Religion im Horrorfilm: Christlicher Glaube als Hoffnung oder Zerstörung

Conjuring 2
© Warner
Conjuring 2
18.10.2018 - 08:30 UhrVor 4 Jahren aktualisiert
26
5
Anhand von zwei Filmbeispielen werfen wir im Horror-Monat einen Blick darauf, wie der christliche Glaube im Horrorfilm hoffnungsvolle Rettung oder brutale Zerstörung sein kann.

Sind Horrorfilme eine Abbildung des Antichrists höchstpersönlich oder verbirgt sich hinter ihnen mitunter gar christliche Propaganda, die den Glauben als einziges Hilfsmittel gegen das Böse glorifiziert? Klar beantworten lässt sich diese Frage sicherlich nur für diejenigen, die sich auf einer diesen beiden Seiten - der des christlichen Glaubens oder der des ablehnenden Atheismus - eindeutig positionieren können. Wie so oft lohnt sich hierbei ein genauerer Blick auf die Mitte irgendwo dazwischen. Hier offenbart die Geschichte des Horrorfilms deutliche Tendenzen, bei denen sich der christliche Glaube entweder als überlebenswichtiges Instrument der Hoffnung oder Auslöser endgültiger Zerstörung deuten lässt. Um sich der gegensätzlichen Darstellung von Religion im Horrorfilm zu nähern, unterziehen wir im Rahmen unseres Themenspecials Angst, Schrecken, Panik - Horror-Monat 2018 nachfolgend speziell zwei Filme des Genres einer näheren Betrachtung: Der Exorzist von William Friedkin und Conjuring 2 von James Wan.

Der religiöse Glaube in Der Exorzist ist Auslöser endgültiger Zerstörung

Als William Friedkin seinen Horrorfilm Der Exorzist 1973 veröffentlichte, löste das Werk einige Skandale aus. Begleitet wurde der als Schocker eingestufte Streifen vorrangig von abenteuerlicher Mundpropaganda, laut der sich zahlreiche Zuschauer nach dem Kinobesuch übergeben mussten oder eine hochschwangere Frau während einer Vorstellung sogar eine Fehlgeburt erlitten haben soll. Neben solchen dramatischen Superlativen erzürnte Der Exorzist, der heute längst als Klassiker gilt, vornehmlich ein religiöses Publikum, das sich in seinem katholischen Glauben beleidigt und persönlich angegriffen fühlte. Grund dafür ist die Geschichte des Films nach dem Roman von William Peter Blatty, in der ein Dämon von der erst 12 Jahre alten Regan Besitz ergreift.

Der Exorzist

Zunächst ziehen die Eltern des Mädchens eine psychische Erkrankung in Betracht, nachdem sich Regan zu Beginn des Films seltsam sowie unkontrolliert verhält. Nachdem sie beispielsweise vor Gästen des Hauses auf den Boden uriniert und wiederholt bösartige Flüche ausstößt, kann ein behandelnder Arzt auf ihren Röntgenaufnahmen keinen krankhaften Befund diagnostizieren. Als sich das Verhalten von Regan zunehmend verschlechtert und schließlich die Leiche einer Person aus ihrem nahen Umfeld entdeckt wird, suchen ihre Eltern Hilfe bei zwei Priestern, die einen Exorzismus an dem Mädchen durchführen sollen.

Durch das Zusammenspiel von Pater Karras, Pater Merrin und Regan im Zimmer des Mädchens verschränkt William Friedkin seinen Film in intensiven Szenen zu einer Art Kammerspiel, in der religiöse Symbole und christliche Glaubenswerte teuflisch pervertiert werden. Darunter fallen Bilder wie jenes von Regan, die mit einem blutigen Kruzifix masturbiert, oder das Gesicht von Priester Karras, dem gewissermaßen stellvertretend für den christlichen Glauben von dem Mädchen ins Gesicht gekotzt wird. Auch wenn die Macht der Religion in Der Exorzist als eine Waffe gegen böse Mächte porträtiert wird, sieht Autor Josh Larsen von Think Christian  in dem Werk vor allem eine Ausschlachtung religiöser Motive.

