Phantastische Tierwesen 2 schafft es nicht, auf eigenen Füßen zu stehen

Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen
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Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen
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Achtung, es folgen Spoiler zu Phantastische Tierwesen 2: Mit 134 Minuten Lauflänge gehört Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen zu den kürzeren Filmen der Harry Potter-Reihe und ist auch nur unwesentlich länger als Teil 1. Trotzdem wirft der Film eine Vielzahl von Fragen auf, viel mehr noch als der Vorgänger. Welche Rollen spielen die Familien Dumbledore und Lestrange, was bedeutet die mysteriöse Prophezeiung und stimmt eigentlich die große Enthüllung am Ende des Films. Das alles schwirrte mir nach dem Ende des Filmes im Kopf herum. Das Problem ist nur: Der Film stellt viele Fragen, aber beantwortet keine.

Phantastische Tierwesen 2 funktioniert nicht als alleinstehender Film

Phantastische Tierwesen 2 verbringt den Großteil seiner Laufzeit damit, Geschichten aufzubauen und neue Figuren und Mysterien einzuführen. Was der Film nicht tut, ist einen Grund zu liefern, warum er auch als alleinstehender Film funktionieren sollte. Das ist ein Novum in der Harry Potter-Reihe. Alle Filme hatten neben der übergreifenden Hauptgeschichte auch eine für sich funktionierende Handlung, auch der erste Phantastische Tierwesen-Film. Dort ging es hauptsächlich darum, die titelgebenden magischen Wesen einzufangen. während der mysteriöse Credence Barebone (Ezra Miller) eher beiläufig aufgebaut wurde.

Phantastische Tierwesen 2 fehlt eine geschlossene Handlung. Der Film schließt mit dem Ausbruch von Grindelwald (Johnny Depp) direkt an den ersten Teil an und lässt seine Figuren dann ziellos durch ein Paris laufen, das aufgrund von tonnenweise CGI kaum als solches zu erkennen ist. Zum anderen braucht der Film ewig, bis er an Fahrt aufnimmt. Schließlich müssen erstmal neue Charaktere wie Newt Scamanders (Eddie Redmayne) Bruder Theseus (Callum Turner), dessen Verlobte Leta Lestrange (Zoë Kravitz) und der junge Albus Dumbledore (Jude Law) eingeführt werden. Nicht zu vergessen, dass auch Newts Tierwesen einige Minuten bekommen, obwohl sie in diesem Film kaum etwas zur Handlung beitragen. Versteht mich nicht falsch, die magischen Geschöpfe haben mir auch in Grindelwalds Verbrechen gut gefallen - sie halten aber leider die Handlung auf.

Phantastische Tierwesen 2: zu viel Handlung, zu viele Charaktere

Da jeder einzelne Charakter aus dem Vorgänger seinen eigenen Handlungsstrang braucht, verliert sich der Film in Nebensächlichkeiten. Der No-Mag Jacob (Dan Fogler) und seine Geliebte Queenie (Alison Sudol) sind zwar immer noch witzig, aber wie die Tierwesen größtenteils nur Bremsklötze. In Paris geht das muntere Figuren-Schaulaufen dann weiter. Nagini (Claudia Kim), die Credence begleitet, hat überhaupt keinen eigenen Charakter. Der mysteriöse Zauberer Yusuf Kama (William Nadylam) und seine uninteressante Geschichte werden dann auch noch mal obendrauf geworfen, ganz zu schweigen von Nicholas Flamel (Brontis Jodorowsky), der eigentlich nur Fan-Service ist. Phantastische Tierwesen 2 hat eindeutig zu viel von allem, nur nicht von einer spannenden eigenen Geschichte. Das Schlimmste ist, dass der Film eine groß aufgebaute neue Figur wie Leta Lestrange gleich wieder sterben lässt. Viel Screentime für nichts.

Gerade beim Punkt Fan-Service wird der Film seine Zuschauer spalten. Alle, die sowieso schon Harry Potter-Fans sind, werden sich an den zahllosen Easter Eggs erfreuen. So auch ich. Dumbledore, Hogwarts und viele kleinere Zauber wie Vielsafttränke und Portschlüssel haben den Film für mich aus einer Fan-Sicht aufgewertet. Mal von Dumbledore abgesehen werden diese ganzen, meist kleinen Details dem normalen Zuschauer aber gar nicht auffallen. Es ließe sich also durchaus die Aussage treffen, dass der Film nur für Fans gemacht ist. Das heißt aber nicht, dass er auch gut ist.

Tolle Easter Eggs täuschen nicht über den billigen Cliffhanger hinweg

All diese Verbindungen zur bekannten Harry Potter-Serie werden Phantastische Tierwesen 2 mitunter zum Verhängnis. Der Fakt. dass Minerva McGonagall in Hogwarts ist, obwohl sie eigentlich noch gar geboren wurde, steht stellvertretend dafür, dass der Film Fan-Service über Logik stellt. Wenn Credence am Ende als weiterer Dumbledore-Bruder enthüllt wird, geht die Überraschung völlig daneben. Nicht nur ist der Cliffhanger ein billiger Schock-Moment, sondern wurde komplett neu in der Harry Potter-Welt hineingedichtet. Ein Bruder namens Aurelius Dumbledore wurde vorher noch nie erwähnt. Also muss sich das eigentlich als Lüge von Grindelwald herausstellen. Dann würde das aber wiederum bedeuten, dass der sowieso schon billige Cliffhanger auch noch falsch ist.

Heißt das jetzt, dass die komplette Reihe dem Untergang geweiht ist? Nein, und das nicht nur, weil der Film einen sehr guten Kinostart hingelegt hat. Eine Sache, die aufgebaut wird, macht tatsächlich Lust auf mehr. Selbst wenn wir uns noch ein bisschen auf das unabwendbare Aufeinandertreffen von Dumbledore und Grindelwald gedulden müssen, begeistert Jude Law mit seinem Schauspiel. Dass das Beste am Film eine Geschichte ist, die bereits im Harry Potter-Kanon verankert ist, zeigt aber wiederum, wie schwach alle anderen Handlungsstränge und Figuren sind. Mir war Newt immer noch sympathisch - nur leider hat er, genauso wie seine Angebetete Tina (Katherine Waterston), kaum eine echte Rolle in der Geschichte. Sie sind einfach da, während die wahre Handlung um sie herum geschieht.

Phantastische Tierwesen 2 kann den Zuschauer nicht verzaubern

Schon jetzt kann ich sagen: Phantastische Tierwesen 2 ist der schwächste Teil der Harry Potter-Reihe. Der größte Grund dafür ist einfach zu nennen. Grindelwalds Verbrechen kann in keinster Weise als alleiniger Film stehen. Er knüpft direkt an Teil 1 an und leitet mit einem großen Cliffhanger auf Phantastische Tierwesen 3 über. Dazwischen gibt es geschlagene 134 Minuten Exposition, in der für den Rest der Reihe aufgebaut wird. So saß ich dann während des Finales da, ließ meine Gedanken ob des anstrengenden Filmes schweifen, nur um zu merken, dass der Showdown eine herbe Enttäuschung war. Denn Phantastische Tierwesen 2: Grindelwalds Verbrechen will so viel sagen, obwohl er nichts eigenes zu erzählen hat.

Seid ihr meiner Meinung, oder hat euch fantastische Tierwesen 2 doch verzaubert?

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