Filme thematisch nichts mit Nationalität oder Hautfarbe zu tun, auf der anderen Seite habe ich aber nie eine indisch-amerikanische oder asiatisch-amerikanische Hauptrolle in solch einem Film gesehen. Also haben wir jemandem wie John Cho diese Chance gegeben.

John Cho in Searching

Kannst du dir vorstellen, so etwas nochmal zu machen oder willst du jetzt etwas anderes ausprobieren?
Aneesh Chaganty: Nein, ich würde so etwas nicht nochmal machen. Es war so unglaublich komplex, dass ich das nicht noch einmal durchmachen würde. Außerdem habe ich mit Searching alles erzählt, was ich erzählen wollte. Am Ende ist es nur eine Art und Weise, eine Geschichte zu erzählen, und ich bin der Überzeugung, dass diese Art und Weise nie Vorrang vor der Geschichte selbst haben sollte. Der nächste Film, den [Sev und ich] machen, heißt Run und ist ein Thriller, der nicht auf dem Desktop stattfindet, aber auch wieder eine Eltern-Kind-Beziehung ins Zentrum stellt, dieses Mal nur um einiges düsterer.

Was haltet ihr von Desktop-Filmen wie Searching?

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