Der Exorzist

Katholische Riten und religiöse Ikonografie würden in Der Exorzist lediglich oberflächlich ausgestellt werden, um sie unaufrichtig dem bloßen Schockeffekt zu opfern. Auch wenn es den Priestern im Finale von William Friedkins Film tatsächlich gelingt, den Dämon aus Regans Körper zu befördern und das Mädchen zu retten, müssen sowohl Pater Merrin als auch Pater Karras dafür ihr Leben lassen. Wie aus einer Interpretation von This Is Horror  hervorgeht, ist hierbei besonders brisant, dass der ältere Merrin bei dem Exorzismus stirbt, während Karras den Dämon freiwillig in seinen eigenen Körper übertreten lässt. Um weiteres Chaos zu verhindern, opfert er sein Leben und stürzt sich aus dem Fenster. Als ultimative Sünde im Christentum kann der Suizid des Priesters somit als endgültiger Triumph des Dämons gedeutet werden.

Conjuring 2 vertritt den christlichen Glauben als missionarischer Horror

In einem Artikel für Vice  stellt sich Autor Josiah Hesse die Frage, warum es sich bei so vielen Horrorfilmen um christliche Propaganda handelt. Dabei stellt er die These auf, dass Werke wie Conjuring - Die Heimsuchung, The Rite - Das Ritual, Der Exorzist oder The Wicker Man entweder Ungläubige verurteilen oder sämtliche nichtchristliche Religionen als besonders gruselig darstellen. Diese Annahme, durch die viele Horrorfilme mit einem missionarischen Werkzeug gleichgesetzt werden, wird mithilfe einer näheren Betrachtung des Horrorfilms Conjuring 2 durchaus gestützt.

Conjuring 2

In der Fortsetzung zu Conjuring - Die Heimsuchung von James Wan dreht sich die von wahren Ereignissen inspirierte Handlung erneut um das Dämonologen-Paar Ed und Lorraine Warren, die sich auf Geisteraustreibung spezialisiert haben. Ihr neuester Fall führt sie zur Familie Hodgson, die aus Mutter Peggy und ihren vier Kindern besteht. Im Haus der Hodgsons soll ein Poltergeist sein Unwesen treiben. Wie bereits vom Vorgänger gewohnt inszeniert Wan die Mission der Warrens als übernatürliche Fahrt in der Geisterbahn, die zahlreiche Schockmomente mit schaurigen Erscheinungen verbindet.

Neben dem Regisseur von Conjuring 2 lohnt sich aber vor allem eine Auseinandersetzung mit zwei der Drehbuchautoren des Horrorfilms. Im Interview mit The Christian Post  sprechen Chad und Carey Hills darüber, dass sie Geschichten lieben, in denen das Gute das Böse bezwingt. Für die beiden Christen ist Conjuring 2 eine Geschichte, die durch die Augen Gläubiger erzählt wird, deren stärkste Waffe ihr Glaube an Gott ist. Mithilfe dieses Szenarios wollen sie sich auch speziell an diejenigen richten, die mit ihrem Glauben hadern und in diesem bestärkt werden müssen.

Conjuring 2

Im Vergleich zu Der Exorzist, in dem das Böse am Ende teilweise über das Gute gesiegt hat, etabliert Conjuring 2 den Glauben an Gott als notwendige Maßnahme des uneingeschränkten Erfolgs. Im Interview weisen Chad und Carey Hills noch einmal darauf hin, dass dieser in dem Horrorfilm ein Mädchen rettet und eine Familie wieder zusammenführt. Am Ende lässt sich Conjuring 2 somit als Beispiel aufführen, bei dem der christliche Glaube ein klares Instrument der Hoffnung ist, während Der Exorzist diesen letztlich als Auslöser einer großen Katastrophe interpretiert.

Wie steht ihr zu Religion in Horrorfilmen?

Das könnte dich auch interessieren

Angebote zum Thema

Kommentare

Aktuelle News