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Oscars 2018: Jennifer Lawrence verdient einen Oscar & keine Himbeere

mother!
© Paramount Pictures
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03.03.2018 - 08:50 UhrVor 3 Jahren aktualisiert
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Für ihre Hauptrolle in Darren Aronofskys mother! ist Jennifer Lawrence für eine Goldene Himbeere nominiert. Dabei hätte sie eigentlich einen Oscar und keinen Scherzpreis verdient.

Darren Aronofskys Psychodrama mother! spaltete im vergangenen Jahr die Gemüter: Viele liebten die metaphorische Abwärtsspirale, mindestens genauso viele hassten sie aber auch abgrundtief. Auch für mich ist es ein zweischneidiges Schwert - auch wenn ich mehr auf der Pro-Mother-Seite stehe. Aber was auch immer man von dem Film halten mag, die Darbietung von Jennifer Lawrence sollte eigentlich über jeden Zweifel erhaben sein. Die meisten Kritiker hoben die Leistung der Oscar-Preisträgerin (2013 für Silver Linings) damals hervor, machten sie als größte Qualität des Films aus. Dennoch beachtete die Academy sie bei den Nominierungen zu den Oscar 2018 nicht, stattdessen geht sie bei der Verleihung der Goldenen Himbeere ins Rennen um die Negativ-Auszeichnung für die Schlechteste Hauptdarstellerin (hier könnt ihr sehen, wer ihre "Konkurrentinnen" sind). Doch das hat sie beim besten Willen nicht verdient.

JLaws beeindruckende Performance

Ich will an dieser Stelle keineswegs sagen, dass Jennifer Lawrence für mother! zwingend für einen Oscar hätte nominiert werden müssen - vor allem auch aufgrund der starken Konkurrenz um Frances McDormand (Three Billboards Outside Ebbing, Missouri), Sally Hawkins (Shape of Water - Das Flüstern des Wassers) und Saoirse Ronan (Lady Bird). Wenn sich allerdings eine pomadig aufspielende und lediglich ihr gewohntes Pensum runterspulende Meryl Streep (Meine Meinung!) ihre unglaubliche 21. Oscarnominierung auf den Briefkopf schreiben darf, dann hätte auch Jennifer Lawrence ihren Platz auf der Nominierungsliste ohne jede Frage verdient.

Steht im Mittelpunkt von mother!: Jennifer Lawrence

Im Psychodrama ihres Ex-Lebensgefährten Darren Aronofsky ist JLaw die zentrale Figur: Die Kamera klebt stets an ihr, der Zuschauer durchlebt die ausufernden Schrecken des Films aus ihrer Perspektive. Dabei schafft es die 27-jährige Schauspielerin die eigentlich ausgelutschte Figur der gepeinigten Ehefrau mit eleganter Zurückhaltung auf ein völlig neues Level zu heben. Sie spielt passiv und nur in wenigen Gefühlsausbrüchen wirklich auffällig, legt aber allein in ihre Augen und Gesichtsausdrücke so viel Tiefe, dass sie die wachsende Paranoia ihrer Figur so perfekt auf die Leinwand bringt. Die Himbeeren-Nominierung kann ich deshalb nur insofern nachvollziehen, dass die Jury Jennifer Lawrence' zurückhaltende Darbietung missinterpretiert hat - oder aber einfach nur provozieren wollte.

Die goldene Himbeere: Eine peinliche Veranstaltung

Allerdings ist die Goldenen Himbeere auch alles andere als eine Messlatte für niedere Qualität: Statt die wirklich schlechtesten Filme zu "ehren" oder sogar auf etwaige Missstände hinzuweisen, wird der Schmähpreis nur in Richtung derjenigen geschmissen, die sowieso schon im Kreuzfeuer der Kritik stehen oder dadurch bereits zu Boden gegangen sind. Er ist nicht mehr als ein antiquierter Witz, der sicherlich einmal dazu gedacht war, das Hollywood-Establishment aufzumischen, dem Zeitgeist aber mittlerweile mindestens 20 Jahre hinterherhinkt und lediglich noch durch gezielte, aber blutleere Provokationen und die Nähe zur Oscarverleihung im Fokus der Öffentlichkeit verweilen darf (in einem Artikel von 2014 wird noch einmal ausführlich ausgeführt, weshalb die Himbeere keinesfalls ernst zu nehmen ist).

Als schlechteste Schauspielerin der 2000er ausgezeichnet: Paris Hilton (hier in House of Wax)

Im Herbst 2017 geriet das gesamte Filmprojekt mother! in die Schusslinie der Kinogänger und stellt daher ein leichtes (und öffentlichkeitswirksames) Ziel dar, was sich nun niederschlägt in den Nominierungen für Jennifer Lawrence sowie Javier Bardem als Schlechtester Nebendarsteller und Darren Aronofsky als Schlechtester Regisseur. Aus diesem Grund sollte es auch nicht zu hoch gehangen werden, dass JLaw nun bei der Goldenen Himbeere auftaucht - selbst wenn sie die wertlose, aus einer mit Goldfarbe überzogenen Plastikfrucht bestehende Trophäe bei der heutigen Verleihung abräumt.

Zu erwartende Rehabilitation

Es gehört übrigens zur Goldenen Himbeere, dass sich frühere Preisträger durch besondere Leistungen und Ehrungen wieder rehabilitieren können - wie zum Beispiel den Gewinn eines Academy Awards. Und Jennifer Lawrence hat nicht nur gerade eben erst im Agententhriller Red Sparrow erneut eine beeindruckende Performance hingelegt, sondern wird mit ihren erst 27 Jahren wohl noch einige Male die Chance auf die prestigeträchtige Goldtrophäe haben. Die diesjährige Nominierung für eine Himbeere sollte ihr also nicht lange nachhängen - und sowieso sollte weder sie noch irgendwer anders etwas auf einen altbackenen Witz von wichtigtuerischen Trollen geben, der leider jedes Jahr erneut zu viel Aufmerksamkeit erhält.

Was haltet ihr von Jennifer Lawrence' Darbietung in mother!?

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